Kommunalwahl 2020

Die Kandidaten wollen einen Klimamanager für den Kreis Kleve

Welchen Weg wird der Kreis Kleve einschlagen? Silke Gorißen und Peter Driessen wollen die Geschicke im Kreishaus leiten.

Welchen Weg wird der Kreis Kleve einschlagen? Silke Gorißen und Peter Driessen wollen die Geschicke im Kreishaus leiten.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Kleve.  Die Landratskandidaten Silke Gorißen und Peter Driessen wollen mehr für den Klimaschutz tun. Beide wären bereit, Geld für den RE 10 auszugeben.

Umweltschutz, Klimawandel und Verkehrswende – die bundesweiten Themen spielen im Kommunalwahlkampf eine große Rolle. Das, was sich in Berlin und Brüssel abspielt, hat unmittelbare Folgen für die Politik vor Ort. Von den beiden Landratskandidaten Silke Gorißen (CDU) und Peter Driessen (parteilos) wollten wir wissen, wie sie diesen Wandel managen wollen. Der Handlungsdruck ist angesichts der Probleme groß.

Frau Gorißen, das Thema Klimawandel kommt nach dem dritten trockenen Sommer in Folge mit Wucht zurück. Wie wollen Sie den Kreis Kleve grüner aufstellen?

Silke Gorißen: Jeder muss seinen Beitrag leisten. Was kann der Kreis Kleve leisten? Ich sehe da die energetische Sanierung von Gebäuden und die Installierung von Solardächern. Dann müssen wir uns auch den Fuhrpark der Kreisverwaltung anschauen. Eine Umstellung auf E-Autos wird es nicht auf einmal gehen, aber nach und nach. Wir müssen mit einem guten Bespiel voran gehen.

Das ist jetzt stark bezogen auf die Kreisverwaltung. Damit schaffen wir nicht den Klimawandel. Was muss der Kreis unternehmen, um auch die anderen Sektoren des Zusammenlebens zu pushen?

Gorißen: Die Kreisverwaltung kann eine Zentrale für gute Vorschläge sein, die aus Kommunen und Unternehmen kommen. Auch der Ausbau des Radwegenetzes hat eine wichtige Bedeutung für den Klimaschutz. Es ist eine ziemliche Bandbreite, die man unternehmen kann.

Peter Driessen: Ich möchte Fahrradstraßen ausbauen und denke über die Förderung von Gründächern nach. Gerade im ÖPNV sehe ich eine echte Alternative zum Autoverkehr – das ist praktischer Klimaschutz für mich. Ich möchte aber auch bei der Förderung alternativer Antriebstechniken neu denken. Die Gebäude des Kreises müssen vorbildlicher mit Solaranlagen ausgestattet werden.

Ich möchte zudem gemeinsam mit den Landwirten, den Umweltverbänden und auch mit den Kommunen den Erhalt und den Schutz unserer Kulturlandschaft bzw. unserer Wälder und Naturschutzgebiete einvernehmlich nach vorne bringen. Und zwar nach den Herausforderungen, die der Klimawandel an uns stellt.

Benötigt der Kreis Kleve einen Klimamanager oder sogar ein eigenes Klima-Dezernat?

Driessen: Wir brauchen nicht nur einen Klimamanager, sondern wir brauchen auch einen Energiemanager, denn wir müssen auch überprüfen wie viel Energie über Gebäude des Kreises abfließt. Die Frage muss sein, wie man Energie einsparen kann und wie man Gebäude updatet.

Gorißen: Ich halte es für mehr als sinnvoll, einen Klimamanager zu installieren. Wir müssen Klima ganz groß denken und können nicht mehr so weitermachen wie bislang. Wir haben alle Zeichen der Zeit erkannt und sehen, dass wir etwas tun müssen. Wir können da nicht mehr in kleinen Strukturen denken. Es braucht letztendlich einen richtigen Plan. Der Klimamanager muss sich darum kümmern und Fördermöglichkeiten ausloten.

Muss sich der Kreis in Sachen Windkraft noch stärker einmischen und Windflächen bündeln?

Gorißen: Wir sehen, dass in den Kommunen sehr emotional diskutiert wird, je nachdem, wo die Windräder aufgestellt werden sollen. Wenn wir ökologisch denken und an Klimaschutz denken, dann spielt das Thema Windkraft eine große Rolle. Ich habe den Eindruck, dass es gute wäre, wenn man dort, wo man erfolgreich und im Einvernehmen mit den Bürgern Windkraftanlagen erstellt hat, auch ein Austausch unter den Kommunen stattfinden würde. Da kann der Kreis aktiver Partner sein. Nicht jeder muss das Rad neu erfinden.

