Museum Kurhaus

Barocke Lebenslust in der Klever Goltzius-Ausstellung

Pia Fries vor ihren Arbeiten zu Hendrick Goltzius.

Foto: Andreas Gebbink

Pia Fries vor ihren Arbeiten zu Hendrick Goltzius. Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Das Museum Kurhaus Kleve stellt in der Ausstellung „Hendrick Goltzius und Pia Fries: Proteus und Polymorphia“ einander gegenüber.

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Mit dieser Ausstellung dürfte dem Museum Kurhaus Kleve ein großer Wurf gelungen sein. Im 20. Jahr seines Bestehens präsentiert das Haus mit „Hendrick Goltzius und Pia Fries: Proteus und Polymorphia“ einen Bilderzauber, der Zeiten und Räume gleichzeitig zu überwinden und in einen künstlerischen Dialog zu bringen vermag. Eröffnet wird die Schau am Sonntag, 8. Oktober, um 11.30 Uhr.

Anlass der Ausstellung ist der 400. Todestag von Goltzius (1558-1617), der zu den bedeutendsten Kupferstechern und Zeichnern seiner Zeit gehörte. Von seinem Weggefährten Karl van Mander einst als wandlungsfähiger Proteus bezeichnet, war er in der Lage sich stilsicher in die Manier eines Albrecht Dürer oder Lucas van Leyden einzufühlen und die Werke der Meister nicht nur nachzuahmen, sondern zu übertreffen und sich einen eigenen Namen zu machen.

Bestand aus 100 Kupferstichen

Die Klever Ausstellung, spannungsvoll kuratiert von Kunsthistorikerin Valentina Vlasic, konnte mit einem Bestand aus rund 100 Kupferstichen der Sammlung Angerhausen aus dem Vollen schöpfen. „Dieser reiche Bestand wird so erstmals gezeigt“, freut sich Vlasic. Was der Sammler Angerhausen nicht erwerben konnte, lieh das Kurhaus unter anderem in Kevelaer, Mönchengladbach oder Harlem. „Bei Goltzius geht es immer um die Vollständigkeit der Serien“, erklärt Vlasic.

So zeigt das Museum in Themenräumen mythologische und christliche Blätter, profane Allegorien, antike Gottheiten, die neun Musen, Weggefährten und Familienangehörige des Künstlers. Sie alle sind wunderbare, virtuos gearbeitete Blätter. Höhepunkt und Zentrum der Werkschau aber sind die „Himmelsstürmer“.

Zwiegespräch der beiden Künstler

So einzigartig Goltzius die Körper der fallenden Ikarus, Phaeton, Tantalus und Ixion in ihrer Haptik und Plastizität in seinem schwarz-weißen Universum vor über 400 Jahren darzustellen vermochte, so furios schafft es die international renommierte Schweizer Malerin Pia Fries diese Bewegung in einen abstrakten Farbenwirbel voller Rhythmus zu verwandeln. Wie ein Wechselspiel inszenierte die Kuratorin das Zwiegespräch der beiden Künstler über die Jahrhunderte hinweg, wenngleich beide Werke wie etwa bei der „Bestrafung der Niobe“ in der Wandelhalle vollkommen unabhängig voneinander wirken.

Pia Fries war im Eröffnungsjahr des Museums 1997 die erste Künstlerin mit einer Einzelausstellung in Kleve. Schon damals stellten ihre Arbeiten Bezüge zur Geschichte der Malerei her. Seit 2010 setzt sich Fries (geb. 1955) mit Goltzius auseinander. So hat das Museum die barocke, vor Lebenslust nur so strotzende Kunst des Hendrick Goltzius mit den eindrucksvollen Farbmalereien der Gestaltenwandlerin Polymorphia gepaart. Ein wunderschöner Spaziergang durch die Jahrhunderte. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (34 bzw. 36 Euro). Während der Eröffnung können Besucher eine eigene Druckgrafik anfertigen.

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