Coronavirus

Kleve: Zweiter Coronafall bestätigt - zwei Schulen schließen

Blick auf das Gesundheitsamt des Kreises Kleve.  

Blick auf das Gesundheitsamt des Kreises Kleve.  

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve.  Eine zweite Person aus Kleve hat sich beim Skiurlaub in Österreich mit dem Coronavirus infiziert. Zwei Schulen sind vorübergehend geschlossen.

Im Kreis Kleve wurde ein zweiter Fall einer Corona-Infektion nachgewiesen. Das teilte der Kreis Kleve am Mittwochvormittag mit. „Auch hierbei handelt es sich um eine Person aus Kleve, die sich mit dem Virus infiziert hat. Beide infizierten Personen befanden sich auf derselben Auslandsreise. Das Kreisgesundheitsamt erhielt nun die amtliche Bestätigung des Testergebnisses“, so der Kreis Kleve.

„Vielleicht bringt uns Freitag, der 13., ja Glück“

Wie Ralph van Hoof, Fachbereichsleiter „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ der Stadt Kleve am Abend den Ratsmitgliedern mitteilte, waren insgesamt fünf Personen – drei aus Kleve, je einer aus Wesel und Borken – in Österreich in Skiurlaub gewesen. Bei einem Mann bestätigte sich gleich, bei der zweiten Person am Tag danach der Virusverdacht. Weil Ehefrauen und Kinder zu den häuslichen Gemeinschaften gehören, wurden insgesamt acht Ordnungsverfügungen in Sachen Quarantäne ausgesprochen. Am Donnerstag werden die Ergebnisse der Gesundheitsuntersuchungen erwartet. „Vielleicht bringt uns Freitag, der 13., ja Glück“, so van Hoof.

Die zweite betroffene Person zeige ebenfalls geringe Symptome und befinde sich bereits seit Dienstag in häuslicher Isolation, meldete das Kreisgesundheitsamt. Derzeit ermittelt das Kreisgesundheitsamt auch für diesen Fall die Personen, die mit dem Erkrankten in Kontakt gekommen sind. „Gegebenenfalls spricht das Gesundheitsamt zudem Empfehlungen an Dritte wie Schulen oder Kindergärten aus. Diese Dritten sind dann Entscheidungsträger“, sagte Elke Sanders, Sprecherin des Kreises Kleve, auf NRZ-Nachfrage.

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Schulen: Klausuren fallen am Donnerstag aus

Erste Folgen zeigten sich bereits am Mittwoch: Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Kleve und die Johanna-Sebus-Grundschule in Kleve-Rindern bleiben seit dem Nachmittag zunächst für einen Tag geschlossen. Dies hat die Stadt Kleve als Schulträger in Absprache mit den Schulleitungen auf dringende Empfehlung des Gesundheitsamtes des Kreises Kleve beschlossen.

Die Eltern und Erziehungsberechtigten beider Schulen erhielten eine E-Mail mit dem Hinweis, dass ein Kind aus der Familie, bei der am Dienstag eine Coronavirus-Infektion bestätigt wurde, am Montag zur Schule gekommen war. Auf der Homepage des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums erklärt die Schulleitung: „Es handelt sich hierbei um eine Vorsichtsmaßnahme. Es besteht die Möglichkeit, dass sich ein Kind unserer Schule mit dem Coronavirus infiziert hat“, was aber noch nicht feststehe. Die Testergebnisse der beiden Kinder vom Gymnasium und von der Grundschule sollen am Donnerstag vorliegen.

„Anschließend können wir entweder Entwarnung geben oder gegebenenfalls werden weitere Maßnahmen getroffen“, sagte Schulleiter Timo Bleisteiner im Gespräch mit der NRZ. Auch die Lehrer erfuhren nicht, um welches Kind es sich handelt und ob sie bei ihm überhaupt Unterricht gegeben hatten. „Ich darf das aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht bekannt geben“, so Bleisteiner.

