Er ist mal kurz weg

Uedem.   Mein Name ist Matyas Amaya“, stellt sich der ungewöhnliche Pedaleur in gut verständlichem Englisch vor, um sofort sein Handeln zu erläutern: Er sei seit vier Jahren unterwegs, gestartet in einem Ort namens San Juan im westlichen Argentinien, und hoffe, nach insgesamt fünf Jahren sein Ziel, St. Petersburg in Russland, erreicht zu haben. Im Sommer 2018 will er da sein, denn dann beginnt dort die Fußball-Weltmeisterschaft.

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Mein Name ist Matyas Amaya“, stellt sich der ungewöhnliche Pedaleur in gut verständlichem Englisch vor, um sofort sein Handeln zu erläutern: Er sei seit vier Jahren unterwegs, gestartet in einem Ort namens San Juan im westlichen Argentinien, und hoffe, nach insgesamt fünf Jahren sein Ziel, St. Petersburg in Russland, erreicht zu haben. Im Sommer 2018 will er da sein, denn dann beginnt dort die Fußball-Weltmeisterschaft.

Doch wozu? Nur des Fußballs wegen? Oder verbirgt sich hinter diesem Tun eine gewisse Symbolik, eine Friedensfahrt vielleicht? Mitnichten, gibt der sympathische Globetrotter zu verstehen: „Die wirtschaftliche Situation in meiner Heimat hat mich dazu gebracht. Erst verlor ich mein Haus, dann mein Auto und schließlich blieb mir nur das Fahrrad. Was also tun?“

89 989 Kilometer auf dem Tacho

Lösung: das ganze Leben auf zwei Räder setzen und losfahren. Denn wenn die Heimat einen schon nicht mehr hält, so muss sich einem die Welt erschließen, dachte sich der junge Mann, als er sich von seinen Eltern für unbestimmte Zeit verabschiedete. Die wussten aber schon, was das hieß, denn bereits ein Jahr zuvor hatte sich Matyas schon einmal auf eine lange Reise gemacht. Das Ziel: die Ureinwohner Brasiliens. Das war im April 2012. Er sagte zu Hause, dass er für 15 oder 20 Tage weg bliebe, und es dauerte ein Jahr und sechs Monate, bis er zurückkehrte.

Und nun ist er in Europa angekommen, hat Portugal hinter sich gelassen, Frankreich, Belgien und die Niederlande durchquert und zeigt das Ergebnis auf seinem Tacho an: 89 989 Kilometer! „Ich habe bisher auf meiner Reise nur gute Erfahrungen gemacht, keine Gefahr nirgendwo.“ Im Gegenteil: Vielleicht liegt es an seinem Charme, an seiner Offenheit, dass er fast überall ein neues Zuhause findet. „Ich versuche, auf Campingplätzen oder auch in der freien Natur zu schlafen, doch meist werde ich eingeladen, ins Haus zu kommen, wo ich wunderbare Menschen kennen lerne.“ Und dann erzählt der junge Mann von seinen Erlebnissen, die er in vier Jahren sammelte und die nunmehr sein Fahrrad schmücken. Sein kleines, abgegriffenes Fotoalbum zeigt Bilder aus Brasilien, wo er auf einen der härtesten Indianerstämme des Landes traf. Dessen Mitglieder musste er 30 Tage lang überzeugen, ehe er Fotos von ihnen machen durfte.

Mit kleinen Gelegenheitsjobs, dem Verkauf von Fotos oder ein paar „Aufmerksamkeiten“ seiner Gastgeber hält sich der Abenteurer sprichwörtlich auf seinem Rad, das er schon seit seiner Kindheit besitzt und das sich seit seinem Start erheblich verändert hat. Sein größter Reichtum aber sei das Kennenlernen der verschiedenen Kulturen, wie er sagte: „Der amerikanische Kontinent ist ganz anders als der europäische. Amerika ist sehr gefährlich, aber es gibt viel Natur, in Europa viel Agrikultur, dafür ist alles perfekt organisiert!“ Und keine Angst vor Russland? „Das kann nicht gefährlicher sein als Amerika!“ Gute Fahrt!

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