Kultur

Eine Ode an den Niederrhein

Lambert Doomer: Kalkar vom Monterberg aus gesehen. Doomer hat dieses Bild 1663 gemalt.

Lambert Doomer: Kalkar vom Monterberg aus gesehen. Doomer hat dieses Bild 1663 gemalt.

Foto: NRZ

Kreis Kleve.   Christiaan Pieter van Eeghen und Pieter van der Kuil haben ein Buch mit zum Teil noch unbekannten Landschaftszeichnungen aus dem 17. Jahrhundert herausgegeben

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Immer wieder die Schwanenburg. Für die Maler und Zeichner des 17. Jahrhunderts war die Silhouette der Stadt Kleve eine wunderbare Vorlage. Die Burg, die Stiftskirche, die Gärten von Johann Moritz Fürst von Nassau-Siegen: Kleve war zur Mitte des 17. Jahrhunderts eine Stadt in voller Blüte und zahlreiche niederländische Maler kamen an den Niederrhein, um die einmalige hügelige Landschaft zwischen Kalkar und Rhenen zu zeichnen.

„Klein Italien“

„Das schöne an Kleve ist, dass man die Stadt von allen Himmelsrichtungen zeichnen kann. Die Burg und die Kirche ist von ganz unterschiedlichen Standpunkten aus zu betrachten und zu malen“, erzählt Pieter van der Kuil, der gemeinsam mit dem bereits verstorbenen Christiaan Pieter van Eeghen einen wunderschönen Bildband mit Landschaftszeichnungen aus dem 17. Jahrhundert veröffentlicht hat. Gerade von Kleve gibt es viele Stadtansichten aus der Ferne. Und der zauberhafte Anblick vom Klever Ring ist bis heute die Schokoladenseite der Stadt geblieben.

Die hügelige Landschaft zwischen Kalkar und Rhenen war für die niederländischen Künstler des 17. Jahrhunderts eine Herausforderung – eine für die niederrheinische Tiefebene ganz untypische Landschaft und damit eine willkommene Abwechslung von Windmühlen, Porträts, Stadtansichten und Erntefeldern. „Früher nannte man diese Region ´Klein Italien´“, erzählt van der Kuil. Der Lehrer aus Oosterbeek bei Arnheim hat sich viele Jahre mit den Bildern aus dem 17. Jahrhundert beschäftigt. „Ende des 16. und im 17. Jahrhundert erlebten wir eine Art Renaissance. Die Hügel unserer Umgebung wurden idealistisch dargestellt. Es gibt unglaublich viele Bilder aus dieser Zeit, die diese abwechslungsreiche Fluss- und Hügellandschaft zeigen“, sagt van der Kuil.

Interessant sei es zu sehen, wie verschiedene Künstler aus fast gleichen Blickwinkeln gemalt haben. „Man kann dann sehr schön vergleichen.“ Von der Klever Schwanenburg gibt es zig Zeichnungen, die vom Galgenberg oder von den Aussichtspunkten Bellevue oder Kiek in de Pot gemalt worden sind. „Wir mussten uns entscheiden und konnten nur die wichtigsten und schönsten Bilder aufnehmen“, erzählt van der Kuil. Und so findet man darin viele Zeichnungen aus Kleve, Kalkar, Rhenen, Wageningen, Nimwegen, Arnheim und dem Montferland. Man sieht das Urlaubsparadies für reiche Kaufleute aus Holland.

Die Idee zu einem Buch über die Hügellandschaften des Niederrheins stammte von Christiaan Pieter van Eeghen, ein Banker aus Den Haag, der selbst eine große Kunstsammlung besaß und über ein breites Wissen verfügte: „Er unterhielt einen sehr großen Freundeskreis und hatte damit auch Zugang zu vielen privaten Sammlungen“, erzählt van er Kuil. Und so findet man in dem Buch „Brede rivieren langs hoge hellingen“ auch mehrere Zeichnungen, die noch nie veröffentlicht worden sind und aus der stattlichen Privatsammlung van Eeghens stammen. „Uns war es wichtig, ausschließlich Darstellungen aus dem 17. Jahrhundert auszuwählen“, sagt van der Kuil. Werke von Abraham Rademaker (1677 – 1735) oder Jan de Beijer (1703 – 1780) fehlen in dem Buch, auch wenn man ihre Zeichnungen schnell vor Augen hat, wenn man über frühe Landschaftsbilder des Niederrheins spricht. Dafür gibt es wunderbare Arbeiten von Joris van der Haagen (1615 – 1669), Anthonie Waterloo (1609 – 1690) oder Lambert Doomer (1624 – 1700) zu sehen.

Studienreisen im Sommer

„Ich bin vernarrt in Lambert Doomer“, schwärmt Pieter van der Kuil. Seine Zeichnungen seien so typisch, so einmalig. „Man sieht sofort: Ah, das ist von Doomer. Seine Bilder sind einfach und doch sehr detailliert. Er arbeitete quasi wie ein Fotograf, er machte sich Gedanken über den Bildaufbau. Nichts ist zufällig. Doomer ist wirklich mein Favorit.“

Im 17. Jahrhundert kamen die Künstler meistens aus der reichen Provinz Holland an den Niederrhein. Als Studienreisende griffen sie im Sommer zu Stift und Papier, um die schönen Aussichten rund um Nimwegen, Berg en Dal und Oosterbeek festzuhalten. Auch Rembrandt van Rijn machte sich einst in den Osten des Landes auf. Obwohl der Amsterdamer Künstler nie gerne lange Reisen unternommen hat, hat er sich doch um 1650 auf seinem Weg nach Bredevoort, wo seine Frau Hendrickje Stoffels herkam, mit den Stadttoren von Rhenen beschäftigt. Zwei Zeichnungen sind im dem Buch zu sehen. Dass gerade in den Sommermonaten die Künstler aus Amsterdam kamen, hatte durchaus seinen Grund: „Im Sommer war der Gestank in der Stadt nicht auszuhalten. Da wollten viele raus aufs Land, die Wälder genießen und die Ruhe“, erzählt van der Kuil.

Noch heute empfinden wir die Landschaftsbilder als schön. Pieter van der Kuil hat für die Veröffentlichung des Buches jeden einzelnen Standort der Maler aufgesucht. „Ich kann schon gut verstehen, dass sich die Künstler damals so stark mit Kleve beschäftigt haben. Noch heute kann man wunderbar um die Stadt herumlaufen und sich vorstellen, wie das Bild von damals gewirkt haben muss.“

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