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Einst prägten große Fabriken das Stadtbild Kleves

Ein Blick in die Produktion der Margarine-Union.

Ein Blick in die Produktion der Margarine-Union.

Foto: Archiv

Kleve.   Die großen Fabriken in Kleve sind längst Geschichte. Krankenhaus und Caritas sind heute die größten Arbeitgeber – und die Hochschule.

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Der Unilever-Konzern meldete den Verkauf eines Geschäftsteils, der in Management-Kreisen als „Spreads“ bezeichnet wird: Streichfette. Er ging, wie berichtet, für 6,825 Milliarden Euro an den amerikanischen Finanzinvestor KKR. Diese Nachricht aus dem „Big Business“ markiert auch für Kleve das Ende einer Geschichte. Bei den „Spreads“ handelt es sich um Streichfette, zu denen auch die Marke „Rama“ zählt.

Zwar wird in Kleve – zumindest bis auf weiteres – das von Rama abgeleitete Kochprodukt „Rama Cremefine“ produziert, 80 Mitarbeiter sind auf dem Werksgelände in Kellen damit beschäftigt. Doch die Geschichte der Stadt Kleve ist rund ein Jahrhundert verbunden mit der Margarineproduktion – und damit über lange Jahre auch mit dem Unilever-Konzern, der aus zwei Unternehmensfusionen entstanden ist. Zunächst vereinten die niederländischen Unternehmer Simon van den Bergh und Anton Jurgens 1927 ihre Fabriken zur Margarine-Union, und dieses Unternehmen schloss sich zwei Jahre später mit dem Seifenhersteller Lever Brothers zum Unilever-Konzern zusammen.

Wenn dieser Konzern nun seine Wurzeln in Kleve kappt, kann dies auch als das Schlusskapitel eines Strukturwandels gesehen werden, der das Gesicht der Stadt komplett verändert hat. Die Industrie, die einen unstillbaren Hunger nach einfachen Arbeitern hatte, ist komplett verschwunden.

Oben in der Stadt gibt es keine Schuhfabriken mehr, an die Glanzzeiten der Firma Hoffmann erinnern nur noch der Schlot mit der Pausensirene, die keine Funktion mehr hat, sowie das im ehemaligen Lager untergebrachte Schuhmuseum. In weiten Teilen des ehemaligen Verwaltungsgebäudes bietet nun eine Zahnarztpraxis ihre Dienstleistungen an.

Produktionshalle steht leer

Unten in der Stadt entwickelt sich das weiträumige Gelände der ehemaligen Margarinefabrik gerade zu einem neuen Stadtteil. Es wird auch dort zwar noch Rama Cremefine produziert, doch rings um entstehen Wohnhäuser und Seniorenheime. Die imposante Produktionshalle, einst eines der größten Gebäude der Stadt, in der früher rund um die Uhr Hunderte von Weißkitteln herumwuselten, steht leer. Er soll aber wieder mit Firmen und Menschen gefüllt werden – die Hallen als Imbiss-Arena à la CentrO Oberhausen oder als leerer Raum für das Klever Oktoberfest.

Schuhe weg, Margarine weg – was kam stattdessen? Womit verdienen die Klever heute ihr Geld? Die Antwort liefert das Industriegebiet, das sich vom Klever Ring in Richtung Rhein ausbreitet. Dort finden sich Bau- und Messebauunternehmen, dort haben sich Maschinenbaufirmen niedergelassen, die in dem Bereich Verpackung (Kisters, MSK) eine führende Rolle einnehmen, und dort ist auch die Firma Spectro ansässig, die einst von Paul K. Friedhof gegründet wurde, dann bei einem Finanzinvestor landete und nun seit einigen Jahren zu einem amerikanischen Technologiekonzern gehört.

Soziale Einrichtungen weit vorne

Die Neuansiedlungen aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beantworten die Frage aber nur zum Teil. Auch wenn viele Menschen dort in Lohn und Brot stehen, die größten Arbeitgeber der Stadt sind mittlerweile keine Industrieunternehmen mehr. Ganz weit vorne stehen soziale Einrichtungen wie das Klever Krankenhaus oder der Caritas-Verband, der sich der Altenpflege verschrieben hat.

Und seit einiger Zeit weist auch die Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal, Dr. Heide Naderer, auf die Bedeutung ihrer Einrichtung als Arbeitgeber für die Region hin. Rund 300 Menschen arbeiten mittlerweile für die Hochschule, davon mehr als 100 Professoren. Wer hätte das vor einem halben Jahrhundert für möglich gehalten?

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