Historie

Auf der Suche nach der Kalkarer Burg

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Foto: Andreas Daams

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Kalkar.   Einst residierten die Grafen von Kleve auf dem Kalkarer Monreberg. Der Verein Monterburg will die Geschichte ihrer Burg sichtbar machen

Der Weg führt unter Kastanienbäumen und Buchen entlang, vorbei an Brombeergebüsch und Brennnesseln. Dann steht man vor dem einzigen noch vorhandenen Relikt einer alten Burganlage: dem Brunnen. 50 Meter war er im Mittelalter tief, nach dem Krieg hat man ihn für das Kalkarer Wasserwerk noch einmal vertieft. Das Wasser tief unten ist inzwischen nitratverseucht, von der großen Burganlage mit Kapelle und Kanonikerstift ist kein Stein mehr auf dem anderen, und überhaupt ist das alles längst vergangene Geschichte.

Wirklich? Anfang 2014 gab es die ersten Kontakte zwischen Meinhard Pohl, dem ehemaligen Weseler Stadtarchivar, und einigen Kalkarer Bürgern. „Wisst ihr eigentlich, was ihr da habt?“, habe er gefragt, erinnert sich Carsten van Dornick. Nun ist seit langem bekannt, dass es auf dem Monreberg eine Burg gab. Stadtführerin Helene Meurs kann sogar Bilder von ihr zeigen – auf einem Altarbild in der Nicolaikirche ist eine Ansicht erhalten. Es gibt sogar eine flüchtige Zeichnung aus dem Jahr 1612, auf der die ganze Gegend dargestellt ist. Ferner Landschaftsgemälde aus der Zeit, in der die Burg schon eine Ruine war. „Aber will das noch jemand wissen?“, fragte sich Helene Meurs.

Ja. Im Dezember 2014 gründete sich der Verein Monterburg e.V. Auf dem Stadtfest vor einem Monat stellte er sich erstmals vor. Sein erstes Ziel: Geld sammeln, um mittels Bodenradar herauszufinden, was eigentlich an Fundamenten und Resten noch im Boden erhalten ist. Immerhin haben hier mehrere Anlagen nacheinander gestanden. Vermutlich hatten schon die Römer einen Turm an dieser Stelle. Um das Jahr 1000 herum haben dann Gaugrafen eine sogenannte Motte hier errichtet, eine abgezäunte Aufschüttung mit einem Turm von zwölf Metern Durchmesser. Ähnliche Anlagen gab es im niederländischen Montferland und auf dem Gelände des Halderner Haus Aspel.

Höher als die Schwanenburg

Die Motten wurden offenbar später auf kaiserlichen Erlass hin wieder eingeebnet. Es folgte die große Zeit der Klever Grafen. Die errichtet hier, auf dem Monreberg, um das Jahr 1260 herum ihre Burg. „Der Wohnturm hier war höher als die Schwanenburg“, sagt Helene Meurs. 1341 zogen sie dann fort nach Kleve, das sonst vermutlich dauerhaft im Schatten von Kalkar gelegen hätte.

Der Monterberg-Verein möchte nun über Crowdfunding etwa 7000 Euro zusammenbekommen, um dann mithilfe von Drittmitteln die wissenschaftliche Durchleuchtung des Bodens vornehmen zu lassen. Vom Ergebnis hängt dann ab, was folgen soll. „Sollen wir etwas aus der Römerzeit andeuten? Oder das Mittelalter mit aufgemauerten Grundmauern erfahrbar machen? Oder einen Aussichtsturm errichten?“ Für den Vereinsvorsitzenden Carsten van Dornick ist noch alles offen. „Wir wollen uns nicht verzetteln“, sagt Peter Anton Wolters, stellvertretender Vorsitzender. Die Mitglieder des Vereins haben bereits viel Zeit, Geld und Energie in ihr Projekt gesteckt und allerlei Kontakte geknüpft.

Seither ist etwas Unvorhergesehenes geschehen: Das Grundstück, auf dem die Burg stand, fiel nach der Schließung des Wasserspeichers zurück an die früheren Eigentümer. Was zunächst nach Super-Gau klang, erwies sich als Glücksfall: „Der Besitzer Heinrich Heyers ist sehr interessiert an unserer Arbeit“, freut sich Wolters. Klare Verhältnisse also. Wenn der Verein so weitermacht, wie er gestartet ist, kann man sicher sein: Irgendwann wird die überwucherte Fläche hoch oben ein Ausflugsziel sein. Mit Blick bis Duisburg und Geschichte zum Anfassen.

Kontakt und Informationen zu Spenden: Heinz Graf, Telefon (02824) 804991.

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