Soziales

Der Flüchtling von nebenan

m Pfarrheim „Ons Lind“ kommen Klever mit Flüchtlingen aus Syrien, Nigeria, Ghana und Bangladesh ins Gespräch.

m Pfarrheim „Ons Lind“ kommen Klever mit Flüchtlingen aus Syrien, Nigeria, Ghana und Bangladesh ins Gespräch.

Foto: WAZ FotoPool

Kleve.   Dr. Werner Kuhnen organisiert Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Klevern. Schicksale werden erzählt und Deutschkenntnisse vermittelt

Radio- und TV- Nachrichtensendungen sind voll davon: Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, Menschen aus Afrika, die in Booten über das Mittelmeer nach Europa kommen, Fliehende aus Nigeria, die Schutz suchen vor einheimischen Mörderbanden. Sie alle suchen ein besseres Leben, bessere Chancen des Überlebens in einer blutrünstigen Welt. Nicht immer werden sie mit offenen Armen empfangen, Misstrauen und die Angst vor Fremden begleiten sie in der neuen Umgebung. Engagierte Klever Bürger und Institutionen versuchen seit kurzem, den oft verzweifelten Menschen die Hand zu reichen und Hilfen anzubieten.

Dringend notwendiges Angebot

Laut UN-Flüchtlingsbericht sind weltweit 45 Millionen Menschen auf der Flucht. In Kleve, sagt Dr. Werner Kuhnen, Initiator des privat organisierten Projektes „Begegnung mit Flüchtlingen“, leben einige Hundert von ihnen, viele suchen auch Asyl, andere werden nur geduldet. Im Pfarrheim „Ons Lind“ der Christus-König-Kirche trafen sich nun zum zweiten Mal deutsche Bürger der Stadt Kleve und ausländische Menschen aus Syrien, Nigeria, Ghana und Bangladesch zur Kontaktpflege und Hilfeleistung im Alltag. Im Mittelpunkt: Das Erlernen der deutschen Sprache. „Vor 20 Jahren wurde von der Stiftspfarre im ‘Kolpingstübchen’ ein Treffen dieser Art erstmals ins Leben gerufen,“ sagt Kuhnen. „Ich sehe jetzt, wie nötig so etwas wieder ist.“

Junggesellen aus verschiedenen Herkunftsländern sind am meisten vertreten, sagt Kuhnen. „Die Zielgruppe lebt natürlich im Haus Stadionstraße 68. Da existieren viele Konflikte, es gibt kaum Intimität, es ist immer laut, junge Frauen finden keine Rückzugsmöglichkeiten. Bis zu acht Personen leben in einem Raum.“ Hier wollen Kuhnen und seine Mitstreiter – das von Ron Manheim initiierte „Haus der Begegnung“, der Flüchtlingsrat, die Caritas mit hauptamtlichen Mitarbeitern – Sprachkurse vermitteln und Kontakte aufbauen. „Sprachunterricht wird stark nachgefragt,“ sagt Kuhnen, „ und unter anderem durch Eva-Maria Delbeck und Josefine Frank angeboten.“ Dafür stellen das Pfarrheim Materborn, die VHS und das Evangelische Jugendheim Räume bereit.

„Klever Bürger und Sie als unsere Gäste sind Nachbarn geworden,“ sagte Kuhnen, „aber wir kennen uns noch nicht. Sie sind uns jedenfalls als Gäste willkommen.“ Babylonisch verwirrend war die Sprachvielfalt am Dienstagabend zwar nicht, aber Deutsch, Französisch und Englisch schwirrten durch den Raum. Nach Kuhnens Begrüßungsrede fanden sich kleine Gesprächsgruppen, die sich im praxisnahen Palaver austauschten. Ein bereits länger in Kleve lebender syrischer Mann und sein Sohn boten spontan an, als Übersetzer mitzuarbeiten.

Einen Aspekt hob Werner Kuhnen in seiner auf deutsch, englisch und französisch gehaltenen Rede hervor. „Wir wollen niemanden ausfragen oder zu nahe treten. Diskretion ist für uns wichtig.“

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