Klever Kulturmeile

Freie Kulturszene Kleve stellte sich vor

Die Klever Kulturmeile zog viele Besucher an

Die Klever Kulturmeile zog viele Besucher an

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Die Kulturmeile der freien Kulturszene Kleve auf der Cinque-Allee fand viel Zuspruch. Nicht nur Kulturfreaks kamen auf ihre Kosten

Sie sind immer noch da. Die Klever Herzöge. Anna von Cleve. Die Fotografen Willy Maiwald und Fitz Getlinger. Die Industriellen, Künstler, Sagengestalten und Originale. Sie haben der Stadt ein Gesicht gegeben, ein freundliches, verschmitztes, interessiertes und interessantes. Die freie Kulturszene, organisiert im „Kultur Raum Klever Land“, sieht sich in dieser Tradition. Darum hatte sie zum Stadtjubiläum die Kulturmeile in der Cinque-Allee (so der immer noch inoffizielle Name) hinter dem Forstgarten organsiert. Zehn Stunden Kultur um das Spiegelzelt herum - mit der Möglichkeit, am Wegesrand an Tischen Platz zu nehmen, die nach Joseph Beuys oder Fritz-Leinung, Robert Scholten oder Heinz Will benannt waren.

Kultur zieht die Leute an

Und siehe da: Kultur zieht die Leute an. Man sah eine Vielzahl Familien und Cliquen gemeinsam essen und trinken, herumschlendern und zuschauen. Punkt Zwölf ging es gestern Mittag los, sogleich brach die Sonne durch. Wenn auch unterbrochen von kurzen Regenschauern. Können Wassertropfen den Poetry Slammern, den Performern, Schauspielern oder Musikern etwas anhaben? Nein. Im Gegenteil. Sie strahlten Selbstbewusstsein aus. „Wir sind wer“, sagte Bruno Schmitz. „Unsere Vielfalt an kulturellen Projekten bereichert die Stadt.“

Das sah auch Bürgermeisterin Sonja Northing so. „Ich verspreche, dass nach dieser Veranstaltung jeder in Kleve weiß, dass es die freie Szene gibt und wie vielseitig sie ist“, sagte sie in ihrer Begrüßung. Von Wertschätzung und Förderung sprach sie – ersteres kann man mit Worten und Gesten ausdrücken, letzteres erfordert finanzielle Mittel. Hier liegt bislang der Dissens zwischen der Politik und der freien Szene. „Ich hätte mich gefreut, wenn die Stadt uns etwas zur Wiedergutmachung des zerstörten Schützenhauses geschenkt hätte“, fand Bruno Schmitz. Er meint: Eine Heimstatt für die Kulturszene. Ein Haus, eine Halle, ein Zelt. Immerhin, so ließen einige Kulturschaffende durchblicken, lasse sich Sonja Northing bei den Treffen des Kultur-Raums deutlich häufiger sehen als ihr Vorgänger Theo Brauer. Man sei also im Gespräch, immerhin.

Kultur funktioniert auch unter freiem Himmel

Aber leider – oder zum Glück – funktioniert Kultur auch unter freiem Himmel. Etwa, wenn Jugendliche ihre Geschichten vortragen und das Publikum per Applaus abstimmt, wer der bessere Geschichtenerzähler ist. Oder wenn Schauspieler vom Theater im Fluss als sonderliche Wesen, verheulte Sensibelchen oder übergroße Stelzenmännchen durchs irritierte Publikum stolpern. Und nicht zuletzt, wenn die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule und Noch-Sekundarschule ihre Bilder Klever Persönlichkeiten und Klever Geschichte an die Bäume hängen, von Barbara Hendricks bis zur kriegsversehrten Schwanenburg. „Sie haben sich intensiv mit der Klever Geschichte beschäftigt“, erzählt Kunstlehrerin Jutta Poorten. Wäre doch schön, wenn einige der Bilder auch mal im neuen Rathaus zu sehen wären. Als Erinnerung an alles das, was einmal war. Als Hinweis auf alles das, was im Klever Land derzeit Kreatives geschieht. Und vielleicht auch als kleine Ermahnung, über die Möglichkeiten einer künftigen Förderung nachzudenken.

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