Gericht

Ein Fall fürs Gericht: der Tod des Weezer Filmhuhns Siggi

Ute Milosevic aus Weeze mit Huhn Sabine. 2017 verlor sie ihr Filmhuhn Sieglinde durch einen Hundebiss. Foto: Anke Gellert-Helpenstein

Ute Milosevic aus Weeze mit Huhn Sabine. 2017 verlor sie ihr Filmhuhn Sieglinde durch einen Hundebiss. Foto: Anke Gellert-Helpenstein

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Weeze.  Die braune Henne von Ute Milosevic wurde im Jahr 2017 auf dem heimischen Hof vom Hund eines Spaziergängers getötet. Sie fordert Schadensersatz.

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„Die war so toll!“ Die Augen von Ute Milosevic (55) aus Weeze leuchten, als sie der NRZ von ihrem Huhn Sieglinde, genannt Siggi, berichtet. An die zweijährige Henne, die mehr als nur Eier legen konnte, erinnert sie sich gerne. An den Tag im Jahr 2017, als Siggi starb, allerdings nicht. Denn die braune Henne wurde von einem Hund gerissen, der auf Milosevics Hofweide gerannt war. „Sie wurde regelrecht zerfetzt“, bedauert sie. Und dieser Fall beschäftigt am Freitag, 22. November 2019 das Landgericht Kleve.

Ein trainiertes Filmtier

Denn die Hühnerhalterin verlangt mehr als nur einen „Zehner“, den der Hundehalter ihr damals angeboten hatte. Auch die ihr in einem ersten Prozess zugesprochenen 300 Euro lehnte sie ab. „Siggi war nicht irgendein Huhn. Sie war ein trainiertes Filmtier und hat in verschiedenen Produktionen mit gewirkt und Geld verdient.“

Soll heißen: 4000 Euro Schadensersatz seien angemessen, erklärt auch Filmtiertrainerin und Sieglindes Ausbilderin Aurelia Franke-Hornung aus Kalkar.

Sieglinde war mega-klasse

„Damals habe ich mit drei Hühnern gearbeitet. Sieglinde war da schon wirklich mega-klasse“, schwärmt die erfahrene Filmtierausbilderin. Das Huhn spielte in vielen TV-Produktionen ihre Rollen perfekt. War Stunthuhn bei einem Autocrash, trug Verbände, lief den Menschen wie ein Hund hinterher, ließ sich überall hinsetzen und blieb dort auch, liebte es zu kuscheln und gekrault zu werden. Ein nicht angeleinter Hund einer Spaziergruppe aus Geldern machte der Karriere von Siggi dann an jenem Sommertag vor zweieinhalb Jahren ein jähes Ende.

Shiba-Inu-Rüde zeriss die Henne

Der Rüde der Hunderasse Shiba-Inu hatte Jagdtrieb und Ute Milosevic hat kein Verständnis für den Halter, der das Tier dennoch ohne Leine laufen ließ. „Ich bin selbst Hundehalterin. Dem Hund mache ich auch keinen Vorwurf. Aber dem Hundehalter. Für die Unachtsamkeit des Besitzers habe ich kein Verständnis“, erklärt sie. Auch nicht für das Verhalten des Hundehalters nach dem Vorfall.

Die Wahrheit soll ans Licht kommen

„Am meisten ärgert mich jedoch, dass vor Gericht ‘Zeugen’ auftraten, die definitiv zum Hergang des Vorfalls abgestimmt gelogen haben. Das ärgert mich wirklich“, gibt Milosevic zu. Vom Prozesstag in Kleve vor dem Landgericht wünscht sie sich eigentlich nur eins: „Dass die Wahrheit ans Licht kommt und die Zeugen ihrer Lügen überführt werden. Das wäre mir wichtiger als jedes Schmerzensgeld!“

Ein begabtes Herzenshuhn

Zwar hat Ute Milosevic einige Hühner, aber Siggi war definitiv das begabteste und ihr Herzenshuhn. Heute gehört Seidenhuhn Sabine zum Lieblingsgeflügel der Familie. Bislang allerdings ohne Filmstar-Ambitionen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn die Filmtierschule von Aurelia Hornung aus Kalkar hat schon mit vielen Tieren vom Hof der Milosevics trainiert und sie vor die Kamera gebracht: Beispielsweise Minischwein Villeneuve. Es war 15 Jahre lang ein Star. Im TV zu sehen waren auch Alpakahengst Alfi (in einem Film mit Tom Gerhardt) und einige Hunde aus ihrer Weezer Retro-Mopszucht.

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