Freie Sicht rund um den Turm

Jürgen Rother und Bruno Schmitz sind auf die Umbauarbeiten gespannt.

Jürgen Rother und Bruno Schmitz sind auf die Umbauarbeiten gespannt.

Foto: WAZ FotoPool

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Kleve.  Überall nur Schutt, Container voller Müll und Schrott. Dazwischen fällt die erstaunlich saubere Tafel mit der Schönschreibschrift sofort ins Auge: „Seeteufelfilet in Champagnersoße mit Beilage 25,40 Euro“. Ein Relikt aus vergangenen Zeiten des Restaurants am Aussichtturm in Kleve. Aber genau das wird’s in dem zur Zeit im Entkernungsprozess befindlichen Gebäude auf dem Klever Berg künftig nicht mehr geben. Denn, so verriet es die neue Eigentümergemeinschaft um Bruno Schmidt (die NRZ berichtete) und Jürgen Rother: „Wir werden hier eher kleine Köstlichkeiten auf der Tafel stehen haben.“

Und das in gar nicht mal so ferner Zukunft. Denn bereits für den Sommer 2013 ist die Eröffnung geplant. Bis dahin müssen Schmitz, Rother, Mechtild Janßen und Barbara Jacobs noch einiges Geld in die Hand nehmen. Zur Höhe wollen sie jetzt noch nichts sagen. Nur soviel: Das heruntergekommene Lokal am Fuße des denkmalgeschützten Aussichtsturms, der weiterhin der Stadt Kleve gehört, hat schon eine beträchtliche Summe abverlangt. Also kein 1-Euro-Kauf...

Sichtachsen werden freigeschnitten

Dafür konnte Bruno Schmitz ein anderes Geheimnis verraten: Dienstagmorgen fand ein erstes Gespräch mit den Förstern statt, bei dem das Thema „Sichtachsen“ besprochen wurde. Denn davon gab’s ausgehend vom Aussichtsturm einmal elf Stück, die allesamt zugewachsen sind. „Auf Dauer wäre es schön, wenn wieder sechs Sichtachsen zugelassen werden“, wünscht sich Bruno Schmitz. Denn schließlich habe er mit seinen drei Freunden mit dem Kauf des Projekts ein festes Ziel. Und das heißt: „Kulturpark-Projekt“. Als erste Sichtachse soll es schon 2013 die freie Sicht auf die Schwanenburg geben. Dafür muss der ein oder andere Baum wahrscheinlich weichen. Dafür kann man sich bereits jetzt vorstellen, wie atemberaubend schön dann der Blick sein wird.

Das neue Restaurant „Zum Aussichtsturm“ wird sich künftig „gedreht“ präsentieren. Soll heißen: Küche und Betriebsraum verschwinden in einer Ecke des bislang als Restaurant genutzten Raums. Dafür bekommen die alten Wirtschaftsräume bodentiefe Fenster und später auch eine Veranda.

Das Gebäude soll dann ein etwas anderer Treffpunkt werden. Für Freunde eines guten Schlückchens und Liebhaber kleiner Köstlichkeiten, die auch Kultur zu schätzen wissen. Dann wird auch Bruno Schmitz irgendwann auf der Außenveranda sitzen, den Blick auf Königsallee oder Schwanenburg genießen können und sich wieder gerne an den Platz seiner Kindheit erinnern. „Auf der Merowinger Straße bin ich geboren worden. Im Winter fuhren wir hier vom Aussichtsturm hinunter bis zu den ,Vier Winden’ mit dem Schlitten. Damals wohnte ich keine 500 Meter von hier entfernt. Heute sogar noch näher dran, es sind keine 300 Meter bis zu meinem Zuhause.“

Der Verfall von Turm und Gastronomiegebäude taten ihm weh – bis er gemeinsam mit seinen Freunden nun die Lösung fand. Dem gemeinsamen „Zugriff“ folgten direkt Taten. „Wir hatten Dienstagmorgen schon den ersten Container voll mit Gerümpel und Müll“, sagt Rother. Schuttberge werden folgen. Und dann geht’s schon zur ersten großen Fete: „Rohbauparty!“ nennen es die vier Klever Investoren. „Für den 1. Dezember sind ab 18 Uhr alle interessierten Klever eingeladen, einen ersten Blick in den Rohbau zu werfen und mit uns an Feuerkörben zu feiern.“

Gegen Entgelt kann dann auch jeder essen und trinken. Und sein Glas erheben, um auf den 120-jährigen Geburtstag des Klever Aussichtsturms anzustoßen. Denn der wurde 1892 errichtet.

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