Dart German Open

Deutsche Meisterschaft um Pfeil und Ehre

Dart German Open, April 2018 in Kalkar:In Reihe aufgestellt  jede nur den Blick aufs Board – die Spieler traten in Teams Herren, Damen, Jungen, Mädchen an.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Dart German Open, April 2018 in Kalkar:In Reihe aufgestellt jede nur den Blick aufs Board – die Spieler traten in Teams Herren, Damen, Jungen, Mädchen an. Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve / Kalkar.   Die Dart German Open stiegen am Wochenende in Kalkar. „Hervorragend geeignete Hallen“ vom Wunderland könnten auch künftig Austragungsort sein.

Die Sache ist ernst. Hoch konzentriert stehen die Spieler in mehreren Gängen. Alles ist recht dunkel, allein die Rückwände der Gänge sind punktuell grell erleuchtet. Daran hängen genau 100 Dartscheiben. Was einst Wagenräder waren, zwischen deren Sprossen irgend ein Engländer Zahlenwerte geschrieben hat, ist heute ein hochprofessionelles Werkzeug für einen Präzisionssport. Pfeil werfen. Die „Bull’s German Open“, eines der größten Dartturniere der Welt, stieg am Wochenende in Kalkar.

Wenn es nach dem Organisator Kai Westermeyer aus Bochum (1. Dart-Sport-Club Bochum 1982 e.V.) geht, sollen die „hervorragend geeigneten Hallen beim aufmerksamen Team“ vom Wunderland Kalkar auch künftig Austragungsort sein. Im 30. Jubiläumsjahr hatte er in Bochum keine geeignete Halle mehr für die über 1000 Teilnehmer 22 Nationen gefunden und kam zum Niederrhein.

Ausgelost wurde wer gegen wen spielt. Im K.O.-System traten Samstag zum Beispiel die Herren in 703 Spielen an, so lange, bis nur zwei übrig blieben. Gespielt wurde „501“, das bedeutet, man startet mit 501 Punkten und muss auf der Scheibe so treffen, dass am Ende exakt die Null übrig bleibt.

Die Reihenfolge der 20 Zahlen im Rund ist so angelegt, dass immer eine zweistellige zwischen einstelligen liegt, etwa die 20 zwischen der 1 und der 5. Das garantiert, dass man wirklich sehr genau treffen muss. Bei den Ringen zählen der innere schmale, das „Triple“, dreifach, der äußere doppelt. Und so ist die Triple-20 natürlich das Höchste, eben nicht das Bull-Eye in der Mitte, das zählt 50 Punkte, der grüne Kreis drumherum 25.

Der Spieler braucht nicht nur Auge-Hand-Koordination, sondern muss auch noch rechnen können, denn reihum ist jeder Spieler auch mal als Schreiber dran und notiert die Werte, die Gegner und Kollegen werfen.

Solange sich die Darter außerhalb ihres Spielfeldes bewegen in der Area

mit leiser Musik und duftenden Pommes, sind sie lässig. Die Niederländer aus Nimwegen mit „Goliath“ (weil er David heißt), mit DunBon (mit Bon-Maschine), mit Beetle Guus (der Beatles liebt) und Oma-Net sind lustig drauf. Aber sobald sich Darter auf 2,37 Meter dem Board nähern, wird der Blick starr, der Arm locker. Dann schießen drei Pfeile und es verzieht sich nicht selten die Mimik zum verknautschten „Hat-nicht-ganz-gereicht“-Gesichtsausdruck.

Auch in der Frauenabteilung ist ausschließlich pure Ernsthaftigkeit zu spüren. Augenmaß, Treffsicherheit, sonst zählt nichts. Die Kinder machen sehr erwachsen die Ausstrahlung ihrer Eltern nach. Sobald sie eigenständig Pfeile aus der 1,73 Meter über dem Boden angebrachten Scheibe ziehen können, dürfen sie mitspielen. „So ab sechs Jahren“, sagt Kai Westermeyer, der selbst seit seinem achten Lebensjahr, vom Vater angeregt, dabei ist.

Erstmals sind bei diesem German Open fünf Dartboards niedriger gehängt – speziell für die „G-Darter“, gehandicapte, die Rollstuhlfahrer. Arie van de Rassel aus Den Hag weiß das zu schätzen. Treffsicher probt daneben Frank Reißberg aus Münster. „Der einarmige Bandit“ nennt er sich humorvoll. Er scheint ein Könner zu sein? Reißberg verneint. „Ich übe nur zwei Stunden am Tag“. Ach so. „Ich freue mich von Spiel zu Spiel. Andere können auch darten“.

Qualifiziert für World Masters

Schließlich kamen auch Cracks der Weltrangliste nach Kalkar. So leitete der englische Profi-Caller John Fowler die Finalspiele auf der Bühne. Hunderte sahen zu, wie zwei Menschen ihre 50-Gramm-Spielgeräte werfen. „Ich finde, Darts ist eine der besten Fernseh-Sportarten. Man sieht sofort, was geschieht“, sagt Westermeyer.

Auch in Kalkar ging es um Pfeil und Ehre, um Geld und Ranglistenpunkte für die World Darts Federation (WDF), für den Deutschen Dartverband (DDV) und für die British Darts Organisation (BDO). Nach der letzteren werden für Profi-Spieler Startplätze für die hochdotierten Fernseh-Turniere vergeben. Die Sieger der sechs Einzelwettbewerbe bei den German Open in Kalkar haben sich übrigens direkt für die Winmau World Masters 2018 qualifiziert.

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