Natur am Niederrhein

Die Perlen des Niederrheins entdecken

Christian Langner betreut das Naturschutzgebiet "Rindernsche Kolke".

Foto: Andreas Gebbink

Christian Langner betreut das Naturschutzgebiet "Rindernsche Kolke". Foto: Andreas Gebbink

Kleve-Rindern.   Die Rindernschen Kolke bilden eines der schönsten Naturschutzgebiete der Region. Die Gewässer wurden durch die Kraft des Rheins geschaffen.

Ich freue mich immer auf den Frühling. Es blüht überall, die Vögel singen und die Amphibien machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Vor allem darf ich aber viel im Gelände unterwegs sein. So mache ich mich dieses Jahr wieder auf die Suche nach „Drachen“ – zumindest sieht der Kammmolch aus wie einer. Er ist der größte heimische Molch und kann eine Länge von 18 Zentimetern erreichen.

Mit seiner dunklen Färbung, dem Rückenkamm und der goldenen Iris sieht er in der Tat wie ein Fabelwesen aus. Leider zählt er wie viele andere Amphibien zu den europaweit gefährdeten Arten. Zudem kann sich die Art nur dort erfolgreich vermehren, wo Eier und Larven nicht durch Fische gefressen werden. Da hat es die Erdkröte besser. Ihre Larven schmecken den meisten Fischen nicht.

Zu finden sind beide in den Rindernschen Kolke, unmittelbar vor den Toren Kleves. In früheren Jahrhunderten flossen Ausläufer des Rheins östlich der Ortschaft Rindern vorbei und prägten so das heutige Naturschutzgebiet. Fast überall ist der Boden wellig und zahlreiche Gewässer, Kolke genannt, gibt es hier. Sie sind durch die Kraft des Wassers entstanden: Vor allem bei Hochwasser und Deichbrüchen spülte das Wasser mit hoher Geschwindigkeit Bodenmaterial davon und hinterließ so Senken und Löcher.

Auf den Wiesen weiden Pferde und Charolais-Rinder, eine robuste alte Rinderrasse. Die Kombination aus Grünland, Gewässern, Kopfbäumen und Hecken ist nicht nur schön anzusehen, sondern bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Für mich ist dieses Naturschutzgebiet die Perle der niederrheinischen Kulturlandschaft.

Im Schilf versteckt sich der Teichrohrsänger

Aber auch vom Weg aus lassen sich viele Tiere beobachten. Wasservögel wie Reiherente, Haubentaucher und Austernfischer finden an den Gewässern Nahrung und Brutplätze. Im Schilf verstecken sich Teichrohrsänger und Rohrammer. Sie bleiben so zwar oft den Blicken verborgen, aber sind von weitem gut hörbar.

Der rhythmische endlos wirkende Gesang des Teichrohrsängers ist sehr markant, ebenso wie der Gesang der Rohrammer, der mich an ein gestammeltes „Ich sing schlecht“ erinnert. Den Steinkauz kann man im Frühjahr mit etwas Glück nach Sonnenuntergang vernehmen.

Ruf der Schleiereule alles andere als romantisch

Dieses Jahr hatte ich sogar noch mehr Glück und eine Schleiereule zeigte sich im Schein einer Laterne. Sie ist eine wirklich schöne Eule, aber ihr Ruf ist alles andere als romantisch und hört sich für mich wie eine gemeuchelte Katze an. Kein Wunder, dass man in manchen Regionen damals dachte, ihr Ruf würde den Tod ankündigen.

Im Winter ziehen die Rindernschen Kolke besonders viele tierische Besucher an, die dafür große Distanzen zurücklegen: Arktische Bläss- und Saatgänse, sowie skandinavische Pfeifenten verbringen hier ihren Winterurlaub.

Der älteste Deich am Niederrhein

Die Rindernschen Kolke kann man am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erleben. Man begibt sich von der Rinderner Kirche nach Norden Richtung Gut Hogefeld und Düffelward und folgt dem Drususdeich, der sich mit Windungen durch die Landschaft schlängelt.

Nach Deichbrüchen wurde der Deich meist um den entstandenen Kolk herumgebaut. Dieser relativ hohe Deich ist wahrscheinlich der älteste Deich am Niederrhein. Er wurde bereits zur Zeit des römischen Feldherrn Drusus im Jahre 15 v. Chr. angelegt.

Also worauf warten Sie noch? Schnallen Sie Ihre Sandalen an und begeben Sie sich auf die Spuren von Römern – oder mir – und entdecken Sie ein Stück echten Niederrheins.

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