Kultur

Ein Chor, der die Weltmusik nach Kleve holt

Eva Maria Staudenmaier leitet den Weltmusikchor der VHS in Kleve.

Eva Maria Staudenmaier leitet den Weltmusikchor der VHS in Kleve.

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Eva Maria Staudenmaier leitet den Weltmusikchor der VHS Kleve. Die Kulturpädagogin aus Materborn liebt es, kreativ und lebendig zu sein.

Im Vorgarten steht ein Klavier. Statt den Händen der Klavierschüler ist es der Witterung ausgesetzt. Obendrauf steht das Regenwasser, Blumen wachsen, die Natur greift um sich. Es könnte ein Bild sein für etwas Bedeutsames, aber es ist auch das, was es ist: ein Klavier im Vorgarten. Nicht mehr. Und nicht weniger.

Wenn man mit Eva Maria Staudenmaier spricht, wird schnell klar: Sie ist keine, die die Welt mit vorgefertigten Blicken betrachtet. Sie probiert, entdeckt, lässt sich begeistern, begeistert selbst, hat einen Sinn fürs Ungewöhnliche, aber stellt ihre Ansprüche auch immer in Relation zum Machbaren. Dass ihr im September neugegründeter Weltmusikchor der VHS auf Anhieb so viele Mitglieder gewonnen hat, liegt bestimmt auch an ihrer Art. Beim Auftritt im Rahmen der KulturWelle im alten Hallenbad jedenfalls erzeugte der Chor eine Menge Aufmerksamkeit.

Der Streit um den Platz am Klavier

Zur Musik gekommen ist Eva Maria Staudenmaier schon früh. Als siebtes Kind in einem musikalischen Haushalt im Schwabenland stritt sie sich mit ihren Geschwistern um den Platz am Klavier. „Ich hatte eine richtig schöne Kindheit“, erzählt sie. „Ich habe in Chören gesungen und in Orchestern gespielt.“ Nach dem Abitur ging sie zum Studium nach Hildesheim: Kulturpädagogik. „Das war ein richtig tolles, freies Studium“, schwärmt sie. „Wir haben viele Projekte gemacht mit dem Ziel, Theater, Musik und Bildende Kunst zusammenzuführen.“

Nach dem Studium machte sie eine Zeit lang Theatermusik in Bonn, bildete sich dann in Recklinghausen zur Freizeit- und Kulturmanagerin weiter. An den Niederrhein kam sie wegen eines Praktikums bei Miniart in Bedburg-Hau. Dann bekam sie ihren ersten Sohn, begann damit, Klavier zu unterrichten, bildete sich für den Musikgarten fort, bekam ihren zweiten Sohn.

Leitung des Projektchors Acanthus

Ihre Unterrichtstätigkeiten nahmen immer weiter zu: Musikgarten, Cello, Klavier, Blockflöte. In ihrer zeitweiligen Heimat Schottheide gründete sie den „Kulturklatsch“ - auch mit Blick auf ihre Schüler: „Ich wollte dass Vorspielen ein Ereignis wird.“ Die Musikstücke in eine Geschichte einbauen – das ist eines ihrer Konzepte. Ein Nachbar schrieb ein Theaterstück, das dann mit der Nachbarschaft aufgeführt wurde. „Das ist doch echte Kulturpädagogik!“

Inzwischen wohnt sie mit ihrer Familie in Materborn. Sie leitet seit einigen Jahren zu ihrer Lehrtätigkeit auch noch den Projektchor Acanthus, der in der Seelsorgeeinheit Kranenburg-Niel-Wyler-Zyfflich neuere Kirchenmusik macht. Für sie, die ja aus der klassischen Musik kommt, ist der Weltmusikchor auch eine Möglichkeit, Improvisation und Bewegung zu integrieren und außerdem auch Politisches einzubeziehen.

Raum und Klang werden neu verbunden

„Bei der VHS gehen Leute aus allen möglichen Nationen ein und aus, da kann man immer jemanden nach dem Land und der Musik fragen.“ In Hildesheim gibt es einen Beschwerdechor, der Lieder zu Beschwerden macht, die Bürger in ein Kästchen werfen. In diese Richtung könnte es gehen – „aber mit dem Anspruch, gut zu klingen“, betont sie.

Umtriebig, wie sie ist, hat sie sich auch in Nimwegen umgeschaut und den Chor Carmina Ludens mit dem Cello begleitet. Bei diesem Chor geht es ebenfalls um die Frage, Raum und Klang neu zu verbinden. „Gedanklich hat der Weltmusikchor mich total vereinnahmt“, sagt sie. „Nach der Chorprobe abzuschalten – das ist gerade wirklich schwierig.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben