Umwelt

Aufregung über die Blutbuche

Die 120 Jahre alte Blutbuche soll gefällt werden. Der Investor legt wohl vorschnell die Kettensäge an.

Die 120 Jahre alte Blutbuche soll gefällt werden. Der Investor legt wohl vorschnell die Kettensäge an.

Foto: NRZ

Kleve.   Bauherr ließ gestern die Motorsäge an den 120 Jahre alten Baum anlegen. Eine Fällgenehmigung lag nicht vor – wohl aber die Zustimmung der Politik.

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Die Empörung war groß. Baudezernent Jürgen Rauer konnte es gestern morgen einfach nicht fassen, dass der Investor an der Straße „Regenbogen“ kurzfristig die Motorsäge an die 120 Jahre alte Blutbuche vor dem Café Hope ansetzen ließ. Mehrere große Äste wurden aus dem Baum entfernt, ohne dass dafür die Genehmigung vorlag. Zwar hatte der Umwelt- und Verkehrsausschuss am 11. April einen Dringlichkeitsbeschluss für die Fällung unterschrieben, doch die Fällgenehmigung dazu gab es noch nicht, sagte Rauer gestern im Bauausschuss. Vielmehr habe der Kreis Kleve klare Auflagen gemacht, zu welchem Zeitpunkt die Buche hätte gefällt werden dürfen. Dieser Zeitpunkt sei um zwei Wochen unterschritten worden. Die Verwaltung konnte gestern kurzfristig die Fällarbeiten stoppen. „Der Rückschnitt führt noch nicht zu einem sofortigen Ableben des Baumes“, so Rauer. Der Kreis Kleve fordere nun eine artenschutzrechtliche Prüfung.

Große Aufregung gab es auch unter den Politikern. Edmund Ricken (CDU): „Wir waren entsetzt. Dass so etwas möglich ist, dass Personen sich über geltendes Recht hinwegsetzen. Das ist ein glatter Rechtsbruch.“ Er bat die Verwaltung darum, mit „aller Härte“ dagegen vorzugehen.

Die Grünen wollten der CDU-Empörung nicht Glauben schenken: „Es gab eine Mehrheit für eine schnelle Fällung des Baumes“, sagte Hedwig Meyer-Wilmes. Fraktionskollegin Wiltrud Schnütgen zweifelt zudem an, ob das statische Gutachten für einen historischen Keller unter dem Grundstück aussagekräftig ist: „Da stehen so viele Vorbehalte drin, damit kann ich nichts anfangen.“ Zudem sei nicht nur der Baum geschützt, sondern auch der Garten. Die Grünen hatten für den Rat am 22. Mai einen Antrag gestellt, den Dringlichkeitsbeschluss des Umweltausschusses zurück zu nehmen.

Wie berichtet möchte der Eigentümer ein Gebäude am Regenbogen errichten. Wegen des historischen Kellers darunter musste der Bauherr zunächst durch ein statisches Gutachten nachweisen, dass die Bebauung hier tatsächlich möglich ist. Die Stadtverwaltung habe keine Gründe gesehen, aufgrund der Statik das Bauvorhaben zu unterbinden, sagte Jürgen Rauer gestern.

Michael Kumbrink (SPD) sieht auch ein Verschulden der Politik: „Der Umwelt- und Verkehrsausschuss ist seiner Verpflichtung nicht Gerecht geworden. Wir haben hier fahrlässig gehandelt.“ Kollege Josef Gietemann regte an, dass man den Bebauungsplan ändern sollte: „Ich weiß, dass das Geld kostet.“ Aber als Fachausschuss müsse man auch „klare Kante“ zeigen.

Edmund Ricken (CDU) sagte, dass seine Fraktion über diesen Vorschlag nachdenken werde.

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