Geschichte

Ein Flame am Fuß der Burg

Fritz Getlinger fotografierte den Künstler 1950.

Fritz Getlinger fotografierte den Künstler 1950.

Foto: privat

Kleve.   Das Werk des Bildhauers und Malers Achilles Moortgat prägte viele Jahre die Kunst in Kleve.

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Was einmal gelungen ist darf gerne wiederholt werden. Das dachte sich auch der Bildhauer und Maler Achilles Moortgat, der mehr als dreißig Jahre in Kleve lebte, und bediente sich für seine Skulpturen bei sich selbst.

Der in Kleve geborene Bildhauer Gerd Brüx lockte den am 15. Juni 1881 im belgischen Sint-Gillis-bij-Dendermonde geborenen Achilles Moortgat nach Kleve. Brüx besaß hier ein eigenes Atelier, in dem er mit Hubert Daniels die zunehmende Nachfrage nach moderner ausgerichteter Kunst bediente. In der Akademie der schönen Künste in Antwerpen hatten sich Brüx und der dreißigjährige Moortgat 1911 kennen gelernt. Der Belgier war bereits 1909 für seine Skulptur „Orpheus“ mit dem „Prix-de-Rome“ ausgezeichnet worden. Das Atelier Brüx leitete Hubert Daniels, Achilles Moortgat entwarf und formte die Modelle. Moortgat wohnte zunächst am Schlossberg, wo er Besuch von Dr. Augustin Wibbelt bekam, der als Pfarrer in Mehr lebte. Dieser drängte den jungen Bildhauer zur Selbstständigkeit. Moortgat richtete circa 1914 ein Atelier an der Gruftstraße ein, wohnte auch dort und entging damit der Internierung, die ihm als Ausländer während des Ersten Weltkrieges drohte.

Im Atelier an der Gruftstraße vereinbarte Achilles Moortgat mit seinem Bildhauerkollegen Hubert Daniels eine Arbeitsteilung: Moortgat verhielt sich wie ein Netzwerker, der nach außen Kontakte pflegte, Daniels war der ausführende Bildhauer. Moortgat erfreute sich inzwischen in seiner zweiten Heimat einer großen Beliebtheit. Sein Werk basierte hauptsächlich auf der impressionistischen Strömung der flämischen „Schule von Dendermonde“, der er sich bei malerisch festgehaltenen Rheinausblicken und die Sicht auf die Stadt Kleve fleißig bediente. Das Moortgat’sche Atelier expandierte, Aufträge für Grabmäler auf den Friedhöfen in Kranenburg, Kleve und Mehr und, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, für Kriegerdenkmäler in Wyler, Frasselt, Hülm und Kranenburg sicherten das künstlerische und wirtschaftliche Überleben.

„Die Zahl der Modelle, die Moortgat entwickelt hat, war nicht besonders groß. Eine einmal gelungene Form wurde von ihm oft und oft wiederholt,“ schreibt Guido de Werd in „Achilles Moortgat – Ein flämischer Bildhauer und Maler am Niederrhein“ (1981). In der schlanken, elegant wirkenden und lang gezogen ausgeführten „Rosa Mystica“ (Maria mit dem Kind) ist erkennbar, wie Moortgat eine einmal erfolgreich präsentierte Form wieder und wieder benutzte. Das Grabmal der Familie Pauli in Kranenburg, eine Sandsteinarbeit für Haus Freudenberg sowie in privaten Händen befindliche Exponate aus Lindenholz und Porzellan bereichern die Werkliste Moortgats. Pfarrer Wibbelt war von der „Lieblichkeit und Anmut, Zartheit und Reinheit“ dieser von ihm als „stille Madonna“ benannten Figur begeistert.

Stilistische Überschneidungen zwischen Werken aus dem Atelier Brüx und dem Atelier Moortgat waren unvermeidbar, wenn man bedenkt, dass sowohl Daniels als auch Moortgat bei Brüx angestellt waren. Ähnlichkeiten bestehen etwa zwischen den Jesusfiguren am Eingang des Neuen Friedhofs in Kleve von Gerd Brüx und am Grabmal der Schütte-Kinder von Moortgat. Seine Weg- und Zeitgenossen wie Augustin Wibbelt oder den flämischen Dichter Felix Timmermans porträtierte Achilles Moortgat ganz im Stile seiner in der Akademie erfahrenen Ausbildung. Auf Leinwand verewigte er als Maler die „Höfe an der Wetering vor Kleve“ oder den Blick in die Grenzallee mit ihrem tunnelartig gewachsenen Baumbestand.

Im Jahr 1936 zählte Achilles Moortgat zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergilde „Profil“ und nahm an deren Jahresausstellungen teil. Ein Jahr später beendete ein Streit um den Preis einer Kopie der „Pallas Athene“ die langjährige Freund- und Partnerschaft mit Hubert Daniels. Als das Naziregime die Macht an sich nahm, passte Achilles Moortgat sich an – und trat der Reichskulturkammer bei. Während des Zweiten Weltkrieges lebte Moortgat mit Ehefrau Louise und Tochter Mia weiterhin in Kleve. Beim Luftangriff auf Kleve am 7. Oktober 1944 legten britische Bomben auch Haus und Atelier Moortgats an der Gruftstraße in Trümmern. Die Familie kam nach Grieth und lebte 1945 eine Zeit lang im Lager Bedburg-Hau. Sein zerstörtes Haus zurücklassend, kehrte er nach Flandern zurück, wo er als Künstler die Landschaft von Baasrode in Gemälden verankerte. Dort verstarb Achilles Moortgat am 9. Dezember 1957 und wurde vier Tage später auf dem Friedhof St. Gillis beigesetzt.

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