Klever Köpfe

Die Mutter Oberin

Schwester Clara hält ein Pflegekind in den Armen. Das Bild stammt aus den 20er Jahren.

Schwester Clara hält ein Pflegekind in den Armen. Das Bild stammt aus den 20er Jahren.

Foto: NRZ

Kleve.   Vor 90 Jahren gründete Clara Werkmann (1896-1969) das Mutterhaus der Franziskusschwestern auf der Spyckstraße. 43 Jahre lang war sie die Chefin

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Die gebürtige Mainzerin Clara Werkmann trat 1921 in die Krefelder Gemeinschaft der Franziskusschwestern vom Dritten Orden des Heiligen Franziskus ein. Diese Schwestern sind nicht an traditionelle Ordensregeln gebunden und legen auch kein ewiges Gelübde ab. Sie verpflichten sich, in der Kranken- und Armenpflege zu arbeiten. Das Krefelder Mutterhaus ist 1911 gegründet worden, in erster Linie, um den zunehmenden Bedarf an Haus- und Familienpflege abzudecken, der dadurch entstanden war, dass die Zeiten, in denen noch mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach wohnten und sich in Notsituationen gegenseitig helfen konnten, Anfang des 20. Jahrhunderts allmählich vorbei waren.

In Haushalten helfen

Die Schwestern gingen in Haushalte, in denen die Mütter wegen Krankheit oder wegen der Geburt eines Kindes ihre Familien nicht versorgen konnten.

Neben dem Zentralmutterhaus in Krefeld wurden Niederlassungen in Koblenz, Aachen, Karlsruhe und Kleve gegründet. In allen Häusern übernahmen Kapuziner die geistliche Leitung. In Kleve war es Pater Suitbert vom Spyckklösterchen gewesen, der in Krefeld um die Entsendung einer Schwester gebeten hatte, nachdem er 1923 einen Kreis freiwilliger Helferinnen für die Hauspflege aufgebaut hatte, die Arbeit aber absehbar nicht mehr von diesen allein bewältigt werden konnte. In Krefeld hatte Schwester Clara eine Ausbildung zur Krankenpflegerin absolviert. Als sie Weihnachten 1924 erfuhr, dass sie als erste berufliche Hauspflegerin nach Kleve gehen sollte, erbat sie sich noch die Möglichkeit, nach Krefeld zurückzukehren. Schon am 15. Januar 1925 kam sie nach Kleve, um ein neues Mutterhaus zu gründen.

Sie wurde bald von christlich gesinnten Frauen unterstützt, die wie sie bereit waren, für „Gottes Lohn“ den Dienst am Nächsten zu leisten. Da die Schwestern kein Eigentum besitzen dürfen, wurde 1926 der Verein für Haus- und Krankenpflege gegründet, der sich bis heute um die administrativen Aufgaben kümmert.

In den Jahren 1933-1945 musste sich Mutter Clara gegen manche Schikanen der Nazis wehren. Die Gemeinnützigkeit wurde aberkannt und Zuschüsse gestrichen. In den letzten Kriegsjahren war das von den Schwestern betriebene Kinderheim in Schneppenbaum stark überbelegt, nur mit großer Mühe schafften es die Schwestern, alle Kinder mit einem Drittel des normalen Pflegesatzes zu versorgen. Auch die Hauspflege, das Hauptbetätigungsfeld der Schwestern, war unter diesen Voraussetzungen kaum noch zu leisten. Der Tätigkeitsschwerpunkt änderte sich daher in Richtung Altenpflege.

Die Weichen hierfür hatte Mutter Clara gestellt. Sie war sich ihrer gewaltigen Verantwortung sehr bewusst und kümmerte sich mit großer Kraft um den Fortbestand ihres Werkes. Vor allem in den letzten Kriegsjahren schickte sie häufig Briefe an die Schwestern in den verschiedenen Niederlassungen, in denen sie ihnen Mut und Kraft zusprach, um die Arbeit in der schweren Zeit bewältigen zu können. Durch ihr großes Engagement gelang es ihr, in den Jahren 1933 bis 1945 acht weitere Niederlassungen zu eröffnen und 19 neue Schwestern in der Gemeinschaft begrüßen zu können.

Großer Idealismus

Neben den ambulanten Einsätzen in der Haus- und Familienpflege hatten die Schwestern zahlreiche weitere Wirkungsstätten am Niederrhein. Dazu gehörten neben Kinder- und Altenheimen auch die Bahnhofsmission in Emmerich oder das Lehrlingsheim der Bergwerksgesellschaft Duisburg-Walsum. In den 50er-Jahren gab es fast 60 Franziskusschwestern, die letzte trat 1959 in die Gemeinschaft ein. In den Jahrzehnten danach nahm die Zahl der Schwestern ab, die Zahl der Niederlassungen ebenfalls. Heute werden noch drei große Altenheime betrieben, die von den Schwestern gegründet worden sind, in Xanten, Kevelaer und Kleve.

Mutter Clara war für ihren großen Idealismus, ihren nüchternen Realismus, ihre Selbstlosigkeit und ihre zielstrebige Hartnäckigkeit bekannt. An sich selbst dachte sie nie. Aber der jahrzehntelange Einsatz raubte ihr auch Kräfte, so dass sie Anfang 1968 von ihrem schweren Amt zurücktrat. Im gleichen Jahr erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Nach ihrem Tod 1969 folgten Schwester Edeltrud und Schwester Reinhilde als Oberinnen. 1992 wurde Schwester Hedwig zur Oberin gewählt. Sie starb vor wenigen Wochen, Anfang November dieses Jahres, im Alter von 85 Jahren. Nun gibt es nur noch zwei Franziskusschwestern in Kleve. Unterstützt werden sie seit 2006 von Anbetungsschwestern aus Kerala in Indien.

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