Umweltverschmutzung

Messdaten zeigen: Schiffe sondern ungefiltert Giftstoffe ab

Das offene Entgasen von Tankschiffen ist verboten. Aber es gibt entlang des Rheins keine Entgasungsstationen für Binnenschiffe.

Das offene Entgasen von Tankschiffen ist verboten. Aber es gibt entlang des Rheins keine Entgasungsstationen für Binnenschiffe.

Foto: Andreas Gebbink

Kreis Kleve/Nimwegen.  Die niederländische Provinz Gelderland hat erstmals konkrete Messdaten für das Entgasen von Binnenschiffen erhoben. Das geschieht täglich.

Die niederländische Provinz Gelderland legt nun erstmals konkrete Messergebnisse für das Entgasen von Binnenschiffen vor. Entlang der Waal wurden im Februar 24 Messgeräte aufgestellt, die die Luftqualität analysiert haben. Innerhalb von zehn Wochen stellten die Apparaturen allein in der Provinz Gelderland 42 konkrete Verstöße fest, davon gehen neun auf das Konto von deutschen Binnenschiffen.

Die Provinz Gelderland geht davon aus, dass die tatsächliche Anzahl der Entgasungen höher sein dürfte, da die Messgeräte aufgrund der unterschiedlichen Windrichtungen nicht alle Umweltsünden registriert haben. Die Niederländer gehen davon aus, dass dies täglich geschieht.

Große Mengen schädlicher Gase werden freigesetzt

Bei einer Entgasung entledigen sich Tankschiffe ihrer krebserregenden Reststoffe von Mineralölerzeugnissen. Dabei geht es um Ladungen wie Rohbenzin, Ottokraftstoffe, Dieselöl oder Heizöl. Wenn Tankschiffe einen Wechsel des Ladungsinhaltes vornehmen, muss zuvor der Tankraum gereinigt werden. Der Gesetzgeber sieht eine ordnungsgemäße Entgasung vor.

Wie die NRZ mehrfach berichtete, fehlen allerdings in Deutschland entlang des Rheins entsprechende Einrichtungen für Binnenschiffe. Die Folge: Viele Tankschiffer pusten ihre Restgase (meinst krebserregendes Benzen) ungefiltert in die Luft. Grob gerechnet kann man mit der Ladung eines Binnenschiffes 250 Tankstellen bedienen.

Bislang gab es noch keine konkreten Nachweise für dieses Umweltdelikt. Weder das Bundesumweltamt noch die Düsseldorfer Bezirksregierung verfügen über Messwerte. Die Behörden gingen bis dato von einer Dunkelziffer aus, die man anhand von Ladungswechseln grob ermitteln konnte.

Mit den in den Niederlanden erhobenen Daten ist jetzt klar: „Es wird auf dem Rhein entgast“, so die Regionalministerin Bea Schouten von der Provinz Gelderland. Sie geht davon aus, dass in der Vergangenheit deutlich häufiger die Gasluken geöffnet worden sind, da die Installation der Messgeräte in den Niederlanden prominent in den Medien diskutiert worden ist.

Niederländer wollen generelles Entgasungsverbot bis 2020

Schouten macht sich jetzt dafür stark, ein generelles Entgasungsverbot in den Niederlanden bis 2020 durchzusetzen. „Die Ergebnisse lassen aber nicht die ursprüngliche Vermutung zu, dass gerade deutsche Binnenschiffer extra in die Niederlande fahren, um hier ihre Tankschiffe zu reinigen“, so Schouten.

Auch in Deutschland sind die Behörden sensibilisiert. Nach NRZ-Recherchen möchte man allerdings erst auf eine internationale Übereinkunft warten. Das Umweltbundesamt hatte bereits in den 90er Jahren auf das Problem hingewiesen. Der damalige Abteilungsleiter, Axel Friedrich, sagte im Gespräch mit der NRZ, dass die jetzige Praxis „absolut gesetzeswidrig“ sei.

„Es gibt ein Verbot und niemand kontrolliert es“, so Friedrich. 2014 legte das Umweltbundesamt eine Machbarkeitsstudie zur Einrichtung von Abgasreinigungsanlagen vor. Darin werden die Probleme deutlich beschrieben – geschehen ist bislang nichts.

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