Fachkräfte-Mangel

Auf dem Bau im Kreis Kleve fehlen die Spezialisten

Am Bau fehlt es an Spezialisten. Jetzt schlägt die Gewerkschaft Alarm.

Foto: Malte Christians

Am Bau fehlt es an Spezialisten. Jetzt schlägt die Gewerkschaft Alarm. Foto: Malte Christians

Kreis Kleve.   Am Bau können viele Stellen nicht mehr besetzt werden. Kreishandwerkschaft rät den Betrieben zu Ausbildungs-Offensive.

Auch im Kreis Kleve verschärft sich der Fachkräfte-Mangel, besonders in der Bauwirtschaft. „Die Firmen steuern hier auf einen immer größeren Fachkräfte-Engpass hin“, schlägt jetzt die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt mit Sitz in Duisburg Alarm. „Wegen der sehr guten Auftragslage wird auf Teufel komm raus eingestellt. Und zwar alles, was laufen kann“, bestätigt der Obermeister der Bau-Innung Kreis Kleve, Michael Köster aus Emmerich, den Run auf potentielle Arbeitskräfte.

Auf Teufel komm raus einstellen

Diesen Trend könne er wohl für viele Kollegen der fast 100 Baufirmen so beschreiben, die in der Innung organisiert sind, sagt Köster, der Betriebsleiter bei der Emmericher Firma Holzbau Niederrhein mit zehn Beschäftigten ist. Grund sei natürlich die schon seit längerem anhaltende sehr gute Auftragslage.

Im vergangenen Jahr, so die Gewerkschafts-Statistik, hätten die Baufirmen im Kreis 113 Bau-Jobs über 90 Tage lang nicht besetzen können – und damit 38 Prozent mehr als noch 2016. Laut IG Bau waren im Kreis im Jahresschnitt 196 offene Bauarbeiter-Jobs gemeldet.

„Während die Baukonjunktur so gut dasteht wie zuletzt Ende der 1990er-Jahre, finden die heimischen Unternehmen oft keine Fachleute mehr“, sagt Karina Pfau. Die Bezirksvorsitzende der IG Bau Duisburg-Niederrhein nennt den Trend ein „Alarmsignal“. Vom Zimmerer bis zum Estrichleger fehlten in der Region Spezialisten in nahezu allen Bausparten.

Uni ist attraktiver als ein Bau-Beruf

Pfau sieht dafür einen doppelten Grund. Einerseits hätten viele Firmen trotz anziehender Auftragslage ihre Personaldecke in den letzen Jahren nicht ausreichend aufgestockt. „Anderseits hat der Bau mit einem großen Nachwuchsproblem zu kämpfen“, ist Pfau besorgt. Zwar würden Azubis hier mehr als in allen anderen Branchen verdienen, doch immer mehr Schulabgänger ziehe es an die Uni. Laut Sozialkassen der Bauwirtschaft gab’s im Kreis Kleve Ende 2017 insgesamt 62 neue Ausbildungsverträge.

Dass es schwerer wird, geeigneten Nachwuchs zu bekommen, bestätigt Frank Smola, Kaufmännischer Leiter bei Tönnissen in Kleve, der mit 130 Mitarbeitern größten Baufirma im Kreis. „Trotzdem setzen wir weiter auf Qualität bei unseren Auszubildenden“, betont Smola, auch weil im eigenen Unternehmen, das zwei Auszubildende hat, der Druck nicht so groß sei wie bei anderen. Pro Jahr würden – nach einer bereits länger anhaltenden Verjüngungs-Kur der Belegschaft – im Schnitt nur zwei Kollegen in den Ruhestand gehen.

Gute Erfahrungen mit der Reeser Job-Börse

René Schenk von der gleichnamigen Zimmerei in Rees setzt schon seit Jahren darauf, seine Facharbeiter selbst auszubilden – bei zehn Beschäftigten gibt’s in dem Betrieb sogar drei Azubis. „Seitdem es den Betrieb gibt, sind wir auch auf der Job-Börse im Reeser Bürgerhaus. Das hat sich gelohnt“, gibt er Kollegen einen gut gemeinten Ratschlag, ähnlich vor zu gehen.

Und nicht nur der 50-jährige Bauingenieur tut das. Auch Achim Zirwes, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft mit Sitz in Goch, gibt den Tipp, „unbedingt selbst auszubilden“. Denn wie die Gewerkschaft weiß auch er: Der Fachkräftemangel droht sich weiter zu verschärfen. „Das Zauberwort gegen diese Krise kann nur sein, selbst auszubilden“, ist sich Zirwes sicher.

Verstärkt in Schulen werben

Was etwa im Sanitär-Bereich, auch in der Elektro-Branche, schon seit September 2017 passiere. Dort sei die Zahl der Ausbildungsverträge im Kreis, in dem fast 10 000 Menschen im Baugewerbe beschäftigt sind, von 36 auf über 50 gestiegen.

Die IG Bau schlägt vor, verstärkt in Schulen für eine Handwerks-Ausbildung zu werben. „Vielen gilt ein Studium als Nonplusultra – obwohl Karriere- und Verdienstchancen in der Bauwirtschaft oft mindestens genauso gut sind“, sagt Pfau. Auch die Betriebe seien gefordert: Sie sollten auf Qualität und gute Arbeitsbedingungen setzen. Denn Subunternehmen und Billigheimer aus dem Ausland würden die Branche am Ende teuer zu stehen kommen – „Und letztlich die Standards senken“, warnt die IG-Bau-Frau.

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