Denkmalschutz

Das Leben ist wieder ins Kranenburger Hospital eingezogen

Marc Peters mit Ehefrau Dr. Yvonne Peters haben das ehemalige Hospital restauriert.

Marc Peters mit Ehefrau Dr. Yvonne Peters haben das ehemalige Hospital restauriert.

Foto: Markus van Offern

Kranenburg.  Marc und Yvonne Peters haben das ehemalige St. Johannes-Stift restauriert. Das Gebäude sollte einst abgerissen werden, jetzt ziert es den Ort.

„Alle Wege des Herrn sind Barmherzigkeit“, PS 24.10

Der Satz steht im Alten Testament und im Eingang des historischen Kranenburger Krankenhauses. Er stammt von König David. Eingelassen in den Fußboden aus lauter kleinen Mosaiksteinchen. Seit 1893 ist der poetische Satz im Flur des St.-Johannes-Stifts zu lesen. Es ist der Eingang zu einem Gebäude, das ein bewegtes Leben hat.

Es heißt, der Flur sei die Visitenkarte eines Hauses. Für das ehemalige Hospital am Kirchplatz trifft das zu. Wer die Türe hinter sich gelassen hat, steht in einem eindrucksvollen Gang. Die ersten Meter in dem renovierten Gebäude halten, was sie versprechen. Es ist ein prächtiges Haus, wonach es jahrelang nicht aussah. Es war ein kostbares Gemäuer, das sich selbst überlassen wurde. Seit 2000 stand es leer. Sein Schicksal schien vorgezeichnet. Das Haus war marode. Ein Brand im Jahr 2015 und das hineingepumpte Löschwasser lieferten einen weiteren Beitrag. Die Heilanstalt gehörte in die Kategorie einstürzende Altbauten. Der Zerfall rückte unaufhaltsam näher.

Nahezu originalgetreu saniert

Der Kranenburger Marc Peters (46) hat das historische Krankenhaus vor dem Ende bewahrt. Der Investor kaufte es und baute es nahezu originalgetreu wieder auf. Peters hegt eine Vorliebe für denkmalwürdige Bauten. So erwarb er auch die neben dem Krankenhaus stehende Küsterei und versetzte sie in ihren ursprünglichen Zustand. „Es wäre eine Schande gewesen, wenn das St.-Johannes-Hospital abgerissen worden wäre“, sagt Peters.

Das neugotische Haus besitzt wieder den Charme, den viele historische Gemäuer innehaben. Mehr als 126 Jahre ist das ehemalige Krankenhaus alt. Clemensschwestern zogen hier 1893 als erste ein. Die Zahl der Ordensfrauen stieg ebenso stetig, wie die der Patienten und Umbauten. In seiner Historie wurde das Spital mehrfach vergrößert.

Geburtenstation in den 70ern

Teilweise zerstört wurde das Spital während des Zweiten Weltkriegs. Es war der Klever Architekt Toni Hermanns, der die Sanierungsvorschläge ausarbeitete. Die Schäden wurden behoben, ein Erweiterungsbau 1967 fertiggestellt. Das Krankenhaus blühte in den 70er Jahren auf. Dafür sorgte auch eine neue Geburtenstation. Zahlreiche Kranenburger und Klever kamen hier zur Welt. Ab 1983 wurde es nicht mehr als Krankenhaus genutzt. Bis 2000 wohnten hier im St.-Johannes-Stift Menschen mit Handicap. Danach stand es leer.

Kirche wollte das Haus abreißen

Johannes Stinner ist Archivar der Gemeinde Kranenburg. Für ihn ist das St.-Johannes-Hospital ein gutes Beispiel für die sich im 19. Jahrhundert verändernde medizinische Versorgung. „Die Bewegung für eine ortsnahe Behandlung kam zu der Zeit stark auf. Die Leute mussten eben nicht mehr kilometerweit laufen, damit ihnen geholfen wird.“ In diese Traditionslinie gehört auch das Klever Krankenhaus.

Dass das ehemalige Krankenhaus wieder eine Zukunft hatte, lag nicht an der katholischen Pfarrgemeinde. Die wollte das historische Gemäuer abreißen. An der Stelle sollte ein Gemeindezentrum entstehen. Man bewertete die Restaurierung als nicht wirtschaftlich. Das Bistum Münster beurteilte die Lage ebenso.

Bürger setzten sich für das Haus ein

Zehn Jahre ist es her, als der Abbruchantrag bei der Gemeinde einging. In einer Allianz aus Bürgern, Politik und Verwaltung formierte sich der Widerstand. Unterschriften wurden gesammelt, schließlich kam es zur juristischen Auseinandersetzung. Ein historisches Juwel der Gemeinde wurde zumindest vor dem Abriss bewahrt. Manchmal sind verlorene Gerichtsverfahren auch von Vorteil. Das Urteil lautete: Die Kirche habe einen besonderen Auftrag, solche Denkmäler zu erhalten. Das St.-Johannes-Hospital gehört zu einem Ensemble - bestehend aus Pfarrkirche, Pastorat und Küsterei. Allesamt Baudenkmäler, die gemeinsam an Bedeutung gewinnen.

Investor liegt etwas an der Historie

Investor Marc Peters lebt seit seiner Geburt in Kranenburg. Ihm liegt etwas an der Historie. Wenn der Gartenbau-Unternehmer auf dem Kirchplatz steht, blickt er auf die zwei Altbauten: „In der alten Küsterei wohnte einst mein Onkel“, sagt er. An einer Hausseite hat er ein Warenzeichen wiederherstellen lassen. Übergroße Stifte weißen auf das ehemalige Schreibwarengeschäft hin. Zufrieden guckt er nach rechts, Richtung Krankenhaus. Der 46-Jährige weiß mittlerweile, dass alte Bauten unberechenbar sind. „Besonders aufwendig war die Installation der Brandschutzanlagen“.

Der Kranenburger Architekten Rainer Willemsen hat an der Wiedergeburt mitgearbeitet. Nach seinen Plänen sind in dem Haus jetzt zwölf zwischen 50 und 100 Quadratmeter große Alten- und behindertengerechte Mietwohnungen entstanden. Sie sind alle bewohnt. Um die Zukunft muss sich niemand Sorgen machen. Das ehemalige Kranenburger Hospital war immer ein Haus zwischen Leben, Siechtum und Tod. Das Leben hat sich durchgesetzt.

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