Down-Syndrom

Für Joost aus Goch ist Down-Syndrom kein Thema

Seit Jahren ist Joost bei den Messdienern der Arnold-Janssen-Gemeinde aktiv. Die Kerze zu tragen gefällt ihm besonders.

Seit Jahren ist Joost bei den Messdienern der Arnold-Janssen-Gemeinde aktiv. Die Kerze zu tragen gefällt ihm besonders.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Goch.   Am 21. März ist Welt-Tag des Down-Syndroms. Im Goli gibt’s dazu Informationen. Joost Meder ist „Betroffener“ und zeigt, wie Integration gelingt.

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Die meisten Gocher kennen ihn zumindest flüchtig. Wo kleinere Kinder in der Familie sind, ist die Bekanntschaft wahrscheinlich etwas enger. Denn Joost, 14 Jahre alt, ist immer überall dabei und mittendrin. Der Junge, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam, kann seine Besonderheit nicht verstecken, aber schon gar nicht soll ihn die Behinderung davon abhalten, ein fröhliches, „normales“ Kind zu sein. Der Gesellschaft um ihn herum bleibt praktisch nichts anderes übrig, als diesen Umgang mit dem Thema zu unterstützen, denn Joosts Eltern fordern Integration freundlich aber bestimmt ein.

Die Autorin dieser Zeilen hat den Jungen aus Goch schon als Kleinkind erlebt. Damals war er mit dem eigenen Sohn in einer Flötengruppe. Gelernt haben die Kinder dort nicht allzu viel, außer vielleicht, Andersartigkeit zu akzeptieren. Der eine lernte schneller, der andere langsamer, einer versuchte, ein paar Minuten beim Thema zu bleiben, der andere suchte sich lieber eine andere Beschäftigung.

Die kleinen Schwierigkeiten im Alltag

Wenn Joost zu sehr störte, schaltete sich seine Mutter ein: „Ich habe nie gesagt: Joost kann an dem und jenem nicht teilnehmen, weil er behindert ist. Andererseits: Wenn etwas wirklich nicht funktioniert, dann muss man uns das sagen, und dann kümmern wir uns.“ So war das, wenn Joost bei einem Kindergeburtstag war, als er in einem Kursus Schwimmen lernte und ist es immer wieder, wenn es um Schule oder Freizeit geht. „Man muss da auch Lehrer oder Übungsleiter verstehen: Die können nicht zehn oder 20 Kinder stehen lassen, weil Joost gerade einen Zornanfall hat. Da bin dann eben ich gefragt.“

Joost hat zwei Brüder – einen kleinen und einen nur 16 Monate jüngeren, der in gewisser Weise der „große“ Bruder ist. Paul ist ein Vorbild und sein bester Kumpel. „Ich mag aber auch Lukas, Niklas und Leon“, sagt er und meint damit seine Klassenkameraden. Joost besucht die sechste Klasse der Gocher Hauptschule, die sich seit Jahren für die Inklusion engagiert.

Ein Kind mit Down-Syndrom braucht mehr Fürsorge

„Es war anfangs natürlich nicht klar, ob Joost an einer Regelschule zurecht käme. Aber er hat eine Integrationshelferin, die immer bei ihm ist. Sie hat ihn schon durch die Grundschule begleitet, ist eine persönliche Freundin der Familie und genießt unser völliges Vertrauen – ohne sie ginge es nicht“, erzählt Simone Meder, die selbst Erzieherin ist. Aber nur in Teilzeit, denn ein Kind mit Down-Syndrom braucht schon mehr Aufmerksamkeit als andere. Hinzu kommen Termine bei Therapeuten und Begleitung zu all den Anlässen, die andere 14-Jährige alleine schaffen.

„Joost ist sehr fromm. Seit seiner Erstkommunion ist er begeisterter Messdiener“, berichtet die Mutter, die ihr Kind sehr häufig strahlen sieht und ganz sicher dann, wenn es das weiße Gewand überzieht. Die liturgische Kleidung ist Joost mindestens ebenso lieb wie sein Bayern-Trikot. Und er dient, so oft er kann. Die Patres der St.-Arnold-Janssen-Gemeinde haben damit kein Problem. „Ich weiß genau, wo die Kerze hinkommt und wann ich klingeln muss“, sagt Joost und schreitet erhobenen Hauptes aus der Sakristei in den Kirchenraum.

Klare Strukturen helfen im Alltag

Einer der Gründe, warum es so schön für Joost ist, Minestrant zu sein, liegt gerade in seiner Behinderung: „Unser Sohn braucht klare Strukturen, feste Regeln, Werte, um sich zu orientieren. Die immer gleichen eingeübten Handgriffe geben ihm Sicherheit und Halt. Auch zu Hause sind die bekannten Rituale ganz wichtig: Zum Beispiel muss jeder Geburtstag gefeiert werden, Silvester gibt’s Knaller und am Samstag um 18 Uhr sitzen wir zur Sportschau vor dem Fernseher“, erzählt die Mama. Wehe das klappt mal nicht – dann kann Joost ganz schön sauer werden.

Neben Familie, Schule und Kirche ist auch der Sportverein eine feste Größe im Leben des 14-Jährigen. Achim Hahn und Dirk Weiler trainieren die inklusive „Torjäger“-Mannschaft, der Joost angehört. Bei Alemannia Pfalzdorf rennen und schießen die Jungs und Mädels mit Leidenschaft und auch schon mal im sportlichen Wettkampf gegen andere Gruppen. Joost ist begeistert dabei – seine Münchener Vorbilder zeigen ihm ja, wie es geht.

Joost wird zur Selbstständigkeit erzogen

„Wir erziehen Joost zu weitestgehender Selbstständigkeit. Für uns ist klar, dass er irgendwann ausziehen soll, es gibt ja begleitete Wohngruppen. Er muss dann auch ohne uns klar kommen“, weiß Simone Meder. Über dieses und viele andere Themen tauschen sich die Mütter und Väter in einem Elternkreis aus. Den kann kennenlernen, wer am Donnerstag, 21. März, ab 15 Uhr in die Stadtbücherei kommt. Ab 16 Uhr gibt es eine Lesung aus dem Buch „Florian lässt sich Zeit“. (nik)

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