Denkmal

Eine Sehenswürdigkeit mit geschnitztem Comic

Das Langenberghaus Goch, Roggenstraße 43a, begeistert mit aufwändigem Fachwerk. Der Bildhauer Ferdinand Langenberg erzählt im Fries ein Märchen.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Das Langenberghaus Goch, Roggenstraße 43a, begeistert mit aufwändigem Fachwerk. Der Bildhauer Ferdinand Langenberg erzählt im Fries ein Märchen. Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Goch.   Ein Denkmal ist zurück. Das Langenberghaus an der Roggenstraße in Goch ist saniert. Ausgeprägtes Fachwerk lässt auch Experten staunen.

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Früher hatte man Zeit. Da wurde ein Gebäude erst mal ein Jahr lang „trocken gewohnt“, bevor man die Fassade weiter bearbeitete. Den Luxus gönnten sich ausnahmsweise die Stadt Goch und die Fach-Tischlerei van Aaken aus Kevelaer, als sie das schmucke Langenberghaus an der Roggenstraße bearbeiteten. Jetzt strahlt es in einer Schönheit, die einmalig unter den Fachwerkhäusern ist und lange, lange hält.

Was der Baumarkt so hergibt, Autospachtel, Gips

Die heutige Sehenswürdigkeit von Goch hatte der Bildhauer Ferdinand Langenberg um 1880 geschaffen. Die Fassade gestaltete er mit einem aufgesetzten Figurenfries aus 40 Millimeter dicken Holzplanken und schnitzte eine ganze Geschichte hinein: „Der seltsame Spazierritt“ (siehe am Textende) und den dazu passenden Spruch

Das Haus wechselte mehrfach die Besitzer, „mehrere Generationen verschlimmbesserten“ das Äußere. Die Fassade trug, „was der Baumarkt so hergibt, Autospachtel, Gips,“ zählt Gero Guntlisbergen auf, Teamleiter Projektsteuerung und Bauen der Stadt Goch. Dicker Latex-Anstrich ließ das Gemäuer nicht atmen. Ein Eigentümer hatte auch zum Teil die Köpfchen aus PU-Schaum nachgeformt und schwarz gestrichen. Nett gedacht, aber das sog Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm und zog sie erst richtig hinter die Hölzer.

Das Fachwerk war insgesamt von Pilz befallen, auch Würmer hatten sich eingefressen. Die Stadt Goch hatte das Haus an der Roggenstraße in den 80er Jahren übernommen. Nun wurde Ende 2014 die gesamte Fassade demontiert.

„Ich habe jede Einzelheit kartiert“, und in 1000 Fotos dokumentiert, zeigt Tischler Heinz van Aaken, der den spannenden Auftrag zu Sanierung nach der Ausschreibung erhielt. Mit dessen Arbeit ist Guntlisbergen mehr als zufrieden. Alles wurde mit Unterer und Oberer Denkmalbehörde abgestimmt.

Die Schäden waren schlimmer als vermutet. Die Stadt trug dem mit einem Nachtrag im Wirtschaftsplan 2016 Rechnung. Der große Aufwand kostete dennoch nur 106 000 Euro.

Die Fassade wurde geöffnet, „sie stand im Wetter“, so Guntlisbergen, deshalb schützte man sie mit Holzplatten, an denen Wasser abperlte. Eine fünf Zentimeter dicke Lage Trass-Zementputz wurde aufgetragen.

Schäden schlimmer als vermutet

Der Hersteller des Mörtels empfahl, das so lange wie möglich offen zu lassen. Die Stadt hielt das die Frostperiode 2016/17 durch. „Okay, wir hatten keinen Zeitdruck. Das sah zwar nicht schön aus, aber es konnte genutzt werden“, sagt Gero Guntlisbergen. Im Frühjahr brachte die Firma Buchwald den weiteren Putz auf, im Mai und Juni wurde das Holzgewerk montiert und gestrichen, der Sockel saniert. Jetzt ist es fertig.

„Ein Unikat,“ lobt Heinz van Aaken, mit „aufwändiger Ornamentik“, die er so weit möglich erhielt und respektvoll ergänzte – drei Köpfe wurden erneuert, Einzelheiten der Figuren nachgearbeitet.

Seit 42 Jahren ist van Aaken „in der Denkmalpflege unterwegs. Aber so ausgeprägtes Fachwerk habe ich noch nicht gesehen“, das eine ganze Geschichte an der Giebelwand erzählt, zollt der Fachmann Anerkennung.

Drinnen ist das Langenberghaus an der Roggenstraße 43a, Sitz der Kunststiftung Goch. Dr. Stephan Mann, Fachbereitsleiter Bildung und Kultur Goch, erklärt: Georgische und armenische Stipendiaten können dort für zwei Monate wohnen und „dem Museum und der Region Gutes tun“.

Das Märchen, das der Fries erzählt, stammt von Johann Peter Hebel. Der hölzerne Comic zeigt: Ein Mann reitet auf seinem Esel, der Sohn geht nebenher. Wanderer sprechen sie an: Der eine meint, der Alte sei stärker und solle laufen, ein anderer meint, beide sollten reiten, ein dritter hat Mitleid mit dem Tier, schließlich tragen Vater und Sohn den Esel nach Hause. Der Spruch darüber lautet: „Allen Menschen Recht gethan ist eine Kunst die niemand kann“.

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