Schule

Die Baupläne der Gesamtschule Kleve verzögern sich erneut

Das Interimsrathaus an der Landwehr soll jetzt für die Gesamtschule Rindern umgebaut werden.

Foto: Andreas Gebbink

Das Interimsrathaus an der Landwehr soll jetzt für die Gesamtschule Rindern umgebaut werden. Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Der Umbau des Interimsrathauses für die Gesamtschule Rindern startete nicht wie vorgesehen im Juli. Baubeginn ist frühestens Ende September

Aufmerksame Beobachter des Klever Schulausschusses bekommen in diesen Tagen schon wieder hohen Blutdruck: Warum tut sich nichts an der Gesamtschule in Rindern? Und warum stehen noch keine Bauwagen vor dem Interimsrathaus an der Landwehr? Sollte da nicht „unmittelbar“ nach dem Umzug der Stadtverwaltung am 1. Juli mit den Bauarbeiten begonnen werden, damit die neue Gesamtschule einen Ausweichstandort für ihre Schulklassen bekommt?

Baubeginn September?

Nun, auch wenn sich die Gemüter auch noch so erregen: Der Umbau des Interimsrathauses wird noch etwas dauern. Wie die Stadt Kleve der NRZ jetzt auf Anfrage mitteilte, liegt die Baugenehmigung zur Umnutzung des Gebäudes mittlerweile vor. „Die Bauhauptgewerke wie Trockenbau, Maler, Bodenbelag und Elektroarbeiten sind derzeit ausgeschrieben“, teilt Stadtsprecher Jörg Boltersdorf mit. Die ersten Aufträge können dann in der Sitzung des Vergabeausschusses im September beschlossen werden. Die Verwaltung rechnet damit, dass die Bauarbeiten an der Landwehr „voraussichtlich“ in der letzten Septemberwoche beginnen können.

Nach den bisherigen Planungen sollte der erste Bauabschnitt im Herbst 2017 allerdings schon fertig sein, so stellte es GSK-Gebäudemanager Thomas Mutz noch in den Schulausschüssen am 9. März und am 31. Mai vor. Der Baubeginn war für den 10. Juli geplant. Die Kosten sollen 510 000 Euro betragen. Der zweite Bauabschnitt des Interimsrathauses sollte dann im Februar 2018 fertig sein.

Frühestens im Laufe des Jahres 2018

Das weitaus größere Projekt sind die Neubaumaßnahmen an der Gesamtschule in Rindern: „Derzeit wird die europaweite Ausschreibung der Planungsleistung für die Gesamtschule in Rindern zusammen mit dem bereits beauftragten Projektsteuerer und einer Anwaltskanzlei erarbeitet“, schreibt Stadtsprecher Jörg Boltersdorf auf NRZ-Nachfrage.

Nach der Vergabe der Architekten- und Ingenieurleistung werde für den Entwurf zunächst der Bauantrag gefertigt, der nach Fertigstellung zunächst der Politik vorgestellt werde. „Bei positiver Rückmeldung können im Anschluss Ausschreibungen der Gewerke erarbeitet werden. Dies wird frühestens im Laufe des Jahres 2018 möglich sein“, schreibt Boltersdorf. Der Schulbetrieb sei gewährleistet. „Es wird keine Einschränkungen geben“, so der Stadtsprecher.

„Lächerliche Züge“

Für Michael Bay (Grüne), stellvertretender Vorsitzender des Schulausschusses, sind diese neuen Zeitvorstellungen eine Ungeheuerlichkeit. Dies sei mindestens die zehnte Terminverschiebung und es gebe keinen vernünftigen Grund, warum die Verwaltung den Neubau der Gesamtschule so lange hinauszögere, so Bay. In zahlreichen Ausschüssen hat er den Zeitplan angemahnt: „Es wird ein ums andere Mal der Plan verschoben. Das Ganze nimmt lächerliche Züge an.“

„Das ist ein Skandal“

Der Politik habe man zugesichert, dass im August 2018 mit der Fertigstellung der Schule zu rechnen sei, spätestens 2019: „Jetzt muss ich hören, dass man im Jahr 2018 mit den Ausschreibungen beginnen möchte. Das ist unglaublich. Vor drei Jahren haben wir drei Architekten angestellt, die sich nur um Schulprojekte kümmern sollten. Passiert ist bislang noch gar nichts. Das ist ein Skandal.“

Im August 2016 sei ein Leistungskatalog für die Gesamtschule an ein Anwaltsbüro geschickt worden. Daraufhin sei ein 17seitiger Mängelbericht zurückgekommen, so Bay: „Das heißt, dass die zuständigen Planer unfähig sind, dies zu machen.“ Bay erinnert daran, dass die Verwaltung der Politik zugesichert habe, im Januar 2018 mit der Vergabe der Gewerke anzufangen, jetzt sei aber die Rede von der Ausschreibung – „im Laufe des Jahres“, ärgert sich der Grünen-Politiker. „Im August 2018 gibt es fast 1000 Schüler und Lehrer, denen wieder nur ein Provisorium zur Verfügung steht. Unglaublich.“

KOMMENTAR

Kleve ist sehr vorsichtig geworden

Eine Schule zu bauen, ist offenbar nicht so einfach. Zumindest tut sich die Stadt Kleve unglaublich schwer damit, die rechtlichen Vorgaben für die Errichtung der Gesamtschule Rindern in eine saubere Ausschreibung zu packen. Die Antwort des Pressesprechers dokumentiert sehr schön, wie vorsichtig man im Rathaus mittlerweile geworden ist: Zurzeit werde mit einem „beauftragen Projektsteuerer“ und mit einer „Anwaltskanzlei“ die Ausschreibung der Planungsleistung vorbereitet. Wohlgemerkt: Es geht zurzeit noch lediglich um die Ausschreibung der Planungsleistung.

Angesichts der Tatsache, dass die Politik neue Architekten eingestellt hat, die sich speziell um die Schulprojekte zu kümmern haben, darf man schon die Frage stellen: Warum braucht die Verwaltung so lange? Die Antwort hat Jürgen Rauer bereits mehrmals in Fachausschüssen gegeben: Man habe so viel zu tun und zu wenig Personal. Allerdings kann dies auch nicht bis auf Ewig als Argument gelten. Denn irgendwann stehen die Gesamtschüler vor der Tür und haben Recht auf eine vernünftige Lehranstalt. Eine Unterbringung an drei Standorten ist keine adäquate Lösung.

Wenn man nicht selbst in der Lage ist, eine Schule zu bauen, sollte man sich Hilfe holen. Die Kreis Kleve Bauverwaltungs GmbH (KKB) hat bewiesen, dass sie schnell und vernünftig die Hochschule und die Gesamtschule Geldern erstellen konnte. Vielleicht sollte man mal mit Geschäftsführer Koenen telefonieren. Andreas Gebbink

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