Mensch am Mittwoch

Die Klever Sportkeglerin Silke Thissen stand endlich oben

Die Welt ist eine Kugel: Silke Thissen hat schon früh Erfolge im Sportkegeln gefeiert.

Foto: Andreas Gebbink

Die Welt ist eine Kugel: Silke Thissen hat schon früh Erfolge im Sportkegeln gefeiert. Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Silke Thissen ist Deutsche Meisterin im Sportkegeln und fährt nun zur Weltmeisterschaft. Die Kleverin ist mit Kegelbahnen im Haus aufgewachsen.

Für viele Kinder ist es das Größte: Kindergeburtstag auf der Kegelbahn. Die Kugeln so werfen, dass sie möglichst viele Kegel zu Fall bringen. Hoffen, kreischen, jauchzen. Danach dann Currywurst mit Pommes. Silke Thissen kennt diese Perspektive nicht. Ihr Großvater kaufte die Gaststätte Haus Ida am Rande von Materborn im Jahr 1937. Ihr Vater übernahm das Restaurant mit Kegelbahnen 1965. Und sie selbst machte eine Ausbildung als Hotelfachfrau, so dass alles darauf hinauslief, die Familientradition fortzusetzen. Seit 2005 führt die heute 45-jährige gemeinsam mit ihrem Mann das Haus, erweitert um Gästezimmer.

„In der Kindheit durften wir ab 16 Uhr nicht mehr in die Gaststätte, weil dann die Gäste da waren“, erinnert sich Silke Thissen. Die Wohnung lag im Haus, daher waren Kegelbahnen für sie so normal wie für andere die Legobaukästen. „Wenn meine Cousins zu Besuch waren, wollten sie immer kegeln“, sagt sie. Anschließend – siehe oben – gab es Pommes. Thissen: „Ich mag keine Pommes, weil es die ja immer gab.“

Das Kegeln hingegen mochte sie schon. Als Zehnjährige fing sie damit so richtig an. Sie nahm an Wettkämpfen teil, hatte erste Erfolge. „Das spornte an, damit weiterzumachen.“ Schnell zeigte sich, dass sie echtes Talent hatte. Sie nahm an überörtlichen Lehrgängen teil, verbesserte ihre Kondition und Konzentration. „Kegeln ist eine Präzisionssportart“, erläutert sie. Bei den Meisterschaften hat man insgesamt 120 Würfe, mit denen man 1080 Punkte erreichen kann. „Das hat noch nie jemand geschafft“, ist sie sicher. Trotz allen Trainings kann nicht jeder Wurf perfekt gelingen.

Titel nach zwei vierten Plätzen

Schon zweimal stand sie bei den Deutschen Meisterschaften neben dem Siegertreppchen: als Vierte. Jetzt hat es bei den Meisterschaften in der Klasse Damen A Einzel in Trier geklappt. Silke Thissen durfte ganz oben stehen, mit Urkunde und Medaille in der Hand, dazu die Nationalhymne vom Band. „Endlich mal oben stehen – da war ich wirklich stolz“, sagt sie. Schließlich ist so eine Meisterschaft kein Spaziergang. Die Besten der Vereinsmeisterschaft gehen zur Bezirksmeisterschaft, davon die Besten zur Rheinlandmeisterschaft, es folgt die Landesmeisterschaft. Und dann: eine Woche Anspannung pur. Die 20 besten Keglerinnen treffen aufeinander.

Für Silke Thissen bedeutet der Titel zweierlei: Nächstes Jahr in Düsseldorf will sie ihn verteidigen. Und demnächst darf sie bei den Weltmeisterschaften in den Niederlanden teilnehmen.

Nicht viel Zeit zum Feiern

Allzu viel Zeit zum Feiern blieb ihr nach dem Titelgewinn nicht. Donnerstag war die Siegerehrung, Freitag ging es schon zurück nach Hause. Denn die Gastwirtschaft verlangt vollen Einsatz, Ruhetag ist eigentlich nur dienstags. Immerhin gab es einen kleinen Empfang mit Freunden, Blumen von den in Haus Ida beheimateten Kegelclubs, und auch die Bürgermeisterin freute sich, die Meisterin im Rathaus begrüßen zu dürfen.

Bei allem sportlichen Erfolg: Für Silke Thissen ist Kegeln immer auch ein geselliges Spiel. Zwar herrscht beim Kegeln Alkohol- und Tabakverbot. Aber hinterher gibt es oft etwas zu erzählen, zu feiern, zu lachen. Offenbar entdeckt das vermehrt auch wieder die Jugend. „Es kommen wieder mehr junge Leute zum Kegeln“, freut sie sich. Eine echte Kugel zu werfen, macht schließlich auch mehr Spaß, als sie auf dem Handybildschirm wegzuwischen. Das zeigt jeder Kindergeburtstag auf der Kegelbahn.

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