Über die Grenze

"Vrienden op de Fiets" bietet Freunden des Fahrrads ein Bett

Fons und Tonnie Bazelmans freuen sich über Radfahrer im Haus.

Foto: AG

Fons und Tonnie Bazelmans freuen sich über Radfahrer im Haus. Foto: AG

Kalkar.   Wer seinen Urlaub auf dem Fahrrad verbringen möchte, kann bei „Vrienden op de fiets“ für kleines Geld übernachten. Auch Kreis Klever machen mit.

Diese Ruhe, dieser Blick in die Weite, einfach herrlich. Auf der Terrasse von Fons und Tonnie Bazelmans kann man wirklich entspannen. Das Ehepaar aus Kalkar blickt vom Frühstückstisch alltäglich ins Grüne und die beiden Niederländer öffnen in aller Freundschaft ihre Haustür für reisende Fahrradfahrer.

Mit offenen Armen werden Radfahrtouristen auf der Durchreise von Fons und Tonnie Bazelmans empfangen. Denn die beiden sind „Freunde des Fahrrades“. Für 19 Euro pro Person kann man bei ihnen übernachten, inklusive Frühstück. Kinder bis zwölf Jahre zahlen 9,50 Euro.

Logieren bei Freunden

Ein unschlagbares Angebot? Mitnichten! Überall in den Niederlanden, Belgien und im deutschen Grenzgebiet gibt es „Vrienden op de fiets“, die sich der gleichnamigen niederländischen Organisation angeschlossen haben und für 19 Euro ein sauberes Bett, Dusche und ein leckeres Frühstück anbieten. „Seit 35 Jahren gibt es unseren Zusammenschluss“, sagt Organisatorin Stefanie Gerwers.

Was in den Niederlanden großen Anklang findet, ist in Deutschland noch kaum bekannt. Immerhin findet man im Kreis Kleve stets mehr Privatleute, die ein Zimmer, einen Campingwagen, ein Gartenhaus oder Ähnliches zur Verfügung stellen, damit Radfahrer hier günstig übernachten können. Menschen aus Kranenburg, Kleve, Emmerich, Rees, Goch, Weeze und Geldern haben sich bereits „Vrienden op de Fiets“ angemeldet.

Nicht-kommerzielle Stiftung

Fons und Tonnie Bazelmans sind selbst leidenschaftliche Radfahrer. Sie freuen sich, wenn Menschen zu Besuch kommen: „Radfahrer haben immer etwas Spannendes zu erzählen“, sagt Tonni Bazelmans, die bereits seit 25 Jahren an der Aktion „Vrienden op de fiets“ teilnimmt. Den Niederländern geht es nicht ums Geld: „Wir finden es einfach schön, wenn man Radfahrern eine Unterkunft bieten kann. Der Spaß steht im Vordergrund“, sagt ihr Mann Fons. So kommen Radler aus den Niederlanden, Italien, Deutschland und Belgien vorbei, bleiben eine Nacht und radeln weiter.

Das ist auch der Geist, den Organisatorin Stefanie Gerwers verbreiten möchte. „Vrienden op de Fiets ist eine nicht-kommerzielle Stiftung. Wir wollen es Radtouristen ermöglichen, günstig zu reisen. Wir haben mittlerweile 6000 Vermieter und über 100 000 Mitglieder“, erzählt sie stolz.

Doch wer ein günstiges Zimmer bekommen möchte, der muss Mitglied der Stiftung werden. Der Jahresbeitrag beträgt zehn Euro. Denn nur wer Mitglied ist, der bekommt auch die dazugehörigen Adressen. Um den privaten Charakter zu erhalten, kann man die Zimmer nicht im Internet buchen, sondern man muss bei den Teilnehmern persönlich anrufen. „Wir wollen uns an diesem Punkt bewusst von anderen Angeboten absetzen. Die Teilnehmer dürfen keine Luxusapartments erwarten, sondern ein sauberes Bett in privater Umgebung, Gastfreiheit und ein Frühstück“, so Stefanie Gerwers.

Großes Netzwerk

Das Konzept funktioniert in den Niederlanden bereits seit vielen Jahren. Hin und wieder gebe es Leute, die den günstigen Preis missbrauchen wollen und mit dem Auto vorgefahren kommen: „Aber das wird sofort sanktioniert und ist auch nicht Sinn der Sache“, sagt Gerwers. „Wir wollen Radfahrer, die sich auf der Durchreise befinden, die um 16 Uhr völlig ausgehungert und fertig ihre Herberge ansteuern und am nächsten Morgen auch schon wieder weiterfahren“, sagt sie lachend.

Die Organisation wurde 1984 von Nel de Blécourt gegründet. Sie selbst war eine leidenschaftliche Radfahrerin und hat sich darüber geärgert, bei größeren Touren immer Freunde oder Verwandte fragen zu müssen. Sie schaltete in der Zeitung eine Annonce und innerhalb kurzer Zeit hatten sich über 30 Fahrradfreunde bei ihr gemeldet. Das Netzwerk wurde peu à peu ausgebaut. „Und es ist in Europa einmalig“, sagt Stefanie Gerwers.

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