Feierlichkeiten

Ein Festjahr für „Mariken van Nimwegen“

Marjolein Pieks organisiert in Nimwegen das "Mariken-Jahr".

Foto: Ralf Daute

Marjolein Pieks organisiert in Nimwegen das "Mariken-Jahr". Foto: Ralf Daute

Nimwegen.   Den Autor kennt keiner, die Hauptfigur erst recht nicht – und doch feiert Nimwegen seine „Mariken“, die vor 500 Jahren erstmals erwähnt wurde.

Ein ganzes Jahr lang feiert Nimwegen eine Frau, die es nie gegeben hat. Wenn man allerdings in einem Café am Großen Markt in Sichtweite der Skulptur, die diese Frau darstellen soll, mit Marjolein Pieks über „Mariken van Nimwegen“ spricht, entsteht der Eindruck, es handele sich um einen modernen Menschen – der allerdings sieben Jahre mit dem Teufel zusammenlebte, zumindest dem Buch zufolge, das ihre Geschichte erzählt.

„Warum sagt man Ja zum Teufel“, fragt Marjolein Pieks. Um dann gleich die Antwort zu liefern: „Jeder von uns macht das doch irgendwann. Jeder Mensch kennt schwache Momente, und das ist auch in Ordnung. Das Entscheidende ist, dass einem vergeben wird.“

Um diese Aussage in ihrer ganzen Bedeutung zu erfassen, muss man allerdings etwas tiefer eintauchen in die Geschichte der Legende. In Buchform ist sie erstmals Anfangs des 16. Jahrhunderts erschienen und zwar in Antwerpen. Mit Nimwegen hat sie eigentlich nur zu tun, dass die Hauptfigur den Namen der Stadt trägt und die Geschichte dort angesiedelt ist.

Die Kurzfassung: Mariken wird einer Affäre mit einem Priester verdächtigt und ist über diese Kränkung so aufgebracht, dass sie um Hilfe bittet, wobei es ihr gleichgültig ist, ob dieser Beistand göttlicher oder teuflischer Natur ist. Wenig überraschend meldet sich der Teufel (genannt Moenen) und verführt sie mit allerlei Versprechungen, woraufhin die beiden sieben Jahre „sündig“ in Antwerpen leben.

Alles wird gut

Als das Paar nach Nimwegen zurückkehrt, überkommt Mariken die Reue und sie bittet um Vergebung. Doch sämtliche Geistliche bis hinauf zum Papst verweigern diese. Der Papst lässt ihr zur Strafe drei eiserne Ringe um den Hals legen, die erst herabfallen sollen, wenn ihre Sünden vergeben sind. Dafür sorgt nach 23 Jahren, die Mariken gesittet in einem Kloster in Maastricht verbringt, der Erzengel Gabriel. Alles wird gut.

Erstmals kam Marjolein Pieks im Jahr 2009 beim „Brüder-von-Limburg-Festival“, dem traditionsreichen Mittelalter-Spektakel der Stadt, mit dieser Geschichte in Berührung. Damals spielte sie in einem blauen Kostüm die tragische Heldin und sang ein Lied. „Danach ist mir das blaue Kostüm immer treu geblieben“, sagt Pieks. Wenn immer irgendwo Mariken auftreten musste, wurde fortan Marjolein gefragt.

Als die Nimweger Stadtverwaltung auf die Idee kam, den 500. Jahrestag der Erstausgabe des Mariken-Buches in der Stadt zu feiern, fragten die Beamten bei Marjolein Pieks nach, ob sie sich vorstellen könne, ein solches Spektakel zu organisieren. Sie konnte. Gemeinsam mit ihren drei Mitstreiterinnen Marieluise, Monika und Marianna stellten sie in ehrenamtlicher Arbeit ein beachtliches Programm auf die Beine.

Ausstellungen und Konzerte

Spuren des Festjahres finden sich in der ganzen Stadt, beispielsweise in Form von Zitaten aus dem Buch, die an den Wänden von öffentlichen Gebäuden prangen. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Veranstaltungen, die in einer Festwoche vom 27. Mai bis zum 3. Juni kulminieren – mit Ausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen, eine Filmvorführung und Workshops. Nicht zuletzt: Zwei Einkaufsstraßen wurden nach der Sage benannt - die Mariken- und die Moenen-Straat.

Für Marjolein Pieks ist die Beschäftigung mit Mariken über Jahre zu einer Mission geworden. „Ich sehe es als meine Aufgabe“, sagt sie, „ihren Ruf zu rehabilitieren.“ Denn anders, als es auf den ersten Blick erscheine, sei Mariken mitnichten „die Hure des Teufels“, die sich für einen schnellen Vorteil dem Bösen hingibt. Die Heldin aus der Legende sei eine starke Frau, die ihren Träumen gefolgt sei und die dafür den Teufel benutzt habe – und nicht umgekehrt.

So gesehen, davon ist Marjolein Pieks überzeugt, handele es sich bei der mittelalterlichen Erzählung um eine universelle Geschichte, die auch in der modernen Zeit noch ihre Bedeutung habe. Marjolein Pieks: „Mariken ist in uns allen.“

>> BUNTES PROGRAMM

Das Mysterienspiel „Marieken van Nieumeghen“ erschien erstmals gedruckt 1515 in Antwerpen. Es gibt verschiedene Schreibweisen des Namens, heute wird meist „Mariken“ verwendet. Der Originaltitel lautet „Die waerachtige ende seer wonderlycke historie van Marieken van Nieumeghen die meer dan seven jaren met den Duvel woonde ende verkeerde“ (etwa: „Die wahrhaftige und wunderliche Geschichte des Marichens aus Nimwegen, die über sieben Jahre beim Teufel lebte und mit ihm Umgang pflegte“). Zum Jubiläum wird auch ein neues Mariken gesucht – Darstellerin Marjolein Pieks möchte die Rolle nach einem knappen Jahrzehnt abgeben. Außerdem wünscht sich die Organisatorin, dass das Stück in diesem Jahr auch einmal auf Deutsch aufgeführt wird, mit Darstellern aus Kleve. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden sich auf der Seite www.wijzijnmariken.nl.

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