Mensch am Mittwoch

Ein Gocher Gesicht für die Kampagne #IchDuWirNRW

Mona Neutzer aus Goch hat viel zu erzählen.

Mona Neutzer aus Goch hat viel zu erzählen.

Foto: Anke Gellert-Helpenstein

Goch.  Landesregierung wirbt auch mit der Gocherin Mona Neutzer aktuell für Integration und Zusammenarbeit. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

Es ist nicht ganz einfach einen Menschen mit nur einem Satz zu beschreiben. Monika Riße, Koordinatorin für Flüchtlingshilfe/Integration der Stadt Goch, gelingt dies aber bei der Frage „Wer ist Mona Neutzer?“ ganz gut. „Eine ruhige, stille Frau, die ganz viele Sachen macht, die man nicht sieht.“

Sicherlich ein Grund, warum sie Tik Yiu Mona Neutzer – so ihr voller Name – als ein Gesicht für die NRW-Kampagne #IchDuWirNRW vorgeschlagen hat. Damit wird von der Landesregierung aktuell für Integration und Zusammenarbeit geworben. Mona Neutzer und einige weitere Menschen mit Migrationshintergrund erzählen dort ihre Geschichten. „In Deutschland gibt es gelebte Demokratie“, sagt Neutzer, die in einem Video-Clip als „Mona, Hausfrau in NRW“, vorgestellt wird und im Intro sagt: „Hier ist meine Geschichte“.

Ein aufregendes Leben einer unaufgeregten Frau

Aber die kann sie nicht wirklich in 38 Sekunden erzählen. Dafür hier in der NRZ. Denn es ist ein aufregendes Leben einer unaufgeregten Frau, das Mona Neutzer führt. Geboren 1964 in Hongkong, machte sie dort 1982 ihren Highschool-Abschluss und widmete sich dann bis 1989 ihrer Ausbildung zur Tänzerin – in England, in der britischen Kronkolonie Hongkong im englischen Ausbildungssystem und zuletzt an der Julliard School in New York. In der US-Ostküstenmetropole tanzte sie das letzte Jahr auch am Off Broadway, bevor sie sich bis 1994 um Studium und Abschluss im Bereich Internationaler Handel, Schwerpunkt Mode, ebenfalls am Fashion Institute of Technology in New York kümmerte.

Das Leben änderte sich grundlegend mit der Familiengründung

Wieder ein Beruf, der sie viel von der Welt sehen ließ. Mitte der 90er Jahre lernte sie ihren Mann, den Berufsoffizier Falk Neutzer kennen, heiratete ihn 1995 und zog mit ihm nach Deutschland. „Dann änderte sich mein Leben von Grund auf“, erinnert sich die Weitgereiste. „Ich wurde Mutter von drei Töchtern und war fortan Hausfrau.“ Umsorgend, auch als Ehefrau und Mutter. Sie erinnert sich gerne: „Ich war ein typisches Großstadtmädchen, liebte das bunte Leben und Shoppingtouren.“ Shoppen gehört immer noch zu ihren Leidenschaften, auch wenn die Zeit dafür knapp ist.

„Dann kam das andere Leben mit Gründung der Familie. Das war nicht leicht“, gibt sie zu. Aber: „Ich war immer eher sehr still und ruhig. Meine Stärke ist, dass ich das Leben in seinen vielen Facetten verstehe.“ Deswegen meisterte sie auch ihr „neues Leben“ als dreifache Mutter und Ehefrau eines Berufsoffiziers perfekt.

Dem Tanzen blieb Neutzer auch noch als dreifache Mutter treu

Aber dem Tanzen blieb sie auch nach der Geburt der Zwillinge Ende der 90er Jahre treu. Als Dance-Aerobic-Trainerin in Neubrandenburg und später als Betreuerin von Messeständen, als sie in Troisdorf lebte. Der Beruf ihres Mannes erforderte das etwas unstete Leben. Das änderte sich mit dem Umzug 2007 nach Goch. Die Weberstadt wurde ihr Zuhause. Ihre drei Mädchen sind mittlerweile aus dem Haus und im Berufsleben, im Studium und in der Ausbildung „die Besten“. Mona Neutzer ist sichtlich stolz auf ihre erwachsenen Kinder und dass sie „Deutschland, dem Land, in dem sie leben, also der Gesellschaft, so viel geben können.“ Beruflich und ehrenamtlich.

Das haben sie von ihren Eltern mit in die Wiege gelegt bekommen. Denn Mona Neutzer ist seit 2010 in vielen Bereichen ehrenamtlich sehr engagiert. Beginnend mit der Flüchtlings- und Zuwandererberatung für Analphabeten und Sprachanfänger für die Caritas, über die Durchführung von Fahrradkursen für Frauen mit Migrationshintergrund, ein Projekt mit der Verkehrswacht Kreis Kleve.

Mona Neutzer und ihre ganze Familie ist im DLRG aktiv

Außerdem ist Mona Neutzer im DLRG aktiv – als Fotografin und in der Rund-Gruppe, die realistische Unfalldarstellungen für Übungen beherrscht. Ehemann Falk ist daran wohl nicht ganz unschuldig, schließlich ist er selbst gleich in zwei Ehrenämter stark eingebunden: als Vorsitzender der DLRG in Goch und Geschäftsführer der Verkehrswacht Kreis Kleve.

Es verwundert also nicht, dass auch die drei Töchter alle ausgebildete Rettungsschwimmerinnen sind. Mona nicht. „Ich müsste sogar das Seepferdchen noch machen“, sagt sie lachend. Zu tun hat sie auch ohne „baden zu gehen“ genug. „Aber Stress ist das ganze Engagement nicht“, betont die Gocherin mit asiatischen Wurzeln, die vor allen Dingen auch für den Bereich der Integration von Frauen mit Migrationshintergrund ein echter Glücksgriff und Gewinn ist.

Wichtig: Hinschauen, verstehen und sich für vieles interessieren

Denn sie hat frühzeitig gelernt, verständnisvoll mit anderen Menschen umzugehen, Ruhe zu bewahren, gut zuzuhören. „Aber auch wenn ich eher introvertiert bin, so war ich immer gerne mit vielen verschiedenen fröhlichen Menschen zusammen, habe als Großstadtmädchen ebenso viele Situationen kennen gelernt und immer gut hingeschaut.“

Auch wenn Lesen nicht so ihr Ding ist, so gehören die täglichen Nachrichten zu ihrem Pflichtprogramm – und das Lesen entsprechender Kommentare zu den einzelnen Berichten. „Ich bin politisch sehr interessiert“, sagt sie.

So erklärt sich vielleicht auch ihre Teilnahme am Projekt #IchDuWirNRW. Neutzer: „Über das Thema Einbürgerungen wird zu wenig Positives berichtet. Es ist mir ein großes Anliegen auch mal die guten Seiten der Einbürgerungen darzustellen.“ Das ist ihr mit ihrem Leben sicherlich bereits gelungen.

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