Soziales

Asylbewerber haben in Kleve kaum Chancen auf eine Wohnung

Asylbewerber haben bei der Wohnungssuche in Kleve oft schlechte Karten. Die Caritas hilft bei der Vermittlung.

Asylbewerber haben bei der Wohnungssuche in Kleve oft schlechte Karten. Die Caritas hilft bei der Vermittlung.

Foto: Simon Ribnitzky / dpa

Kleve.  Asylbewerber haben es in Kleve besonders schwer, eine Wohnung zu erhalten. Sprachprobleme und Vorbehalte sind ein echtes Vermittlungshemmnis.

Die Vermittlung von Flüchtlingen auf dem Wohnungsmarkt in Kleve ist oft nicht erfolgreich. Sigurd Tenbieg, Mitarbeiter der Caritas Kleve, teilte dem Sozialausschuss mit, dass von 273 Gesprächen mit Vermietern, nur elf zu einem Mietverhältnis führen. Das ist eine Quote von vier Prozent: „Ich habe Absagen ohne Besichtigungstermin.“

Viele Schwierigkeiten bei der Vermittlung

Tenbieg betreut zahlreiche Flüchtlinge in Kleve und hilft ihnen bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung. Ziel der Stadt Kleve ist es, möglichst viele Menschen aus den Sammelunterkünften zu bekommen: „Es werden ständig Wohnungen gesucht und wir durchforsten regelmäßig den Wohnungsmarkt“, sagte Tenbieg. Er begleitet die Flüchtlinge bei Sichtungsterminen und auch zum Ausländeramt. „Wir sind sehr da hinterher, dass Flüchtlinge in eine normale Wohnung kommen“, sagt er. Mit der bisherigen Vermittlungspraxis ist er sogar zufrieden.

Hier gibt es mehr Artikel und Bilder aus Kleve und UmlandDenn Tenbieg weiß auch um die Vorbehalte in der Gesellschaft, eine Wohnung an „Ausländer“ zu vermieten. Die Caritas pflege da zum Glück ein sehr enges Verhältnis zum Fachbereich Arbeit und Soziales der Stadt. So könne es schon mal vorkommen, dass Mietzahlungen nicht rechtzeitig überwiesen werden, weil die Flüchtlingen die Post nicht ordentlich lesen. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Mitarbeitern könne man aber immer rechtzeitig eine Lösung finden, sagte Tenbieg.

Sprache ist ein echtes Vermittlungshemmnis

Auch die Integrationsbeauftragte Sonja Lemm sieht noch einigen Aufklärungsbedarf in Kleve: Oft hätten Wohnungsvermieter bislang nur an Deutsche vermietet. Da viele der englischen Sprache nicht mächtig sind, sei dies nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern ein echtes Vermittlungshemmnis. Konkrete Probleme möchte man auch konkret mit dem Mieter besprechen und nicht erst noch einen Dolmetscher einschalten müssen.

Lemm möchte daher in naher Zukunft weitere Gesprächsrunden auf den Weg bringen, wo sich Vermieter, Mitarbeiter der Stadt und Vertreter von Asylbewerbern an einen Tisch setzen, um für mehr Verständnis zu werben.

Mietpreise sind in Kleve deutlich gestiegen

Sigurd Tenbieg erzählte im Klever Sozialausschuss, dass die Mietpreise in der Kreisstadt in den vergangenen Jahren ordentlich in die Höhe geschossen sind: „Acht bis zehn Euro je Quadratmeter sind keine Seltenheit – auch für eine Schrottimmobilie.“

Wilfried van de Kamp, Leiter der Sozialberatung der Caritas, sieht für die kommenden Jahre eine weitere Zuspitzung des Problems: „Bis zum Jahr 2030 fehlen Wohnungen. Die Bevölkerung steigt um drei Prozent und im Kreis Kleve benötigen wir 20.400 Wohnungen. „Und neue Sozialwohnungen werden nur wenige gebaut“, so van de Kamp.

Häufig Missverständnisse

Ohne das Engagement der Caritas wären die Vermittlungsquoten für Asylbewerber vermutlich noch geringer. Marcel Erps, Fachbereichsleiter Arbeit und Soziales der Stadt, ist daher froh, auf die Mithilfe der Caritasmitarbeiter zurückgreifen zu können: „Es kommt oft zu Missverständnissen zwischen Kunden und Vermietern“, sagt er. Wenn die Miete nicht gezahlt werde, dann liege es oft daran, dass Folgeanträge nicht gestellt worden sind, so Erps.

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