Freie Kulturszene

Freie Klever Kulturszene spielte für einen guten Zweck

Sonja Northing (hier mit Bruno Schmitz vom Kulturbüro Niederrhein) versorgte die Gäste persönlich mit Getränken.

Foto: Andreas Daams

Sonja Northing (hier mit Bruno Schmitz vom Kulturbüro Niederrhein) versorgte die Gäste persönlich mit Getränken.

Kleve.   Die freien Klever Kulturschaffenden traten gemeinsam im Radhaus auf. Der Abend sollte Geld für die Kulturmeile zum Stadtjubiläum einbringen.

Davon träumen die Kulturmacher andernorts: Die Politik steht dienstbeflissen hinter der Theke und berät sachkundig in Bierfragen, während sie auf den Bühnen Musik und Theater machen und damit das große Publikum begeistern. In Kleve war dieses Szenario nun für einen Abend Wirklichkeit. Bürgermeisterin Sonja Northing verkaufte im Radhaus Getränke für einen guten Zweck. Denn am 2. Juli will der Künstler-Zusammenschluss Kultur-Raum Kleverland anlässlich des Stadtjubiläums eine Kulturmeile am Spiegelzelt errichten. Und dazu braucht er was? Natürlich: Geld.

Oft heißt es ja abschätzig, wenn Kulturschaffende zusammentreffen, hätten sie nur dieses eine Thema: Geld. Insofern war der Benefiz-Abend der Freien Klever Kulturszene (FKK) eine lohnendere Variante. Man tritt auf, um Spenden zu akquirieren, durch die man dann wieder auftreten kann. Zum Wohle der Stadt und auch ihrer Oberen, die sich im Glanze einer höchst lebendigen Kulturszene sonnen dürfen, für die sie außer warmen Worten nun wenigstens ein kaltes Bier übrig haben.

Jeder macht auf der Bühne sein Ding

„Wir wollen hier vorstellen, was in Kleve so alles passiert“, erklärt Michael Dickhoff von der Klangfabrik Kleve. „Und wir wollen das, was Kultur-Raum Kleverland heißt, mit Leben füllen.“ Das Zielpublikum: alle. Tatsächlich kommen immer mehr Klever an diesem Samstagabend ins Radhaus, alte und auch jüngere. „Über ein Jahr treffen wir uns regelmäßig“, sagt Dickhoff, „wir tauschen uns aus, und irgendwann stand die Frage im Raum, warum wir nicht einfach mal etwas zusammen machen.“ Schon das ist ja eigentlich eine Sensation: Dass so viele Kulturschaffende am gleichen Strang ziehen.

Wobei jeder auf der Bühne sein Ding macht. Zum Beispiel Thomas Geisselbrecht und Steph Rausch. Die beiden spielen Gitarrenduos, leise, ausdrucksvolle Musik von Bach bis Tango. Außerdem haben sie ein Stück von Ahmed El Salamoni mitgebracht, der demnächst im Culucu in Rindern zu Gast sein wird. Auch so ein hübscher Kultur-Ort. Dann tritt die Blue Band auf. Sie ist entstanden im Rahmen eines VHS-Kurses.

Kompromisse im musikalischen Repertoire

„Wir versuchen, Spaß zu haben, das ist das Wichtigste“, findet Gitarrist Otto Werner. Bandleader Wolfgang Liß kennt aber auch die unliebsamen Kompromisse, die man in Sachen Kultur machen muss. „Anfangs haben wir viel reinen Jazz gespielt, aber dafür gibt es nur ein ganz spezielles Publikum.“

Die Folge: „Wir machen jetzt auch Sachen, die die Leute kennen und mögen.“ Improvisieren muss die Band ohnehin – einige Leute sind in Übersee, Spieler für Posaune, Trompete und Klavier dürfen sich gerne melden und mitmachen.

Traum vom eigenen Haus für die Kulturszene

Das Problem, dass Leute fehlen, hat auch „Theater im Fluss“. Man merkt es aber überhaupt nicht. Den jugendlichen Schülern und Studenten genügen schon wenige Requisiten, um daraus originelle, höchst witzige Szenen abzuleiten. Eine Banane, ein Stoffschweinchen und ein Telefon etwa. Eine Zeitung und ein Hochzeitsalbum. Die Vorstellung, unsere Körperteile könnten reden und ihre Wünsche kundtun. Ein Fuß zum anderen angesichts der fünfzehnstufigen Treppe: „Immer muss ich eine Stufe mehr nehmen als du.“

Der große Traum, sagt Dickhoff, sei ja ein eigenes Haus für die Kulturszene. Er hält den Traum inzwischen für unrealistisch. Nicht so der Künstler Max Knippert. Er organisiert gerade ein großes Symposium mit internationalen Städteplanungs-Profis, das am Freitag, 12. Mai stattfinden soll. „Im Herzen der XOX sollten wir ein soziokulturelles Zentrum etablieren“, findet er. „Kultur gehört in alte Industriebrachen hinein.“ Dafür gebe es ja viele gute, funktionierende Beispiele. Die Kostproben im Radhaus machen jedenfalls Lust auf mehr. Klar ist: An Kulturmachern fehlt es Kleve nun wirklich nicht. Nur an einem: dem Geld.

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