Denkmal

Der verehrte Antisemit Peter Wilhelm Beuth

Vor zwei Jahren enthüllten Bürgermeisterin Sonja Northing und Karl-Heinz Burmeister die Plakette zu Ehren Peter Beuths an der Hagschen Straße. Jetzt wurde bekannt, dass Beuth ein Antisemit war, der in mehreren Reden seine tiefste Verachtung gegenüber Juden aussprach.

Vor zwei Jahren enthüllten Bürgermeisterin Sonja Northing und Karl-Heinz Burmeister die Plakette zu Ehren Peter Beuths an der Hagschen Straße. Jetzt wurde bekannt, dass Beuth ein Antisemit war, der in mehreren Reden seine tiefste Verachtung gegenüber Juden aussprach.

Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Ein Berliner Professor hat sich mit den judenfeindlichen Äußerungen des Klever Ministerialbeamten Peter Wilhelm Beuth beschäftigt: „Er war extrem“.

Der Klever Ministerialbeamte Christian Peter Wilhelm Beuth (1781 - 1853) war ein extremer Judenhasser. Dies geht aus einer neuen Studie des Berliner Antisemitismusforschers Prof. Achim Bühl hervor. Bühl stellte in der vergangenen Woche seine Forschungsergebnisse an der Berliner Beuth-Hochschule vor. Darin heißt es unter anderem: „Wir haben es mit einer extremen Form des Antisemitismus bei Beuth zu tun, wenn wir seine Zeit als Maßstab ansetzen“. Bühl führt zahlreiche Belege für anti-jüdische Äußerungen Beuths auf, unter anderem habe er fest an die Ritualmord- und Hostienfrevellegende geglaubt, sagte der Berliner Wissenschaftler im Gespräch mit der NRZ.

Neue Forschungsergebnisse

Die neuen Forschungsergebnisse dürften auch in Kleve für Wirbel sorgen. Vor gut zwei Jahren wurde an der Hagschen Straßen von Bürgermeisterin Sonja Northing eine Plakette zu Ehren Peter Beuths enthüllt. Dem vorangegangen war eine breite Diskussion über das Wirken des Beamten. Beuth gilt als geistiger Vater des Berufschulwesens und der Normierung von Industrieprodukten. In Kleve wurde auch eine Straße nach ihm benannt und es gab Diskussionen, das Berufskolleg nach Beuth zu benennen.

Professor Achim Bühl hat für seine Erkenntnisse die Protokolle der Deutschen Tischgesellschaft analysiert und darin erschreckende Feststellungen gemacht: So rechtfertigte Beuth Folterungen, Verbrennungen und die Vertreibung von Berliner Juden im 16. Jahrhundert. Er bezeichnete Juden als „Giftmischer“: „Beim Antisemitismus Beuths handelt es sich um einen neuartigen völkischen Antisemitismus, der mit seinen biologistisch-rassistischen Bezügen seiner Zeit weit vorauseilt“, so Professor Bühl. Juden werden als „Christusmörder“ und „Gottlose“ verunglimpft. Beuth habe Vernichtungsphantasien geäußert und Juden mit Schweinen gleichgesetzt. Das Verbluten mancher Judenjungen bei der Beschneidung sei eine „wünschenswerte Folge“, wird Beuth zitiert. Juden würden „Christenkindern das Blut abzapfen und trinken“, sie würden den Plan verfolgen „uns auszurotten“.

Professor Bühl kommt zum Schluss: „Zusammengenommen ergibt sich für die zu betrachtende Zeit, die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, eine absolut beispiellose Schärfe des Antisemitismus von Christian Peter Beuth.“

Die Direktorin der Berliner Beuth Fachhochschule möchte keine vorschnelle Entscheidung treffen und sich Zeit lassen für die Beantwortung der Frage, ob man die Hochschule wieder umbenennen soll. Professor Bühl hat über seine Forschungen eine klare Meinung entwickelt: „Wie können wir Erstsemestern künftig noch einen Stoffbeutel mit dem Konterfei eines Rassisten überreichen?“

Mit dem Thema beschäftigen

Kleves Stadtarchivar Bert Thissen sieht in dem Beitrag des Berliner Professors neue Erkenntnisse über Beuth. Diese seien bislang so nicht bekannt gewesen. „Das sind schwer wiegende und auch ernst zu nehmende Vorwürfe“, so Thissen. Die damalige Entscheidung des Rates, eine Plakette an der Hagschen Straße anzubringen, habe man ohne dieses Wissen vorgenommen. „Wir müssen uns mit dieser neuen Sachlage auseinandersetzen“, so Thissen.

Nach Lektüre der Forschungsergebnisse kommt auch Wiltrud Schnütgen vom Klevischen Verein zum Ergebnis, dass diese Form des Antisemitismus’ bei Beuth noch nicht bekannt war. Es sei eindeutig belegt, dass er eine zutiefst verachtende Haltung gegenüber Juden eingenommen habe. „Ich kann gut verstehen, dass die Berliner Hochschule den Namen ändern möchte und wir müssen wohl wirklich darüber nachdenken, ob die Plakette, die sich gerade mal zwei Jahre an der Hagschen Straße befindet, dort hängen bleiben kann.“ Auch über die Beuthstraße müsse man sich Gedanken machen: „Sie ist nicht sehr lang, da müssten nicht viele Leute ihre Adresse ändern“, so Schnütgen. Alfons A. Tönnissen, der die Diskussion in Berlin aufgegriffen hat und die NRZ informierte, möchte, dass die Beuthstraße jetzt umbenannt wird.

Der Initiator der Plakette, Karl-Heinz Burmeister, wollte sich gestern zu dieser Diskussion nicht öffentlich äußern.

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