Sternsinger

Eine Reise durch die Nachbarschaft

Sternsinger sind auch in Kleve unterwegs.

Foto: Andreas Daams

Sternsinger sind auch in Kleve unterwegs. Foto: Andreas Daams

Kleve.   Ende der ersten Januarwoche rücken die Sternsinger wieder aus. In der Klever Oberstadt sind ungefähr 60 Kinder unterwegs

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Als Sternsinger kann man was erleben. Valerie und Ursina, beide neun Jahre alt, sind schon ein paar Jahre dabei, sie haben schon einen großen Erfahrungsschatz in Sachen Sternsingen. Sie berichten von den entzückten älteren Leuten, die sich über die Sternsinger freuen und die Süßigkeiten schon bereitgelegt haben. „Wir freuen uns auf die Sternsinger“, hatte ein Klever Haushalt mal draußen auf die Tür geklebt.

Es gibt auch das Gegenteil. Ein Schild mit durchgestrichenen Sternsingern. Leute, die die Tür zuknallen oder schimpfen. Menschen, die keine Ahnung haben, was die Kinder da eigentlich machen. Ein Mann, der sagt, er sei selber so arm, er könne nichts geben. Das Sternsingen ist eine Reise durch die näheren und entlegeneren Nachbarschaften. Hinter jeder Tür leben Menschen mit ihren eigenen Geschichten.

Wegen der eigenen Kinder hat auch sie mitgemacht

Katja Wilking-Mölders organsiert das Sternsingen in Kleve seit 18 Jahren, damals noch in der Christus-König-Pfarre. „Meine eigenen Kinder waren Sternsinger, deshalb habe ich damals mitgemacht.“ Längst ist sie Seele und Motor der Aktion.

Sie fängt schon im Oktober an zu planen, geht in Grundschulen, in weiterführende Schulen und ins Jugendzentrum Kalle, spricht Kinder an. „Die Kinder können auswählen, in welcher Gruppe sie losziehen“, erklärt Katja Wilking-Mölders. „So werben sie sich untereinander.“ Anfang Dezember gibt es einen Termin zum Kronenbasteln – dann lässt sich sagen, wer es ernst meint. In diesem Jahr werden es hier wieder um die 60 Kinder sein. Woanders sind die Zahlen deutlich geringer.

Eine Menge Leute wirken mit, damit die Sternsinger am Freitag und Samstag in der Mittagspause auch etwas Gutes zu essen bekommen. Das Maternus-Haus bringt Spaghetti Bolognese. Lucia Weikamp besorgt im Vorfeld den Einkauf. Manche Lebensmittel kommen von der Tafel. Eltern helfen mit und die Leute vom Kalle-Jugendzentrum, der Sternsinger-Basis in der Oberstadt. Bezirke planen und in Stadtpläne eintragen, Gruppen festlegen – „das ist meine Ferienarbeit“, schmunzelt Wilking-Mölders.

Vom Gehen und Singen hungrig geworden

Die Belohnung: ein ganzer Saal voller Kinder in farbenprächtigen Kostümen, die vom vielen Gehen und Singen hungrig geworden sind, ordentlich zulangen und lautstark erzählen, was sie so alles erlebt haben. Am Sonntag können sie sich dann ausruhen, denn am Montag beginnt ja wieder die Schule.

Und Erholung haben sie bitter nötig – zwei Tage stundenlang durch Nässe und Kälte ziehen, das zehrt an den Kräften. „Letztes Jahr hat sich am Ende jeder abwechselnd in der Bollerwagen gesetzt, und die anderen haben gezogen“, berichtet Ursina. Da müssen dann auch mal die starken Betreuer ran, ältere Jugendliche, die die Kleinen beaufsichtigen.

Abwechselnd hat sich jeder in der Bollerwagen gesetzt

Am Ende kippen die Sternsinger dann die Geldbüchsen aus. 4500 Euro haben sie letztes Jahr eingenommen. Geld, das in großartige Hilfsprojekte fließt. Dann sind da noch die Süßigkeiten. Auch die kippen die Gruppen auf den Boden und teilen sie dann untereinander auf. Manches davon geht auch an die Klosterpforte.

Valerie und Ursina jedenfalls freuen sich schon aufs diesjährige Sternsingen. Weil es Spaß macht, sagen sie. „Letztes Jahr mussten wir einmal wegen irgendwas so sehr lachen, dass wir einige Zeit nicht mehr weitergehen konnten“, erinnert sich Valerie. Vielleicht haben die drei Könige aus dem Morgenland ja etwas Ähnliches erlebt, damals, als sie zum neugeborenen Jesus nach Bethlehem reisten. Ihre kleinen Nachfolger jedenfalls klingeln munter an allen Türen. Und davon werden sie auch die größten Griesgrame und nervigsten Nörgler nicht abhalten.

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