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Die Geheimnisse der Hexerei

Gruselschauer in der Frühen Neuzeit: Ein weiblicher Teufel entsteigt dem Bau des Sieben-Schmerzen-Altars von Henrik Douvermann in Kalkar.

Gruselschauer in der Frühen Neuzeit: Ein weiblicher Teufel entsteigt dem Bau des Sieben-Schmerzen-Altars von Henrik Douvermann in Kalkar.

Foto: Andreas Daams

Kalkar.   Kurz vor Halloween nahmen Christa Cattelans und Martina Schwaibold die Kalkarer mit auf eine spannende Abendführung durch die Nicolaistadt

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Ganz so einfach wie bei Bibi Blocksberg ist die Sache nicht. Ein hübscher Reim, gefolgt von „Hex, Hex“, und schon ist das Zimmer aufgeräumt - das ist was für Kinder. In Wirklichkeit ist das Hexen weitaus komplizierter. Zum Beispiel, wenn man eine Ernte verhageln will. Zunächst muss man ein paar Jungfrauen finden, von denen eine mit dem kleinen Finger der rechten Hand ein Bilsenkraut pflückt, dies dann an den kleinen Zeh bindet, um sodann im Krebsgang zum nächsten Fluss zu gelangen. Dort muss sie dann nackig ins Wasser, wo die anderen Jungfrauen sie nassspritzen. Dann geht’s im Krebsgang zurück. Ohne diese Prozedur kein Wetterzauber.

„Da sieht man mal, wie schwierig es ist, eine Wirkung zu erzielen“, sagt Christa Cattelans. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Martina Schwaibold führt sie einen neugierigen Haufen von Möchtegern-Hexen durch Kalkar. So kurz vor Halloween war das eine spannende Sache.

Als erstes räumt sie mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: Halloween hat mit Hexen nichts zu tun. Hexen treffen sich am Vorabend des 1. Mai zum Hexentanz. Der „Tanz in den Mai“ ist ein Relikt dieses Glaubens.

Überhaupt ist es nicht ganz einfach, eine Hexe zu werden. Mit Kräutern sollte man sich extrem gut auskennen, so dass man zunächst als Kräuterfrau durchgehen kann. Lavendel für die Liebe, Zistrosen-Asche, um unsichtbar zu werden, Meerrettich zur Anlockung des Geldes. Kräuter dienen natürlich auch zum Heilen.

„Wer Krankheit nimmt, kann sie auch geben“, beschreibt Christa Cattelans die Idee, die hinter dem Hexenglauben steckt. Ganz wichtig dabei: Irgendjemand muss ja die Schuld an den Übeln der Welt haben. Warum nicht die Hexen?

Die sprichwörtliche Hexenjagd

Hatte man einmal eine erwischt, zum Beispiel wegen einer anonymen Anzeige, kam sie schwerlich lebendig aus der Geschichte wieder heraus. Selbstverständlich ging alles rechtsstaatlich zu. Mehr als 15 Kilogramm darf man als Hexe nicht wiegen, sonst ist man zu schwer, um auf Besenstilen durch die Luft zu fliegen. Also wiegt man eine Beschuldigte – und siehe da: Die Wage zeigt weniger als 15 Kilo an. In diesem Stil ging es bei den Prozessen weiter. Berühmt ist die Wasserprobe. Man fesselt eine Hexe und wirft sie ins Wasser. Geht sie unter, ist sie keine Hexe, sondern tot. Geht sie nicht unter, ist sie eine Hexe und wird verbrannt.

Wie selbstverständlich der Hexenglaube im ausgehenden Mittelalter war, demonstriert Martina Schwaibold in St. Nikolai Kalkar. Dort sieht man auf einem Bild drei Frauen, die den heiligen Hieronymus verführen wollen. Sie tragen Hörner, sind also Teufelinnen. Und war nicht auch der große Martin Luther die längste Zeit seines Lebens ein überzeugter Hexengegner? „Gerade dort, wo er gepredigt hat, gab es besonders viele Hexenverfolgungen“, sagt Martina Schwaibold. „Ich wollt‘ sie selbst verbrennen“, schrieb der Reformator einmal.

Tja. Um das Jahr 1000 hielt man Hexerei für dummes Zeug, 200 Jahre später erschien sie schon möglich. Um 1500 war die Sache dann sonnenklar. Die letzte Hexenanklage in Kleve gab es 1610. Was nicht aufgehört hat, ist die Suche nach den Schuldigen. Und so bleibt die „Hexenjagd“ wohl noch länger dem Wortschatz erhalten.

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