Krankheit

Demenz: Was ist tüddelig, was dement?

Das „Netzwerk Demenz im Kreis Kleve“ verbindet professionelle Akteure verschiedener Institutionen. Hier v.l. Dr. Christoph Baumsteiger (Chefarzt LVR-Föhrenbachklinik), Maria Ebbers (Sprecherin Netzwerk), Holger de Lange (Leiter Alten- und Pflegeheim Evangelische Stiftung), Alexia Meyer (Caritas-Bereichsleitung Pflege und Gesundheit)

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Das „Netzwerk Demenz im Kreis Kleve“ verbindet professionelle Akteure verschiedener Institutionen. Hier v.l. Dr. Christoph Baumsteiger (Chefarzt LVR-Föhrenbachklinik), Maria Ebbers (Sprecherin Netzwerk), Holger de Lange (Leiter Alten- und Pflegeheim Evangelische Stiftung), Alexia Meyer (Caritas-Bereichsleitung Pflege und Gesundheit) Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve.   Drei Vorträge für jedermann im Oktober in Kleve nähern sich dem Thema über Wissen, Humor und Bewegung: Wenn Opa im Schlafanzug wandern geht

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Ist die Oma jetzt nur ein bisschen tüddelig oder doch dement? Dr. Christoph Baumsteiger, Chefarzt der Neurologie der LVR-Föhrenbachklinik, rät, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen. „Oft ist Angst mit im Spiel und meist bei denen, die gar nicht betroffen sind“, weiß er. Infomieren können sich Kranke, Angehörige und sonst Interessierte in einer kurzweiligen dreiteiligen, kostenlosen Vortragsreihe, jeweils mit Fragerunde. Das „Netzwerk Demenz im Kreis Kleve“ lädt ein. Veranstaltungsort ist immer die Evangelische Stiftung Kleve, Hagsche Straße 83, gleich am Markt Linde.

Dr. Baumsteiger macht am Mittwoch, 4. Oktober, um 18 Uhr den Auftakt. Er spricht über das Krankheitsbild, Ursachen und Formen, frühe Diagnose, bewährte und neue Therapieverfahren sowie psychosoziale Betreuung der Erkrankten und ihrer Familien. Er beleuchtet auch ethische, rechtliche und beteuungsrelevante Gesichtspunkte.

Dem Amtsbetreuer jede Aldi-Quittung vorlegen

„Eigentlich sollte jeder über 40 eine Versorgungsvollmacht oder Patientenverfügung ausfüllen, aber in diesen Fällen ist es speziell nötig“, appelliert er. Damit der Demente nicht plötzlich „eine Amtsbetreuung gestellt bekommt und der Lebenspartner, der 50 Jahre an der Seite des Betreffenden gelebt hat, jede Aldi-Quittung vorlegen muss“.

Wissen ist wichtig. Angehörige sollten die Medikamente kennen, auch, wo sie Unterstützung und Gleichgesinnte finden. Der Vortrag informiert über Beratung und Ausbildung von Angehörigen, damit sie sich nicht überlasten.

Holger de Lange, Leiter der Alten- und Pflegeeinrichtung „Evangelische Stiftung“ in Kleve, kennt solche Fälle, bei denen Angehörige „über Jahre physisch und psychisch an ihre Grenzen gegangen sind und dann bei uns stehen und sagen: ‘Ich brauche sofort Hilfe, es geht einfach nicht mehr’,“ zitiert er. In der Evangelischen Stiftung leben 120 Bewohner, 80 Prozent von ihnen dement in unterschiedlichen Krankheitsstadien.

Freunde und Nachbarn sollten Bescheid wissen

„Man muss das Thema aus dem Tabu heraus holen. Wenn auch Freunde und Nachbarn Bescheid wissen, lebt es sich einfacher damit“, weiß Alexia Meyer, Fachbereichsleiterin Pflege und Gesundheit bei der Caritas. Sie hält es mit der Aussage eines Kollegen: Die Vergesslichkeit der Dementen bedeute für die Bezugspersonen „jeden Tag eine neue Chance“. Meyer: „Es ist eine schlimme Krankheit. Je mehr Humor man in den Umgang mit den Betroffenen hinein legt, um so besser“.

Das meint auch die Referentin Dipl.Psychologin Marion Dobersek im zweiten Vortrag der Reihe, „Humor trotz(t) Demenz“ am Mittwoch, 11. Oktober, 18 Uhr. Ist es lustig oder traurig, wenn Opa im Schlafanzug wandern geht?

Grundlegend wichtig sind Erkenntnisse aus dem dritten Vortrag „Prävention und Bewegung im Alter“. Referent Diplom-Sozialwissenschaftler Arnd Bader erklärt die Vorsorge vor Demenz und anderen Alterserkrankungen.

Bewegungsdrang fördern

Man solle den Bewegungsdrang der dementiell veränderten Menschen nicht als ‘herausfordendes Verhalten sehen, sondern als Ressource fördern. Dr. Baumsteiger. „Jeden Tag eine halbe Stunde Bewegung schützt vor Herz- und Hirninfarkt und Alzheimer/Demenz“ In Sachen Häufigkeit lösten heute Bewegungsmangel und Übergewicht das bisherige Raucherproblem ab, formuliert er.

Die Zahl der Dementen nimmt zu, es sind drei Millionen unter 80 Millionen in Deutschland. Die Krankheit Demenz gab es immer schon. Die Zahl der Betroffenen steigt, weil die Krankheit eher ältere Menschen trifft, „und wir werden immer älter“. Früh solle mit darüber geredet werden, etwa auch über eine Auto-Fahrtüchtigkeit bei Demenz. Damit ein Fahrverbot nicht als ‘Gemeinheit’ empfunden werde, so Dr. Baumsteiger. Er hält nichts davon, den Führerschein je nach Alter abgeben zu müssen. Es gebe mehr Sterblichkeit, wenn die Senioren zu Fuß oder per Rad unterwegs seien und mehr Suizide, wenn sie in Depression verfallen, sagt er. „Es gibt eben kranke 60Jährige und fitte 100Jährige.“

Die Veranstaltungsreihe lief bereits sehr erfolgreich in Emmerich. Wenn sie auch in Kleve gut angenommen wird, ziehe sie weiter in den Südkreis.

Um vorherige Anmeldung wird gebeten: Familienbildungsstätte Kleve 02821 /72320, fbs-kleve@bistum-muenster.de.

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