Kronjuwelenhochzeit

Das Klever Ehepaar Schmitz feiert 75-jährige Hochzeit

Das Ehepaar Schmidt feiert heute Hochzeit.

Das Ehepaar Schmidt feiert heute Hochzeit.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Kleve.  Er wird bald 100 Jahre alt, sie ist 95. Gemeinsam feiern sie heute die Kronjuwelenhochzeit: Elli und Alois Schmitz.

Sie sitzen entspannt lächelnd im gemütlichen Wohnzimmer ihres Hauses am Treppkesweg und blicken in die grüne Umgebung jenseits des Fensters. Seit einiger Zeit verhindert ein Neubau, dass von dieser Klever Höhenlage aus der Gocher Kirchturm oder sogar der Airport Weeze zu sehen ist, so wie das früher der Fall war. Von dieser kleinen Einschränkung abgesehen gefällt dem Ehepaar Schmitz die Entwicklung Kleves sehr gut. Da sie beide gemeinsam seit fast 80 Jahren auf die Stadt blicken, ist damit schon eine Menge gesagt. Alois Schmitz ist zwar in Krefeld aufgewachsen, lernte aber 1940 seine Elli kennen, die aus Kleve stammt. Beide heirateten am 20. Juli 1944. Elli ist 95 Jahre alt, Alois beinahe 100. Was fast noch erstaunlicher ist: Beide leben noch völlig autark in ihrem Häuschen.

„Wir sind das Feiern leid“

Wenn am heutigen Samstag das Fest der „Kronjuwelenhochzeit“ gefeiert wird, wie der Volksmund ein 75-jähriges Ehejubiläum nennt, geschieht das eher im kleinen Kreis. Sohn Bruno (72) und Enkelin Helena sind natürlich dabei, außerdem Verwandtschaft aus dem Krefelder Raum. „Wir haben die Goldene, Diamantene, Eiserne und Gnadenhochzeit groß gefeiert, aber danach waren wir uns einig, dass es jetzt genug ist. Wir sind das Feiern leid, zumal die meisten Bekannten ohnehin schon lange tot sind“, sagt Elli Schmitz. Aus ihren Worten spricht weder Sorge, noch Verbitterung, die Gefühle der Jubilare sind ganz andere: „Wir sind unendlich dankbar für all das Glück, das wir hatten“, sagt der fast 100-Jährige. „Es ist Gottes Fügung, dass wir noch immer auf der Welt sein dürfen und einander haben. Und ich sag’ es, wie es ist: Ich lieb’ meine Elli immer noch wie am ersten Tag.“

Der erste Tag – das war eine Zeit, die schrecklich war und doch für die beiden Niederrheiner Grundlage für ein gemeinsames Leben wurde. „Ich war ab 1939 Soldat, kam als Funker an die Radarstation nach Materborn. Elli machte ihr ,Landjahr’, das die Nazis von jungen Frauen verlangten, auf einem Bauernhof am Treppkesweg. Dort holte ich immer unsere Milch und hab’ mich sofort unsterblich in dieses Mädchen verknallt.“ Es dauerte noch vier Jahre, bis geheiratet werden konnte, am 20. Juli 1944, dem Datum des missglückten Attentats auf Hitler.

Immer politisch aktiv

In der Nachkriegszeit wurde erst einmal nichts leichter. Armseligste Wohnverhältnisse in einer zerstörten Stadt, Hunger, Sorgen. Man war froh, wenn das Kind satt wurde. Aber es ging voran, Alois Schmitz wurde Finanzbeamter und tat 35 Jahre lang seinen Dienst in Krefeld. Dorthin kam er mit der Bahn, auf die man sich damals noch verlassen konnte, den Bahnhof erreichte der Neu-Klever per Motorroller. 1963 wurde das Haus gebaut, in dem das Paar noch heute lebt.

Die Hobbys von Alois und Elli Schmitz lassen sich an den Wohnzimmerwänden ablesen: Sie malte immer leidenschaftlich gern schöne Landschaften, er war ambitionierter Jäger. Bis heute liest der Jubilar mehrere Zeitungen, ist politisch auf dem Laufenden und debattiert ausgesprochen gerne.

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