Fährbetrieb

Fährmann Heinz Hell aus Grieth blieb dem Rhein immer treu

Ein Mann und sein Schiff: Heinz Hell bringt auf der Fähre „Inseltreue B“ Fußgänger und Radfahrer von Grieth nach Grietherort und zurück.

Foto: Niklas Preuten

Ein Mann und sein Schiff: Heinz Hell bringt auf der Fähre „Inseltreue B“ Fußgänger und Radfahrer von Grieth nach Grietherort und zurück. Foto: Niklas Preuten

Grieth.   Als die Zeit des väterlichen Betriebs zu Ende ging, fing neu Heinz Hell an. Mittlerweile steuert der Griether seine Rheinfähre im 26. Jahr.

Ein letzter Zug an der Zigarette, dann geht Heinz Hell die wenigen Schritte zu seinem Arbeitsplatz den Steiger in Grieth hinunter. Die Sonne wärmt schon am Morgen und lässt den Rhein glitzern. Es könnte ein guter Tag werden. Der 69-Jährige hat entsprechende Laune, als er im Maschinenraum den Stand von Öl und Kühlwasser kontrolliert und die nautischen Funkgeräte einschaltet. Die „Inseltreue B“ ist startklar.

Im 26. Jahr bringt Hell mit seiner Fähre Fußgänger und Radfahrer von Grieth nach Grietherort und zurück. Hin und her von April bis Ende Oktober. In den NRW-Sommerferien setzt er täglich außer montags über. „Langeweile habe ich nie“, sagt Hell und lässt ratternd den Motor an. „Auf die Fähre kommen immer andere Menschen, es gibt immer nette Gespräche.“ Und sollte mal niemand über den Rhein möchte, gibt es ja noch die Funkgeräte. Die Kapitäne der vorbeifahrenden Schiffe sind stets für einen kurzen Plausch zu haben. Man kennt sich. „Die Schifffahrt ist ein Dorf“, sagt der Fährmann.

Der Rhein ist sein Wohnzimmer

Wenn das stimmt, dann ist der Rhein Hells Wohnzimmer. Nirgendwo kennt sich der gebürtige Griether besser aus. Der Strom bestimmt schon seit Generationen das Leben der Familie. Heinz Hells Vater war Schiffsprovianthändler, 1929 eröffnete er seinen Betrieb, in dem auch der Sohn später arbeiten sollte. Als diese Ära Anfang der 90er Jahre zu Ende ging, musste sich Hell etwas Neues suchen. Er blieb dem Rhein treu und steuerte an Pfingsten 1992 erstmals seine Fähre an das andere Ufer. „Ich habe mein ganzes Leben auf dem Wasser verbracht. Ich möchte hier nicht weg“, stellt er klar.

Unfallfrei seit 1992

Dabei seien es schwere Anfangsjahre als Fährmann gewesen. „Unser Angebot musste sich erst herumsprechen“, erzählt Hell. Er lässt die Kupplung kommen, gibt mit dem zweiten Hebel Gas und dreht am Steuerrad. Die 240 PS starke „Inseltreue B“ gleitet in eine Lücke zwischen zwei Tankern. Hell wirft seinen Kopf immer wieder von links nach rechts. Erfahrung ersetzt keine Kontrollblicke. „Es ist wichtig, sich immer wieder klar zu machen: Du fährst kein Kies, sondern Menschen“, sagt Hell und klopft auf die Holzverkleidung: Er hat mit seiner Fähre noch keinen Unfall erlebt.

Drei Minuten dauert die Überfahrt, bei viel Verkehr etwas länger. Hell: „Ich tuckere herüber, damit die Leute ein bisschen was davon haben.“

Söhne begeistern sich auch fürs Wasser

Die Leidenschaft für das Wasser tragen auch seine Söhne in sich. Daniel de Raaf fährt auf der zweiten Fähre des Familienbetriebs, der „Rääße Pöntje“, zwischen Rees und Reeserschanz, und Niklas de Raaf ist mit einem Tanker auf Rhein, Elbe und den Kanälen unterwegs. „Das liegt bei uns in den Genen“, meint Hell. Im Winter, wenn der Fährbetrieb ruht, heuert er selbst auf einem Tanker an. In vier Tagen und vier Nächten geht es von Rotterdam nach Basel den Rhein hinauf und später wieder herunter. „Der Beruf ist mein Hobby“, sagt Heinz Hell.

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