Grundstücksgeschäft

LVR will die halbe Klinik Bedburg-Hau jetzt verkaufen

Der nördliche Teil des Klinikgeländes soll nun tatsächlich verkauft werden. Hier haben die Investoren bereits renoviert.

Der nördliche Teil des Klinikgeländes soll nun tatsächlich verkauft werden. Hier haben die Investoren bereits renoviert.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Bedburg-Hau.  Mittwoch berät der Krankenhausausschuss 4 des LVR in Bedburg-Hau darüber. Bürgermeister: „Gegebenenfalls kann hier ein neuer Ortsteil entstehen.“

„Wir freuen uns über eine positive Entwicklung“, sagt Bedburg-Haus Bürgermeister Peter Driessen. „Ein großer Wunsch der Politik wird wahr.“ Er ist zuversichtlich: In Bedburg-Hau bahnt sich das größte Grundstücksgeschäft in der Geschichte des Ortes an. Die Hälfte des Geländes der LVR-Klinik wird vermutlich in den nächsten Wochen den Besitzer wechseln.

Veräußerung des nördlichen Teils der LVR-Klinik auf der Tagesordnung

Am Mittwoch, 11. September, tagt der Krankenhausausschuss 4 des Landschaftsverbandes Rheinland. Im nicht-öffentlichen Teil steht die „Veräußerung des nördlichen Teils der LVR-Klinik Bedburg-Hau“ auf der Tagesordnung. Das LVR-Dezernat Gebäude- und Liegenschaftsmanagement, Umwelt, Energie, Rheinische Beamten-Baugesellschaft mbH wird Bericht erstatten.

Die Verkaufsverhandlungen scheinen also abgeschlossen? Das bestätigt der Kreis Klever Ausschussvorsitzende Peter Hohl der NRZ: „Eine Beschlussfassung steht an.“ Die Details habe er sich aber noch nicht durchgelesen.

Wenn also alles glatt läuft, werden wohl der Bau- und Vergabeausschuss des LVR am 30. September und/oder der Finanz- und Wirtschaftsausschuss am 2. Oktober die Sache abschließen.

Zwei Professoren wollen investieren

Wie man hört, beabsichtigen als Käufer die Professoren der Hochschule Rhein-Waal Prof. Dr. Thorsten Brandt und Dr. Dirk Untiedt, ihr Unternehmen auszudehnen.

Sie begannen 2016 mit dem Erwerb von Haus 14 und 51 und machen in ihrer GmbH „Scientific Freshers“ in Intensivkursen angehende Studierende und qualifizierte Asylbewerber studienreif – gegen Bezahlung. Schon vor Jahren brachten sie die jungen Leute in einem Schwesternwohnheim auf dem LVR-Gelände unter und organisierten dort die Lehrgänge. Tür an Tür mit dem Theater miniart, dessen Gebäude ebenfalls zur Verkaufmasse gehört. Ebenso wie Gebäude 6, in dem einmal im Jahr das Kunstlabor „ArToll“ Künstlern Raum zur Entfaltung bietet.

Schon 2016 schrieb die NRZ, dass die beiden Investoren beabsichtigen, in vier Teilabschnitten den gesamten Nordteil des Klinikgeländes zu erwerben.

Gelände nicht mehr komplett gebraucht

„Das unter Denkmalschutz stehende Klinikgelände der LVR-Klinik Bedburg-Hau wird nicht mehr in Gänze für die dienstlichen Aufgaben des LVR benötigt“, teilt Dr. Silke Hallmann, Pressereferentin des LVR, der NRZ auf Anfrage mit. Die alten Häuser entsprechen nicht den heutigen Standards. „Aus diesem Grund wird die Veräußerung einer Teilfläche angestrebt. Die zuständigen politischen Gremien werden über den Stand der Verhandlungen informiert und um Zustimmung für die Fortführung und Konkretisierungen der Vertragsverhandlungen gebeten. Im Zentrum der Verhandlungen stehen die Vereinbarkeit der Nachnutzung des Geländes mit den Zielen der LVR-Klinik Bedburg-Hau, die möglichst umfängliche Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäude und die Qualität des Areals als parkähnliche Fläche“, so Hallmann.

Ein Architekt wurde hinzu gezogen. Diese „möglichst umfängliche Erhaltung“ bedeutet, dass einige wenige Gebäude, die in schlechtem Zustand sind, abgerissen werden könnten und einer Nachverdichtung Platz machen. In dem infrage stehenden nördlichen Klinikteil stehen nicht nur schmucke denkmalgeschützte Jugendstil-Häuser, sondern auch Gebäude, denen man ihre Nicht-Nutzung ansieht sowie nüchterne Wohn- und Funktionsbauten.

„Gegebenenfalls kann hier ein neuer Ortsteil entstehen“, sagt Bürgermeister Peter Driessen. „Wir wollen mit der Politik einvernehmlich in vielen Gesprächen die Entwicklung des gesamten Geländes erwirken.“

Hinter dem Geschlechtergraben

Es geht um das gesamte Areal jenseits des „Geschlechtergrabens“, benannt in Zeiten, da die Patienten nach Geschlecht aufgeteilt waren. Die LVR-Klinik, vormals Landesklinik und Landeskrankenhaus, war 1912 mit 90 Gebäuden auf rund 80 Hektar Gelände eine der größten Kliniken in Europa. Heute sind viele Patienten dezentral untergebracht, führen ein selbstständiges Leben oder werden in Neubauten am südlichen Rand des Geländes versorgt.

Vor einigen Jahren gab es bereits Kaufinteressenten, die aber dann doch im letzten Moment absprangen beziehungsweise verstarben.

Planungsrecht mit einem Bebauungsplanschaffen

An der Hochschule Rhein-Waal lehren Prof. Dr. Thorsten Brandt Technologie und Bionik, Prof. Dr.-Ing. Dirk Untiedt Maschinenbau, Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Innovationsmanagement.

Der LVR hatte im Dezember 2016 einem Verkauf des nördlichen Klinikgeländes zugestimmt. Es begannen die Verhandlungen mit der Scientific Freshers Real Estate GmbH.

Die Gemeinde muss Planungsrecht mit einem Bebauungsplan schaffen.

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