Mensch am Mittwoch

Bettina van Meegen aus Goch-Kessel ist ein Naturkind

Bettina van Meegen kämpft für die Erhaltung des Reichswalds.

Foto: Andreas Daams

Bettina van Meegen kämpft für die Erhaltung des Reichswalds. Foto: Andreas Daams

Goch-Kessel.   Bettina van Meegen ist Sprecherin des Bündnisses „ProReichswald“. Sie lehnt Windkraftanlagen im und am Reichswald ab.

In US-amerikanischen Managementschulen gibt es vermutlich hochkomplexe Modelle, wie man eine wirksame Organisation aufbaut. Es geht aber auch anders. Bürger vereinen sich, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Der Rest organisiert sich irgendwie von selbst. „Wir haben ganz unterschiedliche Talente bei uns“, sagt Bettina van Meegen. Sie ist Sprecherin des Bündnisses „ProReichswald“.

Das Bündnis besteht aus sechs deutschen und niederländischen Heimatvereinen, die sich gemeinsam gegen Windkraftanlagen im und am Reichswald aussprechen. Aber was heißt: sich dagegen aussprechen? Sie schreiben Briefe, organisieren Veranstaltungen, sammeln Unterschriften, kontaktieren die Verwaltungen und Politiker. „Manchmal ist es ein Vollzeit-Job.“

Wobei Bettina van Meegen darauf hinweist, dass sie zwar die Sprecherin ist. Aber da seien etwa fünf Herren aus Kessel, die Plakate kleben, jedes Haus anlaufen, mit allen sprechen. Die Frau, die alle Informationen zusammenträgt, filtert und weitergibt. Leute, die sich mit dem Rechtssystem auskennen. Redner, Ornithologen, Naturschützer. Leute, die Flyer designen und solche, die die Webseite gestalten. Einer hat sich gerade wochenlang Urlaub genommen, um Briefe zu formulieren. Eine Unmenge von Freizeit geht für die Sache drauf. Mit positiven Effekten – nicht nur, dass inzwischen einige mutmaßliche Windkraft-Standorte im Reichswald weggefallen sind. Van Meegen: „Inzwischen sind Freundschaften entstanden zu Menschen, bei denen man dachte, es gäbe gar keine Anknüpfungspunkte.“

Es geht um den Wald

Jetzt geht es um die Planungen von Windkraftanlagen in Nierswalde und Reichswalde. Woher kommt der Eifer? Vom Wohnzimmerfenster in Kessel würde man die Anlagen doch gar nicht sehen? Bettina van Meegen geht es um den Wald. Schon als Kind ist sie mit ihrem Vater durch den Wald gelaufen. Spaziergänge durch den Wald sind bis heute eines ihrer liebsten Hobbys. „Ich bin ein Naturkind.“ Und das letzte Stück Reichswald, das noch da ist, möge bitte nicht den Interessen des Geldes geopfert werden. Gerade eben haben sie wieder 500 Unterschriften gesammelt. Mehr als 15 000 sind es inzwischen, darunter über 1000 Briefe von Bürgern an die Verwaltungen und politische Gremien.

Die verschiedenen Gruppierungen gegen Windkraftanlagen im und am Reichswald treffen sich monatlich im Rahmen von „Gegenwind im Reichswald“. In diesen Konferenzen bespricht man, was wo gelaufen ist, was politisch geschieht und was als nächstes von wem zu tun ist. Bettina van Meegen ist wie so viele Mitstreiter inzwischen zur Expertin in vielen Dingen geworden: vom Waldboden bis zu Verwaltungsstrukturen, vom Formulieren bis zum Infraschall. Schritt für Schritt. „Man sagt mir nach, ich hätte ein Helfersyndrom“, schmunzelt sie. 30 Jahre hat sie als Intensiv- und Anästhesiekrankenschwester gearbeitet, weil sie selber als Kind oft im Krankenhaus lag und ihr der Beruf imponiert hat.

„Da sind auch alle hochmotiviert, auch wenn die Rahmenbedingungen ganz schlecht sind“, sagt sie. So ist es auch in Sachen Windkraft. Die Rahmenbedingungen setzen andere. Aber die Gegner sind hochmotiviert.

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