Driessen: Die Energiewende müssen wir komplett neu denken. Das bedeutet für mich, nicht nur Windparks im Kreis Kleve zu konzipieren, die können auch irgendwo anders stehen. Ich denke da an den Kreis Steinfurt oder Bedburg an der Erft, diese Stadt produziert gemeinsam mit dem RWE wesentlich mehr Energie als die Stadt verbraucht. Wenn das ein Teil des Klimawandels sein kann, würde ich auch diesen Schritt gehen.

Die NRW-Landwirtschaftsministerin hat angekündigt, dass sie den ökologischen Landbau fördern möchte. Es sollen künftig mindestens 20 Prozent der Fläche sein. Sie sucht drei Kreise für ein Pilotprojekt. Wären Sie dabei?

Gorißen: Da müssen die Landwirte mit im Boot sein. Ich würde nie etwas vorantreiben ohne ein Signal aus der Landwirtschaft: Ja, das ist für uns auch ein gangbarer Weg. Ich finde den Vorschlag der Ministerin gut, aber er muss auch kommuniziert werden.

Das muss man mit den Vertretern der Bauernschaft machen. Aus meinen Gesprächen weiß ich, dass die Themen Ökologie, Umwelt und Naturschutz äußerst fortschrittlich sind, ohne dass da viel Wind drum gemacht wird. Ich bin überzeugt davon, dass wir auch im Kreis Kleve Landwirte finden werden, die da gerne mitmachen wollen.

Driessen: Ich will gerne mit den Landwirten den Klimawandel neu denken. Und wenn ich merke, dass 20 Prozent der Landwirte bereit sind, mehr ökologischen Landbau zu betreiben, dann würde ich mich sofort bei der Ministerin bewerben.

Thema Nahverkehr. Beide wollen sie den RE 10, den Niersexpress, verbessern. Wie realistisch sind Ihre Wünsche, vor dem Hintergrund, dass man bei VRR, Nordwestbahn und Bahn immens dicke Bretter bohren muss und auch ein Landrat nur wenige Möglichkeiten besitzt, Druck auszuüben?

Driessen: Es läuft gerade eine Machbarkeitsstudie des VRR. Aber vor 2024 bis 2027 wird das Land nicht entscheiden, in welche Bahnstrecke sie investieren möchte. Ich wäre daher auch bereit, kommunales Geld als Teilfinanzierung zu nehmen. Für mich ist der RE 10 eine Hauptschlagader des Nahverkehrs im Kreis Kleve. Wir haben jetzt eine einmalige Chance und ich halte es für möglich, wirkliche Verbesserungen hinzubekommen.

Dafür müssen wir ganz viele Hausaufgaben machen. Wir werden auch schauen, inwiefern wir Geld dafür in die Hand nehmen, gegebenenfalls auch aus Kreismitteln. Wer 6,1 Millionen Euro in den Flughafen stecken kann, der kann auch 6,1 Millionen Euro in einen Zug investieren.

Gorißen: Das Thema ist richtig ätzend (lacht). Zurzeit läuft kein Tag glatt, wenn man mit dem Zug nach Düsseldorf pendeln muss. Ich ärgere mich da sehr drüber und habe auch das Gefühl, dass es den Verantwortlichen völlig egal ist, dass wir hier als Kreis Kleve komplett abgehängt werden. Es muss enorm viel investiert werden, wir haben eine völlig veraltete Infrastruktur. Wir bräuchten auch ein zweites Gleis.

Was macht man, wenn man nicht jede Woche mit einer Abordnung den Verantwortlichen auf den Tisch springt? Wir müssen jetzt ungemütlich werden und deutlich machen, dass hier die Hütte brennt.

Wir haben mit Henrik Wüst, dem Verkehrsminister, überlegt, inwiefern man die Trägerschaft für das Bahnnetz auf Kreis und Kommunen übertragen kann. Wüst könnte sich vorstellen, dafür eine Unterstützung des Landes zu geben. Wir wollen uns nach der Wahl verabreden und die Gespräche aufnehmen. Womöglich müssen wir selber Geld in die Hand nehmen. Das Problem ist: Wenn sich die Situation des RE 10 noch weiter hinzieht, dann haben wir einen ganz klaren Standortnachteil im Kreis Kleve.

Wo ist eigentlich das Problem? Herr Scheuer bekommt zig Milliarden nicht ausgegeben. Geld ist offenbar kein Hindernisgrund.

Gorißen: Wir müssen richtig Druck machen. Im Grunde genommen muss jede Woche jemand Randale machen: Wir lassen uns das so nicht mehr bieten. Wir müssen ungemütlicher werden. Und da muss die Spitze der Kreisverwaltung auch vorangehen.

Driessen: Zurzeit liegt es an der Bahn, die nicht verkaufen möchte. Und da müssen wir hin.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben