Schüleraustausch

Für Lina van de Loo ist Australien ein zweites Zuhause

Lina van de Loo genießt das Leben in Australien.

Lina van de Loo genießt das Leben in Australien.

Foto: Van de Loo

Uedem/Walcha.   Eine Uedemerin in Australien: Von ihrem Schüleraustausch in Walcha berichtet Lina van de Loo über Gemeinschaftssinn und Kängurus an jeder Ecke.

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Bei einem Schüleraustausch mitzumachen, das heißt Freunde und Familie für ein ganzes Jahr hinter sich zu lassen. Das eigene Zuhause hinter sich zu lassen, also den Ort, an dem man sich wohlfühlt. Warum sollte jemand das tun?

Bei mir ist es jetzt ein halbes Jahr her, dass ich in Düsseldorf in ein Flugzeug gestiegen bin und mich über 30 Stunden später in Walcha, einem kleinen Ort in Australien, wiedergefunden habe. Walcha ist nicht unbedingt der Ort, den man sich vorstellt, wenn man an Australien denkt. Er liegt etwa 200 Kilometer von der Küste entfernt, auf einer Höhe von etwas über 1000 Metern. 1500 Menschen wohnen in Walcha und weitere 1500, hauptsächlich als Landwirte, außerhalb der Ortschaft. Die nächstgrößere Stadt ist 65 Kilometer entfernt, bis dahin findet man in der umgebenden Hügellandschaft nichts anderes als riesige Wiesen mit trockenem Gras und Eukalyptusbäumen – das Zuhause von mehr als einer Millionen Schafen und Rindern.

Das Beste aus der Situation machen

Es wäre als Austauschschüler einfacher, in einer größeren Stadt mit anderen Austauschschülern, guter Infrastruktur und vielen Freizeitaktivitäten zu leben. Davon hat Walcha allerdings nichts zu bieten. Es lag also an mir, das Beste aus der Situation zu machen. Und nach einem halben Jahr wage ich zu behaupten: Das ist mir gelungen.

Walcha hat eine unglaublich gute Gemeinschaft, von der ich nun ein Teil bin. Das Rotary-Austauschprogramm hat mich hierhin gebracht, wo ich von meinem ersten Schultag an eine Gruppe von Freunden gefunden habe, die mich sofort herzlich aufgenommen hat – obwohl ich mich selber als recht schüchtern beschreiben würde.

Mit Delfinen im kristallklaren Meer schwimmen

Es ist nicht so, als würde ich die ganze Zeit nur in Walcha „festsitzen“. Ganz im Gegenteil: Ich habe schon Sydney und Australiens Hauptstadt Canberra gesehen. Und ich war sowohl im Westen, wo die Straßen sich für hunderte Kilometer strecken, ohne dass man auch nur einer Menschenseele begegnet, als auch an der Ostküste, wo man mit freien Delfinen im kristallklaren Meer schwimmen kann.

Die meiste Zeit bin ich dann aber doch in Walcha. Wenn nicht gerade Ferien sind, gehe ich natürlich zur Schule. Mit mir lernen dort 270 Schüler vom Kindergartenalter bis hin zur Jahrgangsstufe zwölf. Dass die Schule so klein ist, ist aber nicht der einzige Unterschied zu meiner Schule in Deutschland. Das Tragen von Schuluniformen war zu Beginn beispielsweise auch sehr ungewohnt für mich. Und, obwohl meine Schule „nur“ eine kleine öffentliche Einrichtung ist, hat sie eine sehr gute und moderne Ausstattung unter anderem mit Tablets, Laptops, Drohnen und einem 3-D-Drucker. Auch das Schulgelände ist sehr groß und hat zahlreiche Sportplätze sowie eine eigene Farm mit Rindern, Schafen, Schweinen und Hühnern.

„Touch Football“ ist ein gesellschaftliches Event

Wenn die Schule um 15.10 Uhr endet, geht es oft mit Freunden zum Pool und jeden Donnerstag zum „Touch Football“, dem gesellschaftlichen Event in Walcha. Ich verbringe auch viel Zeit mit meiner Gastfamilie und habe zweimal die anderen Rotary-Austauschschüler getroffen. Nachdem wir zusammen eine Woche am Meer waren und Schnorcheln gegangen sind, steht bald eine Safari-Tour durch Australien an. Dabei legen wir in drei Wochen mehr als 10 000 Kilometer mit dem Bus zurück, sehen den Uluru, reiten auf Kamelen und schwimmen im Great Barrier Reef.

Ich könnte eine unendlich lange Liste mit den Dingen schreiben, weshalb ich Australien so sehr liebe. An erster Stelle würde vermutlich stehen, dass es hier in Walcha unmöglich ist, das Haus zu verlassen, ohne dabei einem Känguru über den Weg zu laufen.

Warum sollte man also das Zuhause für ein Jahr hinter sich lassen? Meine Antwort darauf habe ich schon gefunden: Weil ich jetzt ein zweites Zuhause am anderen Ende der Welt habe.

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