Interview-Serie

Barbara Hendricks: „Das Fahrrad wird viel wichtiger“

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) tritt in Kreis Kleve zur Bundestagswahl an.

Foto: Silas Stein

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) tritt in Kreis Kleve zur Bundestagswahl an. Foto: Silas Stein

Kleve.   Barbara Hendricks (SPD) möchte sich auch in Zukunft für eine umweltfreundliche Politik einsetzen. Die Themen Bildung und Bauen sind ihr wichtig.

Barbara Hendricks hat durch ihr Ministeramt in Berlin eine enorme Popularität erreicht. Sie steht für eine geradlinige Politik und sie ist auch als Umweltministerin sehr heimatverbunden geblieben. Sie tritt erneut für die SPD an.


NRZ: Sie gehören dem Bundestag seit vielen Jahren an. Was treibt sie an, immer weiterzumachen?

Barbara Hendricks: Dass es immer neue Herausforderungen und Möglichkeiten gibt, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.


NRZ: Wo sehen Sie als MdB die größte Herausforderung für den Kreis Kleve in den kommenden vier Jahren?

Hendricks: Da gibt es einige: Der soziale Wohnungsbau wurde stark vernachlässigt und die entsprechenden Fördermittel könnten im Kreis Kleve noch viel mehr abgerufen werden – auch von den Wohnungsbaugesellschaften auf kommunaler Ebene. Darüber hinaus will ich ein Familienbaugeld, das gerade Familien mit mittlerem Einkommen dabei unterstützt, Wohneigentum zu erwerben. Ich will, dass die Bildung von der Kita bis zur Uni und zur Meisterprüfung gebührenfrei wird. Das wird auch für die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Kleve eine erhebliche Verbesserung bringen. Wir brauchen schnelles Internet für alle Gemeinden im Kreis Kleve. Gesundes Grundwasser ist ein hohes Gut für alle Bewohner unserer Heimat – da bleibt noch viel zu tun.


NRZ: Sie haben als Umweltministerin betont, dass sich unsere Mobilität ändern muss. Der Öffentliche Personennahverkehr wird allerdings auf dem Lande nach wie vor als sehr schlecht empfunden.

Hendricks: Die Städte und Gemeinden müssen jetzt deutlich mehr Mittel für den öffentlichen Nahverkehr erhalten. Wir befinden uns doch gerade in einer intensiven gesellschaftlichen Debatte über unser Verkehrssystem und da spielt der ÖPNV eine wichtige Rolle. Kurzfristig brauchen die großen Städte also Gelder, um die aktuellen Probleme mit Dieselfahrzeugen und mit schlechter Luftqualität zu lösen und langfristig brauchen wir – vor allem auf dem Land – eine verlässliche Finanzierung, um dauerhaft einen modernen, bequemen Nahverkehr anzubieten.


NRZ: Welche Rolle wird das Fahrrad im Nahverkehr künftig spielen?

Hendricks: Das Fahrrad wird viel wichtiger. Das kann man täglich in vielen Städten beobachten. Der Straßenraum für Räder reicht an vielen Stellen aber nicht mehr aus. Außerdem wird das Fahrrad zunehmend ein Transportmittel für kleinere Güter und für längere Wegstrecken. Deshalb investiert mein Haus auch viel mehr Geld in neue, besonders gut ausgebaute Radwege, zum Beispiel zwischen Duisburg und Hamm in den Radschnellweg Ruhr. Erst vor zwei Wochen war ich beim Baubeginn des e-Radwegs zwischen Kleve und Nimwegen. Es entsteht ein hochmoderner Radweg, der das Fahrrad dann auch für Pendler attraktiv macht. Hier eröffnet das Elektro-Fahrrad neue Möglichkeiten.


NRZ: Das Artensterben setzt sich weiterhin ungebremst fort. Das EU-Life+ zum Schutz der Wiesenvögel kann nicht richtig umgesetzt werden. Muss die Politik nicht strengere Maßnahmen durchsetzen?

Hendricks: Mich bedrückt das Artensterben. Wir müssen hier einem echten Verlust zusehen, zumindest bei bestimmen Arten, denn es gibt auch Erfolge in dem Bereich. Wir verfolgen eine klare Artenschutzstrategie, mit der wir zum Beispiel mehr Naturräume besonders schützen. Denken Sie an die vielen neuen Schutzgebiete an der ehemaligen innerdeutschen Grenze im so genannten Grünen Band. Aber auch in Materborn haben wir beispielsweise den ehemaligen Truppenübungsplatz zum Naturerbe erklärt. Solche Projekte brauchen wir, um für Tiere, Insekten und Pflanzen Räume zu schaffen. Mehr Artenschutz erreichen wir durch eine naturnahe Landwirtschaft, die mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln arbeitet. Dafür setze ich mich ein. Deshalb will ich auch, dass Landwirte, die sich den Arten- und Naturschutz auf die Fahnen schreiben, dafür entsprechend entlohnt werden.

NRZ: Bereuen Sie im Nachhinein die leidige Bauernregel-Kampagne?

Hendricks: Inhaltlich bereue ich nichts. Der Stil der Kampagne hat jedoch anscheinend zu unbeabsichtigten Missverständnissen und Verletzungen bei Landwirten geführt. Ich habe – wie auch schon in den Jahren zuvor – zahlreiche Gespräche mit Landwirtschaftsverbänden, aber auch mit Bauern und Verbrauchern geführt. Übrigens bin ich von vielen Menschen auch zu der Kampagne beglückwünscht worden – man kann das also durchaus so oder so sehen.

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