Arbeiterwohlfahrt

Awo im Kreis Kleve blickt auf 100 Jahre gelebten Fortschritt

Beim Markt der Möglichkeiten wurde informiert und gespielt.

Beim Markt der Möglichkeiten wurde informiert und gespielt.

Foto: Andreas Daams / NRZ

Kleve.  Gefeiert wurde in der Stadthalle Kleve mit einem Markt der Möglichkeiten, bei dem sich die aktiven Gruppen vorstellten.

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Als 1982 das Frauenhaus in Kleve seine Pforten öffnete, gab es noch reichlich Gegenwind aus der Politik. „Eine Gruppe von Frauen gründete 1981 einen Verein für ein Frauenhaus und suchte dafür einen Träger“, sagt Andrea Hermanns, die das Frauenhaus heute leitet.

Träger wurde die AWO. Nicht von ungefähr: Die Arbeiterwohlfahrt, für die das Kürzel AWO steht, sorgt sich seit 1918 um die, die Hilfe brauchen.

Vor 100 Jahren von Marie Juchacz gegründet, kann die Wohlfahrtsorganisation in diesem Jahr ihr Jubiläum begehen. In Kleve feierte der Kreisverband zusammen mit Bürgermeistern aus den Kommunen, dem Landrat und etlichen Gästen in der Stadthalle. Dabei wurde klar: Politischen Widerstand gibt es heute nicht mehr. Im Gegenteil. Das wird am Beispiel Frauenhaus deutlich, das ja nur eines der vielfältigen AWO-Angebote ist: „Wir erhalten viele Spenden von Privatpersonen“, sagt Andrea Hermanns, „das zeigt, dass unser Thema in den Köpfen der Menschen angekommen ist.“

Im Foyer und im Kellergeschoss der Stadthalle stellten sich auch andere Bereiche und Ortsgruppen der AWO vor. Zum Beispiel die Jugendgruppe Rheurdt. Niklas Hilger (18) erklärt: „Wir haben ein offenes Jugendzentrum in alten Bahnhof, und da organisieren wir Aktivitäten für die Kinder und Jugendlichen vor Ort.“ Auch eine Form von Selbsthilfe – und um die ging es schon Marie Juchacz. „Weg von der Armenfürsorge des Kaiserreichs hin zu einer Wohlfahrtspflege, die die Idee der Selbsthilfe, Kameradschaft und Solidarität propagiert“, so fasste die SPD-Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks in ihrer Festansprache die Ziele der Gründergeneration zusammen.

Die hatte es freilich mit furchtbaren Zuständen zu tun. Der Erste Weltkrieg war verloren, überall gab es Kriegsversehrte, Arbeitslose und Hungernde, was sich mit der Weltwirtschaftskrise noch verschärfte. 1933 seien schließlich mehr als 20 Millionen Deutsche auf irgendeine Form der Wohlfahrt angewiesen, sagte Hendricks, und das bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 60 Millionen.

Weil sich die AWO-Führung nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten der Gleichschaltung widersetzte, wurde die Organisation aufgelöst. Aber schon 1946 gründete sie sich neu – nach dem nächsten verlorenen Weltkrieg. Kindergärten, Volksküchen, Schwesternschulen, Ausbildungsstätten für Sozialberufe: All das waren Arbeitsfelder, um die sich die Organisation kümmerte.

Marion Kurth, hauptamtliche Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbands Kleve, machte dabei auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: „Unsere Ziele sind unverzichtbar mit dem Ehrenamt verbunden.“

Hinzu kommt finanzielle Unterstützung. So konnten Brigitte Wucherpfennig und Irene Möllenbeck vom Förderverein des AWO-Frauenhauses abermals 10.000 Euro übergeben. Für Bettina Trenckmann, die dem AWO-Kreisverband vorsitzt, ein Glücksfall: „Der Förderverein hat uns auch in schwierigen Lagen geholfen.“

Gleichgültigkeit überwinden

Ganz so also, wie die AWO-Beratungsstelle Schwangeren, Paaren oder Menschen auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität weiterhilft. 1980 zunächst als weltlicher Gegenpol zu den kirchlichen Beratungsstellen zum Schwangerschaftskonflikt gegründet, hat sich der Aufgabenbereich mit der Zeit ausgeweitet. „Wir machen Präventionsarbeit an Schulen, beraten aber auch bei ungewollter Kinderlosigkeit oder Pränatal-Diagnostik“, erklärt Nicole Saat.

„Der Erfolg gibt der AWO recht“, stellte Hendricks in ihrer Ansprache fest. „Wir leben in einem Sozialstaat, aber perfekt sind wir nicht.“ Es gelte weiterhin, die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal anderer zu überwinden. „Nur so erwirken wir Fortschritt.“

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