Kirche

Ein fast vergessener Kirchenschatz

Die Kreuzigungstafel in der Kranenburger Wallfahrtskirche St. Peter und Paul.

Die Kreuzigungstafel in der Kranenburger Wallfahrtskirche St. Peter und Paul.

Foto: Andreas Gebbink

Kranenburg.   Die Kreuzungsdarstellung von Kranenburg ist 570 Jahre alt und wurde lange Zeit dem niederländischen Maler Johan Maelwael zugeschrieben

Fast hätte man das Bild auf dem Dachboden des Kranenburger Pfarrhauses vergessen. Verstaubt, verdreckt und in einem schlechten Zustand wurde eines der bedeutendsten Kirchenschätze des unteren Niederrheins 1949 eher zufällig gefunden: eine spätgotische Altartafel mit der Darstellung der Kreuzigung Christi. Vermutlich wurde das Bild von Maria von Burgund im Jahre 1448 gestiftet und zeigt eine der ganz wenigen Abbildungen des ersten Klever Herzogs Adolf II.

Ein besonderes Kunstwerk

Dieses feurig-rote Tafelbild in der Kranenburger Wallfahrtskirche St. Peter und Paul ist ein besonderes Kunstwerk: Es ist nicht nur eines der ältesten Kirchenbilder des unteren Niederrheins, sondern auch in seiner Qualität „absolut bedeutend“, schwärmt Reinhard Karrenbrock vom Bistum Münster.

Der Kunstexperte hat sich intensiv mit dem spätgotischen Werk beschäftigt, das den leidenden Christus mit den trauernden Heiligen Antonius Abbas und Katharina von Alexandrien sowie die Leidenden Maria und Johannes zeigt. Am Fuß des gekreuzigten Jesus sind der Klever Herzog Adolf II. und seine Frau Maria von Burgund zu sehen. „Die Kreuzigungsdarstellung der Kirche St. Peter und Paul in Kranenburg ist in vielerlei Hinsicht einzigartig“, sagt Reinhard Karrenbrock.

Viele Jahre wurde das Werk dem Nimweger Maler Johan Maelwael zugeschrieben. Maelwael, der im frühen 15. Jahrhundert lebte, wird heute im Amsterdamer Rijksmuseum als erster niederländischer Kunstmaler überhaupt gefeiert. Eine große Ausstellung zeigt die wenigen Werke, die von Maelwael noch erhalten sind. Dass er eine Verbindung zu Maria von Burgund und den Klever Hof gehabt haben dürfte, ist wahrscheinlich.

Und doch ist die Kreuzigungsszene in der Kranenburger Kirche keine Arbeit dieses frühen Kunstmalers. Reinhard Karrenbrock hat das Bild – welches 2005 während einer großen Ausstellung zu den Gebrüdern von Limburg in Nimwegen gezeigt worden ist – untersuchen und restaurieren lassen. Und die wissenschaftlichen Studien zum Holz zeigen eindeutig, dass die Bohlen, auf denen die Szene gemalt wurde, frühestens ab dem Jahre 1436 verwendet worden sein können. Johan Maelwael starb aber bereits 1419 in Dijon. Er kann das Bild also nicht gemalt haben. Aber wer war es dann?

Reinhard Karrenbrock weiß es nicht. „Es steht außer Frage, dass dieses Bild eine sehr bedeutende malerische Qualität aufweist. Besonders markant sind die nuanciert ausgeführten Gesichter der beiden Stifterfiguren, die glücklicherweise weitgehend erhalten sind. Trotzdem können wir nicht sagen, wer das Bild gemalt hat. Während des Bildersturms im 16. Jahrhundert ist in den Niederlanden sehr viel zerstört worden, wir haben auch nicht viele Vergleichsobjekte am Niederrhein“, sagt Karrenbrock.

In Erinnerung an Adolf II.

Die Kreuzigungstafel befindet sich heute ganz in der Nähe des Taufbeckens – und das aus gutem Grund. Reinhard Karrenbrock geht davon aus, dass die Kreuzigungstafel erst 1448 von Maria von Burgund als Erinnerung an ihren verstobenen Mann Adolf in Auftrag gegeben worden ist. Nahezu zeitgleich wurde auch der Taufstein errichtet, der laut Inschrift 1448, also unmittelbar vor Vollendung der Kranenburger Stiftskirche, geschaffen wurde. Auch die Schriftzüge „Oh Mutter Gottes gedenke meiner“ und „Erbarme dich meiner, gemäß deiner großen Barmherzigkeit“ deuten darauf hin, dass Maria von Burgund für die Seele ihres Mannes bittet.

Der Blick in die Kirche

Heute wird die spätgotische Kreuzigungstafel von den Kirchgängern kaum noch beachtet. Pfarrer Christoph Scholten weist in seinen Kirchenführungen gerne auf die Besonderheiten des Bildes hin. „Und wer weiß, vielleicht schaut sich der ein oder andere Kirchgänger nach der Weihnachtsmesse ja doch noch mal genauer in der Kirche um“, sagt Scholten.

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