Er hatte am Mittwochnachmittag noch keinen Feierabend, sondern eine Menge Dinge zu regeln. Zum Beispiel, wie Ersatztermine zu organisieren sind für die Klausuren der Oberstufe Q1, die am Donnerstag laufen sollen oder die parallelen Lernstandserhebungen. Auch die Jahreshauptversammlung des Fördervereins des Stein-Gymnasiums am Mittwochabend fiel aus.

Bürgermeister verabredeten, sich im Klever Rathaus zu treffen

Bei der Stadt Kleve wurde inzwischen ein Stab „Corona“ unter Leitung der Ordnungsbehörde eingerichtet. „Zum Wohle der Kinder, Eltern und des Lehrerkollegiums haben wir die Empfehlung des Gesundheitsamtes des Kreises Kleve unmittelbar umgesetzt. Es handelt sich ausdrücklich zunächst um eine Vorsichtsmaßnahme. Weitere Entscheidungen werden nach Vorliegen der Testergebnisse getroffen“, so Bürgermeisterin Sonja Northing.

Wie die Stadt Kleve auf NRZ-Anfrage mitteilte, werden sich auf Initiative des Bürgermeisters der Stadt Rees, Christoph Gerwers, und Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing die Hauptverwaltungsbeamten aller kreisangehörigen Kommunen am Donnerstagabend zu einem Koordinierungsgespräch im Rathaus der Stadt Kleve treffen. Laut Ralph van Hoff hat Kleve inzwischen „keinen Spielraum“ in der Entscheidung mehr und müsse Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern absagen, bei allen mit erwarteten Besucherzahlen darunter werde „im Einzelfall geprüft“.

Am Dienstag hatte der Kreis Kleve den ersten bestätigten Coronavirus-Fall vermeldet. Der Mann hatte sich im Ausland angesteckt und in der Fieberambulanz am Klever St.-Antonius-Hospital testen lassen. Er zeige leichte Symptome, teilte der Kreis Kleve am Dienstag mit. Dies sei auch am Mittwoch noch der aktuelle Stand gewesen, so Sanders.

Probst Mecking besuchte Kita vor der Schließung

Aus dieser Familie stammt das Kind, das den Kindergarten Arche Noah in Kleve-Kellen besucht. Der wurde Dienstagmittag erst einmal bis Freitag geschlossen. „Das Team vom Kindergarten hat professionell gehandelt“, lobte Probst Johannes Mecking. Er hatte als Pfarrverwalter am Dienstag zunächst telefonisch vom Gesundheitsamt erfahren, dass eine Familie vom Coronavirus betroffen ist, deren Kind in die Kita Arche Noah geht. „Ich habe mich sofort auf den Weg gemacht. Sowas bespreche ich lieber Auge in Auge“, sagte Mecking.

Solange er noch nichts Schriftliches vom Kreisgesundheitsamt vorliegen hatte, durfte auch noch nichts unternommen werden. Aber der Kindergarten hatte bereits einen Notfallplan für „den Fall, dass...“ bereit liegen. Als die schriftliche Bestätigung des Kreisgesundheitsamtes kam, wurden alle Eltern informiert, auch darüber, am Mittwoch ihre Kids nicht mehr zur Overbergstraße zu bringen. Mecking informierte weiter das Jugendamt der Stadt, die Zentralrendantur, das Generalvikariat, das auch bereits vorher Hinweise für den Notfall heraus gegeben hatte. „Erst einmal warten wir bis Freitag ab, ob die Angehörigen der Familie betroffen sind. Falls ja, gelten die 14 Tage Quarantäne“, sagte Mecking.

