Beerdigung

Kalkar: Großer Polizeieinsatz wegen ezidischer Trauerfeier

Polizei und Bundespolizei rückten am Freitag wegen einer großen Trauerfeier in Kalkar an. Aufgelöst wurde die Versammlung aber nicht.

Polizei und Bundespolizei rückten am Freitag wegen einer großen Trauerfeier in Kalkar an. Aufgelöst wurde die Versammlung aber nicht.

Foto: Hendrik Steimann / WAZ

Kleve.  In Kalkar trafen sich am Freitag mehrere Dutzend Eziden für eine Trauerfeier, viele kamen aus dem Ruhrgebiet. Polizei rückte im Großaufgebot an.

Eine Trauerfeier von Eziden sorgte in Kalkar am vergangenen Freitag für einen polizeilichen Großeinsatz. Nach NRZ-Informationen wurde am Oyweg eine Ritualwaschung einer verstorbenen Frau aus Essen in einer Lagerhalle eines ehemaligen Dachdeckerbetriebes begangen. Es seien mehrere Dutzend Personen vor Ort gewesen.

Unklar ist die genaue Anzahl. In der Alarmierung wurde die Zahl 300 genannt, die Polizei sprach am Montag von 40 Personen. Und ein angrenzender Nachbar sagte auf Nachfrage, dass „mit Sicherheit weit über 100 Personen“ an der Trauerfeier teilgenommen haben.

Trauerfeier in Kalkar: Vier Polizeiwagen vor Ort

Die Polizei sei mit vier Einsatzwagen vor Ort gewesen und auch die Bundespolizei wurde hinzugerufen. Auslöser waren Streitigkeiten mit dem Nachbarn, nachdem sich gut 40 Personen auf seinem Grundstück aufhielten: „In diesen Zeiten möchte ich das nicht. Aber ich bin sofort übelst beleidigt worden“, schildert er unserer Redaktion.

Auch Drohungen wurden ausgesprochen. Er habe eigentlich ein gutes Verhältnis zu seinem Nachbarn, „aber ich lasse ich mich nicht auf diese Art auf meinem Grundstück beschimpfen“. Der Parkplatz eines angrenzenden Autohauses sei voll gewesen. „Ich habe unter anderem Autos aus Hamburg, Hannover, Bremen und dem Ruhrgebiet gesehen.“

Trauerfeier wurde aus Pietätsgründen nicht aufgelöst

Nach den neuen Corona-Anordnungen hätte die Versammlung aufgelöst werden müssen. Trauerfeiern mit mehr als 15 Personen waren bereits am Freitag schon nicht mehr gestattet. Zudem haben die Eziden selbst einen Aushang gemacht, auf dem deutlich zu lesen ist, dass man Trauerfeiern nur noch eingeschränkt vornehmen dürfe. Die Polizei griff aus Pietätsgründen nicht zu diesem Mittel, sie wollte die Situation auch nicht eskalieren lassen, so eine Polizeisprecherin zur NRZ. Vor Ort habe es geheißen, dass das Ordnungsamt Kalkar die Versammlung aufzulösen habe. Die Polizei rückte dann ab.

In der Folge sahen sich der Kalkarer Streetworker und zwei Ordnungsamtsmitarbeiter den Eziden gegenüber. Diese führten nach telefonischer Rücksprache mit Fachbereichsleiter Andreas Stechling die Trauerfeier zu Ende und lösten sie dann gegen 16.45 Uhr auf. Die Verstorbene sollte dann zur Beerdigung in die Türkei überstellt werden. Die Papiere habe man am Freitag noch ausgestellt, so Stechling.

Gespräch mit Eziden-Sprechern

Damit dies nicht noch einmal vorkommt, sucht die Polizei jetzt die bekannten Eziden-Sprecher aus Kalkar auf, um ihnen die derzeitige Situation zu erklären. Trauerfeiern dieser Art werde es künftig nicht mehr geben können. Der Vorsitzende der ezidischen Gemeinde, Osman Güden, bedauert die verbalen Ausfälle: „Wir verurteilen das aufs Schärfste“, sagte er der NRZ. „So etwas darf es nicht geben.“

Er betonte ausdrücklich, dass die Trauerfeier nichts mit dem ezidischen Gemeindezentrum zu tun gehabt habe. Am Gemeindezentrum habe man ausdrücklich auf die jetzige Corona-Situation hingewiesen. Die Feier sei in Kalkar durchgeführt worden, weil zwei Schwestern der Verstorbenen aus Kalkar stammen und damit auch ein Großteil der Angehörigen. Man werde die Gesetze des Landes achten, so Güden.

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