Fehlalarme

Blinder Alarm in Serie

Die Fehlalarme in einer Asylunterkunft am Weezer Flughafen häufen sich.

Die Fehlalarme in einer Asylunterkunft am Weezer Flughafen häufen sich.

Foto: Feuerwehr Weeze

Weeze.   In der Asylunterkunft Euregiopark in Weeze wurde bereits etliche Male umsonst die Feuerwehr durch Missbrauch des Handdruckmelders verständigt

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Wenn Dominik Behet und seine Kollegen von der Feuerwehr Weeze zur Asylunterkunft Euregiopark am Flughafen gerufen werden, beschleichen sie inzwischen unangenehme Fragen: Gibt es diesmal tatsächlich einen Brand? Oder rücken die gut 30 Kräfte des Löschzugs Weeze und der Löschgruppe Wemb mit ihren sechs Fahrzeugen einmal mehr umsonst aus? Etliche Male ist es in diesem Jahr bislang in der Einrichtung zu Fehlalarmen durch Missbrauch des Handdruckmelders gekommen – an manchen Tagen, so etwa am 3. September, mussten die Brandschützer gleich dreimal mit voller Zugstärke ausrücken und unverrichteter Dinge wieder abziehen. Getreu dem Motto: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts...“

Ganz davon zu schweigen, dass die Einrichtung bei jedem Fehlalarm komplett evakuiert werden muss. „Zwar stammen die Bewohner der Unterkunft aus einem anderen Kulturkreis und sind mit unseren Brandmeldeanlagen nicht vertraut, aber nach drei Malen ist es schon sehr unwahrscheinlich, von einem Versehen auszugehen“, mutmaßt Behet. Zumal man vor dem Auslösen des Alarms erstmal eine Schutzscheibe zertrümmern muss, hinter der sich der Alarmknopf befindet.

Anstrengend und ärgerlich sei es, dass sich hier wohl regelmäßig jemand einen üblen Scherz erlaubt. Viel schlimmer sei aber etwas anderes: „Bei einer Serie von Fehlalarmen setzt natürlich irgendwann eine gewisse Desensibilisierung ein. Und das kann fatale Folgen haben, wenn dann mal wirklich etwas passiert“, so Behet. Oder wenn die Feuerwehr dringend an anderer Stelle benötigt wird und wegen eines blinden Alarms kostbare Zeit verliert.

Ein Zustand, der nicht nur den Feuerwehrleuten gewaltig gegen den Strich geht, die jedes Mal ihren Arbeitsplatz verlassen müssen oder entsprechend zu spät kommen, sondern gerade auch bei nächtlichen Einsätzen an den Nerven der Anwohner zehren dürfte. Denn wann immer in Weeze die Feuerwehr alarmiert wird, setzt ein Funkmeldeempfänger ein und die Sirenen heulen los.

Willkürlich den Alarmknopf drücken – ein Verhalten, für das Bürgermeister Ulrich Francken klare Worte findet: „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Uns ärgert das natürlich sehr.“ Dennoch sei es unrealistisch, die zahlreichen Handdruckmelder in der Einrichtung permanent überwachen zu lassen. „Da benötigen wir eine andere Lösung.“

Und an eben dieser arbeiten die beteiligten Behörden, die Gemeinde Weeze und die Bezirksregierung Düsseldorf, gemeinsam mit der Feuerwehr intensiv. „Im Gespräch ist etwa eine technische Nachbesserung dahingehend, dass die Handdruckmelder um drei Minuten zeitverzögert aufschalten, da die Deckenmelder bei Rauchentwicklung ohnehin sofort auflaufen“, regt Wehrleiter Michael Winthuis an. „Aber da müssen die Behörden natürlich mitmachen.“

Strafanzeigen liegen der Polizei Kleve bislang nur in drei Fällen vor, die sich auf Fehlalarme am 6., 9., und 10. September beziehen. In den ersten beiden Fällen wird ein 22-jähriger Syrer als Täter verdächtigt, der von anderes Mitbewohnern beschuldigt wurde, den Alarm ausgelöst zu haben. „Der junge Mann wird voraussichtlich noch zur Vernehmung bei der Kripo vorgeladen“, sagte Polizeisprecher Micahel Ermers auf NRZ-Anfrage. Für den 10. September gilt ein 29-jähriger Bewohner der Einrichtung als verdächtig, der die Tat allerdings bestreitet. So werden die ominösen Fehlalarme in Weeze die Kripo Kleve wohl noch länger beschäftigen.

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