Die Eltern der jüngeren Kinder werden jetzt zu Hause bleiben müssen. „Der Verdienstausfall ist ja gesetzlich geregelt. Es kann nicht sein, dass die Leute nun 14 Tage Urlaub machen müssen. Es ist Aufgabe der Arbeitgeber, großzügig zu sein“, appellierte Mecking. „Wir haben eine Verantwortung füreinander.“

Indische Priester als Vorbild für die Grußformel „Namaste“

Obwohl man hierzulande noch manchmal den Reflex zum Händeschütteln verspüre, sagte der Propst, sollte man sich die acht indischen Priester zum Vorbild nehmen, die hier in der Umgebung tätig sind – beispielsweise einer in Kellen, einer an St. Mariä Himmelfahrt, zwei in Materborn, einer in Bedburg-Hau: Mit der Grußformel „Namaste – Verbeugung zu dir“. Für diese Kirchenmänner sei es derzeit allerdings auch eine schwierige Zeit, denn meist im Frühjahr, vor dem Monsun, fahren sie zum Urlaub in ihre Heimat. Die Reise würden sie nun wohl erst nach 14 Tagen Quarantäne antreten können.

Propst Mecking wird von Eltern nun oft gefragt, ob sie sich und ihren Nachwuchs vorsorglich testen lassen sollten. Das Kreisgesundheitsamt sagt dazu: Erst, wenn die Erkältungssymptome mit Fieber auftreten, solle man sich testen lassen.

Betroffene müssen jeden Tag Fieber messen und Tagebuch führen

„Die Mitarbeitenden des Kreisgesundheitsamts kontaktieren die Infizierten regelmäßig“, führte Elke Sanders auf NRZ-Nachfrage aus. Diese müssen jeden Tag Fieber messen und eine Art Tagebuch über ihre Symptome führen. Für Kontaktpersonen in häuslicher Lebensgemeinschaft, also jene Personen, die mit den Erkrankten zusammen leben, gilt per Ordnungsverfügung häusliche Quarantäne. „Wenn sie Symptome zeigen, wird auch bei ihnen ein Abstrich gemacht“, so Sanders. Als bestätigte Kontaktpersonen werden Menschen bezeichnet, die mindestens 15 Minuten im engeren Kontakt mit einem Infizierten waren. Sie müssen auch in häusliche Quarantäne. Der Kreis Kleve folgt den Kriterien des Robert-Koch-Instituts.

So bereitet sich die Stadt Goch vor

Die Stadt Goch, in der es bislang noch keinen bestätigten Coronavirus-Fall gibt, beobachte die Entwicklung im Kreis Kleve mit Aufmerksamkeit, sagte Sprecher Torsten Matenaers im Gespräch mit der NRZ. „Unser Ziel ist es, den Dienstbetrieb auch im Fall der Fälle sicherzustellen. Denn die Verwaltung muss weiter funktionieren und ihre Pflichtaufgaben wie die Auszahlung von Sozialhilfe oder die Gefahrenabwehr erfüllen.“

Bisher habe die Stadt noch keine besonderen Maßnahmen verkündet, so Matenaers. „Aber wir bereiten uns vor und wissen, was zu tun ist. Wenn die Stadt Maßnahmen ergreift, werden wir darüber schnell und transparent informieren“, kündigt der Sprecher an.

Die Hochschule Rhein-Waal teilte mit, dass sie Taskforce „Coronavirus“ eingerichtet habe, die sich mehrmals in der Woche treffe. In der gesamten Hochschule wurden Plakate mit Hygienehinweisen verteilt und zusätzliche Stationen zur Handdesinfektion eingerichtet. Zudem wurde beschlossen, dass unter bestimmten Voraussetzungen Veranstaltungen in der Hochschule abgesagt werden sollen.

Hier gibt es Beratung

Auf der Internetseite des Kreises Kleve (www.kreis-kleve.de), auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung (https://coronavirus.nrw/) und auf der Seite des Patientenservices (www.116117.de) finden sich außerdem Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema Coronavirus sowie eine Handlungsempfehlung für möglicherweise infizierte Personen.

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