Gedenken

Erinnern an den schwärzesten Tag in Kleve

Bei der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Bombennacht lasen Klever Schüler*innen Erinnerung von Zeitzeugen vor.

Bei der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Bombennacht lasen Klever Schüler*innen Erinnerung von Zeitzeugen vor.

Foto: MVO

Kleve.  200 Bürger kamen zur Gedenkveranstaltung an die Stadtzerstörung am 7. Oktober 1944. Jugendliche riefen zu Empathie mit Flüchtlingen heute auf.

Der 7. Oktober 1944 hat sich wie kein anderes Datum ins kollektive Gedächtnis der Stadt Kleve gebrannt. Damals sorgten 355 alliierte Kriegsflieger für ein infernalisches Bombardement, das die Schwanenstadt in seinen Grundfesten erschütterte und 562 Menschen das Leben kostete. Am Montagabend gedachten Bürgermeisterin Sonja Northing, Stadtarchivar Bert Thissen und knapp 200 Bürger in der Stadthalle dem Bombenangriff.

Wahrzeichen, die Bürgern ans Herz gewachsen waren, lagen in Schutt und Asche

„Das war der wohl schwärzeste Tag in der Geschichte unserer Stadt. Wahrzeichen, die Bürgern ans Herz gewachsen waren, lagen in Schutt und Asche“, sagte Northing. Ihr zu Folge müsse man Lehren ziehen aus dem Gedenken, das Europa der Gegenwart in Frieden und Freiheit wertschätzen und die Erinnerung an die Wirren des zweiten Weltkriegs an jüngere Generationen weitergeben.

Einige Jugendliche lasen auf der Bühne Zeitzeugenberichte vor. Maja Schulte, Schülerin des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, gab die Notizen eines unbekannten Soldaten wieder, der am 7. Oktober zum Heimaturlaub nach Kleve an die Borselstege kam. Gegen 13.30 Uhr tönte das „Summen der Jagdbomber“, die „umschwärmten wie Hornissen“ das Klever Stadtgebiet, beschrieb er. „Bomben! In den Keller“, rief der Soldat seinen Liebsten zu. „Auf so eine Katastrophe war die Stadt nicht vorbereitet. Die Welt schien unterzugehen“, schreibt er. Der Kellerboden sei zur „stürmenden See“ geworden, das Motorengeheul der Bomber habe einer „dunklen Hölle“ geglichen.

Die Auswirkungen sind bis heute sichtbar

Stadtarchivar Bert Thissen sprach vom Gedenken als wichtigem Element der Klever Erinnerungskultur. „Zwei Generationen haben getrauert: Eine Ewigkeit, würde man sagen. Aber die Auswirkungen sind bis heute sichtbar“, sagte Thissen. So würden noch immer Fliegerbomben auf dem Klever Stadtgebiet gefunden (vier seit 2015). Bis heute seien Nachwirkungen spürbar: Viele Häuser seien damals mit einfachem Schutt anstelle von Ziegelsteinen wiederaufgebaut worden, zahlreiche Geschäfte hätten bis heute nicht mehr die ursprüngliche Höhe erreicht.

Seine Schlussfolgerung: Am 7. Oktober 1944 sei das alte Kleve unwiederbringlich zerstört worden.

„Doch das Menschliche ist viel wichtiger als das Materielle“, sagte Thissen. Da seien vorrangig die vielen Toten zu beklagen, die der Luftangriff forderte. „Bürger, die die Bombenangriffe erlebt haben, tragen die Erinnerungen ein Leben lang in sich“, erklärte der Historiker. Künftig werde „ein Wechsel von Erinnerung zur Historie stattfinden. Dabei bleibt das Totengedenken jedoch eine humansittliche Selbstverständlichkeit.“

Wir stellen uns die Frage: Wie nehmen wir Menschen bei uns auf?

Eindringlich appellierte „Stein“-Schülerin Maja Schulte zum Abschluss zu Mitgefühl in heutiger Zeit: „Wir stellen uns die Frage: Wie nehmen wir Menschen bei uns auf? Die damaligen Ereignisse mahnen, in der Schule und im Alltag, Flüchtlingen mit mehr Empathie zu begegnen.“

Zur Gedenkfeier kamen zahlreiche Stadtverordnete, der Landtagsabgeordnete Stephan Haupt, Bürgermeister a.D. Josef Joeken und der ehemalige Stadtdirektor Manfred Palmen. Musikalisch wurde die Gedenkstunde vom Quintett Britta Hansen, Mirjam Hardenberg, Lena Höfkens, Anja Speh und Henning Schmeling begleitet.

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