Naturschutz

Dem Fischotter im Kreis Kleve auf der Spur

| Lesedauer: 5 Minuten
Sie betreut das GBRA-Projekt in Sachen "Otter" in Kleve: Diplombiologin Ortrun Heine. Hier mit einem Otter, der im Straßenverkehr ums Leben kam.

Sie betreut das GBRA-Projekt in Sachen "Otter" in Kleve: Diplombiologin Ortrun Heine. Hier mit einem Otter, der im Straßenverkehr ums Leben kam.

Foto: Anke Gellert-Helpenstein / NRZ

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Kleve-Rindern.  Nachdem er über viele Jahrzehnte in NRW ausgestorben war, ist der Fischotter nun zurück gekehrt. Ortrun Heine betreut die marderartigen Tiere.

Nachdem er über viele Jahrzehnte in Nordrhein-Westfalen ausgestorben war, wagt sich der scheue Fischotter nun wieder langsam in seine alte Heimat zurück. Auch in der Düffel konnte die Nabu-Naturschutzstation Niederrhein bereits Fischotter sicher ausmachen.

Nachweismöglichkeiten gibt es zum einen über Wildtierkameras, denen der Otter in der Düffel schon mehrfach in die Fotofalle tappte, aber auch durch Spuren und Kot. Betreut werden die zumeist aus dem niederländischen Raum zugewanderten Tiere im Rahmen des grenzübergreifenden Interreg-Projekts Grün-Blaue Rhein-Allianz (www.gbra.eu). Im Kreis Kleve wird es von der Nabu-Naturschutzstation zusammen mit dem Naturschutzzentrum in Rees-Bienen verwirklicht.

Ein putziges Tierchen

Beim Nabu in Rindern ist seit 2017 Ortrun Heine, Diplombiologin, für die Otter-Betreuung des Projektes zuständig: „Das grenzüberschreitende Projekt befasst sich mit der Auen-Entwicklung, den Wanderfischen und eben auch mit dem Fischotter. Genauer gesagt dem ‚Lutra Lutra‘ – so der korrekte Name des europäischen Fischotters.“ Und genau der zählt zu Ortrun Heines Fachgebiet, an ihm hat sie ihr Biologenherz verloren. Kein Wunder, schließlich ist der Fischotter aus der Familie der Marder ein stattlicher und noch dazu sehr niedlicher Geselle.

Er war fast ausgestorben

Der Körper des langgestreckten Tieres wird von sehr kurzen und sehr kräftigen Beinen getragen. Seine erstaunlich großen Pfoten sind mit Schwimmhäuten versehen, die ihn als Wasserfan verraten. Der kräftige runde Kopf mit den Knopfaugen blickt keck und erweicht das Herz des Betrachters sofort. Sofern man als Mensch überhaupt das Glück hat, einen Fischotter jemals in freier Wildbahn zu sehen.

Aufgrund des perfekt isolierenden weichen Fells wurde diese Marderart von der Pelzindustrie schon vor Jahrzehnten fast ausgerottet -- die Lebensraumzerstörung und die Verschmutzung der Gewässer taten das übrige hinzu, um den Otter aus vielen angestammten Gebieten zu vertreiben. So auch hier am Niederrhein.

Strenge Schutzmaßnahmen

Erst Dank strenger Schutzmaßnahmen und steigender Wasserqualität verirren sich wieder einige Exemplare hierher. „Aber sie sind stark gefährdet, in erster Linie heute durch den Straßenverkehr“, bedauert die 56-jährige Heine. Deswegen gehört die Brückenbegutachtung zu ihren Aufgaben. Denn nur wenn es Laufwege oder kleine Stege unten den Brücken gibt, kann der Otter (und dann auch andere Tierarten) gefahrlos sein Revier durchstreifen und muss keine Straßen überqueren.

Beim Monitoring mit den Wildkameras helfen Heine zehn ehrenamtliche Otterfreunde, die Funde von Otterkot melden. „Der Kot hilft uns per Genanalysen festzustellen, welche Tiere dort ihr Gebiet markiert haben“, so die Fachfrau. Deswegen gehört die Analyse auch mit zu den wichtigsten Aufgaben im Rahmen des Projekts. So stellen die Otterschützer fest, was der große Marder frisst – mit Haut und Haaren. Besser gesagt: Schuppen und Gräten. Denn Fisch ist seine Leibspeise.

Auf der Suche nach dem Otter-Kot

„Da krieche ich des Öfteren auf allen Vieren unter Brücken lang, um nach den Hinterlassenschaften zu suchen“, gibt die Biologin zu. Und freut sich dann riesig, wenn sie auf den übrigens nicht streng riechenden, krümeligen Kot trifft. Oder gar auf Pfoten-Spuren des noch sehr seltenen Gesellen in der Düffel.

Der Fischotter kommt in der Düffel vor

Damit sich die Otter bei der langen Wanderung entlang der Flüsse und Seen ausruhen können, verbaut Heine auch sogenannte Otter-Holts. Das sind kleine, künstliche Schlafbauten. „Die sind nicht dazu geeignet, den Ottern als Wurfhöhlen zu dienen – es sind reine Rückzugsorte, um ungestört ruhen zu können“, weiß Heine. Otter selbst graben keine Bauten, sondern nutzen bereits vorhandene Höhlen, wenn sie denn einmal sesshaft werden. Das ist in der Düffel noch nicht der Fall, auch wenn sie aus Sicht der Nabu-Naturschutzstation hier sehr willkommen sind. Immerhin – die bislang gesicherten Spuren und Fotos aus den Wildkameras zeigen, dass die Wiederbelebung einer einst fast ganz ausgerotteten Art in NRW durchaus gute Chancen hat.

Otterseminar in Rindern

Wie die Sache mit dem Auffinden und richtigen Lesen von Otterspuren funktioniert und noch viel mehr über die schönen Tiere erfahren am Samstag, 14. März ab 9 Uhr zahlreiche Interessierte in einem bereits restlos ausverkauften Otterseminar, das der ausgewiesene Experte Dr. Hans-Heinrich Krüger bei der NABU-Naturschutzstation in Rindern an der Keekener Straße hält. Dort werden auch Gefährdungsursachen sowie Otter-Schutzmöglichkeiten zum Programm gehören. Übrigens: Das Otterseminar findet auch im Rahmen des grenzübergreifenden Interreg-Projekts Grün-Blaue Rhein-Allianz (www.gbra.eu) statt und wird von der NABU-Naturschutzstation Niederrhein e.V. zusammen mit dem Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. durchgeführt.

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