DLRG

Auf den Spuren von Baywatch in Kalkar-Wissel

Mit Spass und Ernst bei der Sache.

Mit Spass und Ernst bei der Sache.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Kleve/Kalkar.  In Corona-Zeiten trainieren die rund 250 Jugendliche am Wisseler See vor allem in der Wettkampfdisziplin des Freigewässer-Rettungssports.

Wenn Alexander Bungert seinen Schützlingen das Startsignal gibt, wählt er einen martialischen Ton. „Competitors ready, heads down, go“, brüllt er über den Strand am Wisseler See. Aus der Bauchlage heraus sprinten die Jugendlichen 20 Meter zu kleinen Flaggen. Der Clou: Es sind weniger Stäbe vorhanden als Wettkämpfer. So scheidet bei jedem Durchgang ein Sportler aus. Die besondere Variante des Spieleklassikers „Reise nach Jerusalem“ weckt den Ehrgeiz der Freiwasserschwimmer der DLRG Kleve. Mitunter springen sie nach dem kurzen Sprint meterweit gen „Beach-Flag“ – ohne große Rücksicht auf den Nebenmann. Die Nachwuchsathleten sind im Wettkampffieber. „Bei diesem Spiel sind die Kinder immer besonders motiviert“, sagt Bungert.

Die neue Trainingsgruppe entstand im Frühjahr in Corona-Zeiten. Immerhin waren die Hallenbäder der Region geschlossen, 250 Kindern und Jugendlichen der DLRG-Ortsgruppe wurden so die Schwimmzeiten genommen. „Dankenswerterweise war es aber am Wisseler See möglich, corona-sicher an der frischen Luft zu trainieren. Wir sind bestmöglich mit der Situation umgegangen“, sagt Bungert, Trainer der Schwimmsportler. Im vergangenen Jahr habe er sich mit Julia Spaan in die Wettkampfdisziplin des Freigewässer-Rettungssports einführen lassen. Zwölf Jungen und Mädchen im Alter von neun bis 15 Jahren haben Spaan und Bungert nun für die Mission begeistern können.

Zwei Mal in der Woche wird trainiert

Zwei Mal in der Woche wird mittlerweile trainiert, zudem wolle man künftig regelmäßig an Wettbewerben teilnehmen. Zuletzt war die Gruppe mit einer Delegation bei den Landesmeisterschaften im Freiwasser-Rettungsschwimmen in Kalletal dabei – und räumte gleich vordere Plätze ab. Lea Pauls schwamm gar auf Rang drei. „In Australien und Neuseeland ist der Sport schon seit Jahrzehnten sehr beliebt. Bei nationalen Meisterschaften sind dort tausende Zuschauer dabei“, sagt Alexander Bungert. Mittlerweile etabliere sich die Disziplin allerdings auch in Europa, auch die deutsche Szene wachse kontinuierlich. „Wir haben am Wisseler See in Kalkar optimale Voraussetzungen für diesen Sport“, sagt Bungert.

An den Stränden des Pazifik

Entstanden ist der Freigewässer-Rettungssport an den langen Stränden des Pazifiks und des Atlantiks. Deshalb gibt Bungert seine Kommandos auch in englischer Sprache. „Dort sind die Alltagsanforderungen an Rettungsschwimmer deutlich höher als bei uns. Meistens haben sie es noch mit Wellengang und Brandungen zu tun“, sagt Bungert. Außerdem sei der sichere Umgang mit Rettungsbrettern, Rettungskajaks oder Gurtrettern obligatorisch. Langfristig sollen die Freiwasserschwimmer der Klever DLRG selbst auch als Rettungsschwimmer tätig werden, etwa im Wachturm am Wisseler See. Noch aber befinden sie sich in der Ausbildung. Allerdings in einer besonders beanspruchenden, wie die neunjährige Johanna Bungert findet. „Wir haben uns schon ein extrem anstrengendes Hobby ausgesucht. Man kommt immer wieder an seine Grenzen. Aber auch das macht das Freiwasserschwimmen aus“, sagt die Schülerin des Konrad-Adenauer-Gymnasiums.

Hier gibt es mehr Artikel und Bilder aus Kleve und UmlandSo müssen die Nachwuchsathleten etwa ein sogenanntes Rettungsbrett-Rennen absolvieren – allerdings ohne Rettungsbrett, wie sonst üblich. Ambitioniert ist die Herausforderung dennoch. Die Schwimmsportler rennen 200 Meter über den Strand, schwimmen dann 400 Meter im aktuell 16 Grad Celsius kalten Wasser um Bojen herum, um in der Folge erneut 200 Meter im Sand zu rennen. Nach dem Rundkurs gehen die DLRG-ler erschöpft zu Boden. Übungsleiter Bungert, der schon als Jugendlicher Mitglied der Lebensrettungs-Gesellschaft wurde, macht die Einheit selbst mit. Immer wieder fordert er die Heranwachsenden zum Duell auf. „So bleibe ich selbst auch fit“, sagt er.

Brandungsschwimmen als Sport

Im Laufe der kommenden Monate wollen Spaan und Bungert weitere Teildisziplinen des Freiwasserschwimmens einführen, darunter das Brandungsschwimmen oder den Strandsprint. Beim Rettungsski-Rennen starten die Sportler mit einem Rettungsski aus dem knietiefen Wasser und legen einen 700 Meter langen Rundkurs zurück. „Das Open-Water-Schwimmen ist eben weit mehr als nur das Schwimmen. Wir sehen immer wieder, dass die Kinder sich bei neuen Disziplinen erst einfinden müssen. Aber sie nehmen die Inhalte schnell auf“, sagt Bungert. Auch im Winter wolle man am Wisseler See trainieren. Zumindest, solange die Witterung und die bereits jetzt abfallende Wassertemperatur es zulassen. „Aber die Jungs und Mädels sind hart im Nehmen“, sagt der Coach.

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