Gesundheit

Besser nicht krank werden

Sie diskutierten über die Zukunft der Krankenhäuser: Robert Renner, Matthias Blum, Joachim van Alst, Axel Strauch und Moderator Sascha Devigne.

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Sie diskutierten über die Zukunft der Krankenhäuser: Robert Renner, Matthias Blum, Joachim van Alst, Axel Strauch und Moderator Sascha Devigne. Foto: NRZ

Kleve.   Experten diskutierten über die Situation der regionalen Krankenhäuser. In den nächsten 15 Jahren braucht die Region etwa 170 Krankenhausärzte zusätzlich

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Wenn es um Krankenhäuser geht, sind die großen Zahlen nicht weit. So war es auch bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Hochschule Rhein-Waal und des Gesundheitsnetzwerks Niederrhein. Michael Rüscher, Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzwerks, wusste von 23 Krankenhäusern im IHK-Bereich Kleve-Wesel-Duisburg zu berichten, in denen 28 000 Leute arbeiten.

Wie viele Krankenhäuser, Betten, Ärzte und Pfleger werden es 2030 sein? Um den Bedarf zu ermitteln, hatte Prof. Dr. Frank Schmitz von der Fakultät Life Sciences der Hochschule einige Millionen Datensätze zwischen 2005 und heute im Hinblick auf die demographischen Prognosen auswerten lassen. Sein Fazit für den Kreis Kleve: 2030 werden die Belegungsfälle in den hiesigen Krankenhäuser um 20 Prozent gewachsen sein, die Kosten dürften um 50 Prozent steigen, außerdem braucht die Region bis dahin 175 zusätzliche Krankenhausärzte und 450 zusätzliche Pflegekräfte.

In diesem Punkt sah Dr. Joachim van Alst vom Emmericher St. Willibrord-Spital dann auch die größte Herausforderung: „Wir müssen attraktiv sein für junge Mediziner und Pflegekräfte.“ Das gehe nur, indem man ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten anbiete. Zudem müsse man sich gerade auf die Bedürfnisse von Ärztinnen einstellen, etwa Kitas an den Krankenhäusern einrichten. Was Qualität und neue gesetzliche Vorgaben angeht, sah er entspannt in die Zukunft. So sei man im Kreis Kleve beispielsweise telemedizinisch schon jetzt bestens angebunden, um auch Zweitmeinungen aus anderen Krankenhäusern einholen oder im Notfall angeleitete Operationen durchführen zu können.

Aber muss man eigentlich immer über Bettenkapazitäten reden, wenn man über medizinische Versorgung spricht? Axel Stauch, Leiter des Krankenhaus-Kompetenz-Centers Barmer GEK, forderte, dass man nicht nur auf die Krankenhäuser schauen dürfe, sondern die Situation der ambulanten Situation vor Ort einbeziehen müsse. Inzwischen schreitet die Spezialisierung der Krankenhäuser fort. „Muss man demnächst für der Herz-OP nach München, für die Lunge nach Hamburg?“, fragte sich Prof. Dr. Robert Renner von der Life-Science-Fakultät.

Lauter Fragen, die auch die nächste und übernächste Gesundheitsreform der Bundesregierung beschäftigen dürften. „Ich wäre froh, wenn wir das gegenwärtige Niveau halten könnten“, fand Matthias Blum, der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW. In einem Punkt waren sich alle einig: Dass die Patienten die Notfallambulanzen an den Krankenhäusern mit zum Teil harmlosesten Krankheitsbildern überrennen, könne so nicht weitergehen. Das müsse man kanalisieren. Fragt sich nur, wie.

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