Mensch am Mittwoch

Claudia Engemann – eine Ostwestfälin am Niederrhein

Claudia Engemann ist neue Leiterin der Grundschule Bedburg-Hau.

Foto: Andreas Daams

Claudia Engemann ist neue Leiterin der Grundschule Bedburg-Hau. Foto: Andreas Daams

Bedburg-Hau.   Claudia Engemann ist neue Schulleiterin an der St.-Antonius-Grundschule in Bedburg-Hau – und braucht längst den Diercke-Atlas nicht mehr.

1999 war kein gutes Jahr für fertig ausgebildete Grundschullehrer in NRW. Denn im Gegensatz zu heute, wo man sie händeringend sucht, wurden nur wenige eingestellt. Da war Claudia Engemann froh, dass sie von der Bezirksregierung Düsseldorf einen großen Brief erhielt, nachdem die anderen Bezirksregierungen nur kleine Absagebriefe geschickt hatten. „Juchhu, ich komme nach Düsseldorf!“, dachte sie, als sie den Umschlag sah. Darin stand dann: Schulbezirk Kleve.

Kleve? „Ich habe dann erstmal den Diercke-Atlas rausgeholt“, erinnert sie sich. Denn Engemann stammt aus einem Dorf in der Nähe von Warburg in Ostwestfalen, sie studierte in Paderborn und machte ihr Referendariat in Bielefeld. „Auf der Fahrt nach Kleve musst du nur einmal aus dem Fenster gucken, dann hast du alles gesehen“, sagte ihr ein Bekannter. Umso überraschter war sie, als sie die Hügel von Kleve erblickte. „Und im Reichswald konnte ich sogar mein Mountainbike nutzen.“ Längst ist sie froh, dass alles so gekommen ist. „Der Niederrhein bietet viel“, sagt sie. „Wir waren mit 20 Lehrern, die 1999 hier angefangen haben, und alle wollten damals nach Emmerich, weil dort die Autobahn war.“

Zehn Jahre in Uedem

Für Claudia Engemann ging es aber zunächst zehn Jahre nach Uedem. Als sie dann selber zwei Kinder bekam, wechselte sie der kürzeren Fahrzeit wegen nach Rindern. Seit dem neuen Schuljahr leitet sie nun die St.-Antonius-Grundschule in Hau. Trotz der vielen Mehrarbeit, die kaum vergütet wird, reizt sie die Aufgabe: „Man muss sicherlich viel Idealismus mitbringen, aber man kann auch kleine und große Entscheidungen treffen.“

Gereizt hat sie die Arbeit mit Kindern schon immer. Ein Jahr lang absolvierte sie ein Praktikum in einem Kindergarten, ehe sie sich für die Grundschule entschied. „Es ist doch toll, wenn die Kinder merken, dass sie etwas aufschreiben können, was andere lesen können“, sagt sie begeistert. Auf der anderen Seite könne man mit den älteren Kindern schon spannende Themen bereden wie etwa aktuell die Bundestagswahl.

Tätig in der Lehrerfortbildung im Bereich Deutsch

„Man ist nicht nur Lehrer, sondern muss auch Wunden verarzten, kaputte Hosen nähen, Zähne ziehen, helfen, trösten, erziehen, motivieren“, so definiert sie die Grundschullehrer-Tätigkeiten. Heute seien Kinder mutiger und selbstbewusster als früher, genauso wie die Eltern. Das sei sehr positiv. Andererseits würden die Lehrer von den Eltern viel schneller infrage gestellt. Oft wüssten Kinder nicht, wo die Grenzen sind. Schade findet Claudia Engemann, dass sich derzeit so wenige Männer für den Lehrberuf entscheiden.

Sie selbst ist zusätzlich noch in der Lehrerfortbildung im Bereich Deutsch tätig, kennt dadurch auch die ganz neuen Lehrkräfte sehr gut. Bereut hat sie ihre Berufswahl übrigens keine Sekunde. „Es ist nie langweilig. Ein toller Beruf!“

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik