Naturschutz

Der Weezer Tierpark ist eine Oase der Entdeckungen

Christine Kuypers freut sich über die neuen Angebote des Tierparks in Weeze.

Christine Kuypers freut sich über die neuen Angebote des Tierparks in Weeze.

Foto: Anke Gellert-Helpenstein

Weeze.  Der Tierpark Weeze hat sich um 5,4 Hektar jenseits der B9 vergrößert. Ein Paradies für Rot-, Dam- und Sikawild – mit Artenschutzpfad.

Das frische Gras auf den riesigen Weiden steht kniehoch und höher. Ein ideales Versteck für das darin lebende Wild. So ist vom stattlichen Sikahirsch nur das mächtige Geweih im hohen Gras auszumachen. Wenn man genau hinschaut. Vom Bullen sind nur die Enden zu sehen. Genau 5,4 Hektar misst das neue Areal, das den Weezer Tierpark seit Anfang des Jahres um ein vielfaches vergrößert. Wenn es ganz ausgestaltet ist, wird es die Besucherzahl von 100.000 Interessierten im Jahr bestimmt noch mehr in die Höhe schnellen lassen.

Sikahirsche sind die neue Attraktion

Schon jetzt haben viele Besucher sich am Sika-, Rot-, und Damwild sowie den Bentheimer Landschafen in den zwei Großgehegen erfreuen können. Komfortabel und sicher zu erreichen ist das Gelände vom alten Tierpark aus durch den Fußgängertunnel unter der Bundesstraße B9. Tierparkleiterin Marie Christine Kuypers führte die NRZ mitten durch die neuen Gehege und erläuterte das Konzept des erweiterten Parks für Menschen und Tiere. Das erste Gehege, zwei Hektar groß mit einem Teich in der Mitte, gibt den scheuen sechs Sikahirschen einen artgerechten Lebensraum. Die Bentheimer Landschafe stören die Sikas nicht, die an Damwild erinnern. Aber viel seltener sind. Weiße Punkte zieren das hellbraune Fell, die Größe ist ebenfalls vergleichbar: Deutlich größer als Reh und deutlich kleiner als Rotwild. Aber die sechs Tiere gehören zur Hirschart Vietnam Sika, deren Aussterben man auch mit der Zucht in Weeze verhindern möchte.

Ein Trampelpfad musste geschlossen werden - der Hunde wegen

„Aber noch haben sie wohl keinen Nachwuchs – der könnte sich aber auch im hohen Gras versteckt halten“, vermutet Kuypers. Noch ist das Gehege für Besucher übrigens nicht begehbar, nur umrundbar. Denn die Wege durch die mit Schleusentoren geschützten Weiden sind noch nicht angelegt worden. Ein Trampelpfad ganz außen am Rotwild vorbei musste nun geschlossen werden, weil es zu viele uneinsichtige Hundebesitzer gibt. „Da hat ein frei laufender Hund das Wild am Zaun gehetzt“, bedauert die Tierparkleiterin, die alle Spaziergänger um Rücksicht bittet und um Verständnis, dass hier Hunde an der Leine geführt werden müssen.

Artenschutzpfad durch das Gelände

Zwischen dem Sika- und dem drei Hektar großen Rot- und Dammwildgehege ist schon ein Weg geschottert worden, der später durch das Gelände bis zum Wald und dort zum Naturlehrpfad führt. Auf dem Weg wird zum Wald hin eine 15 mal 25 Meter große Scheune mit zwei Stalleinheiten entstehen, die durchlaufen werden kann. Sie dient dann auch dem besseren Handling des Wildes, wenn es für medizinische Untersuchungen separiert werden muss. Außerdem sollen einmal Frettchen und auch Wildkatzen dort Anlagen bekommen, um die Vielfalt der heimischen Natur zu demonstrieren.

Zum Nulltarif ist das alles nicht zu bekommen. „Zäune, Flächen, Unterstände, Tore etc. kosteten 55.000 Euro“, verrät Kuypers und ergänzt: „Dazu kommen die Kosten für die Scheune – rund 200.000 Euro.“ Durch Spendenaktionen, Sponsoren und Fördermittel sind glücklicherweise schon stattliche Summen zusammen gekommen.

Neben dem Umweltbildungs- und Artenschutzpfad auf dem Tierparkgelände mit den verschiedenen Infotafeln über Arten der Region (heimische Vögel, Steinkäuze, Insekten…) wird vor allen Dingen der Fledermauspfad ein Highlight werden. Dieser umfasst vier Stationen und beginnt an der Erweiterungsfläche des Tierparks. Er endet am und im früheren Trafoturm, der auch Nisthilfen unter anderem für Fledermäuse, Schleiereulen und Turmfalken bereit hält. Besucher werden hier auch künftig am Bildschirm die Tiere beobachten können.

Trafoturm wird zum Ausguck für Besucher

Im Turm gibt es auch eine alte Ölwanne im Boden, die so umgestaltet werden soll, dass dort einmal das „unterirdische“ Leben zu sehen sein wird. Auf dem Außengelände des ungewöhnlich großen, rechteckigen Trafoturms aus den 1960er Jahren soll ein für Besucher nicht zugängliches Paradies für Kleinstlebewesen entstehen. „Dann können die Menschen beobachten, wie sich die Natur ihr Gebiet zurück erobert“, freut sich Kuypers über das große, mehrstufige Projekt, das in weiten Teilen auch von der Deutschen Postcode Lotterie mit insgesamt 150.000 Euro finanziert wird.

Zurzeit ist der Turm eingerüstet, weil Künstler Michael Horn aus Süddeutschland Tag- und Nachtaugenfalter, Mauersegler, Fledermäuse und Wildbienen in bunten Farben auf die Außenmauern zaubert. Offiziell eingeweiht wird der neue Fledermauspfad übrigens beim Schafschurfest, 30. Juni, 11-17 Uhr.

Der Eintritt in den Weezer Tierpark ist und bleibt kostenfrei.

Weitere Infos: http://www.tierparkweeze.de/

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