Mensch am Mittwoch

Für Peter Kersten ist Kochen in Kalkar Kunst

Peter Kersten hat auf Schloss Anholt gelernt und war auch mal Koch in Florida.

Foto: Andreas Daams

Peter Kersten hat auf Schloss Anholt gelernt und war auch mal Koch in Florida. Foto: Andreas Daams

Kalkar.   Peter Kersten ist Pächter des Kalkarer Beginenhofs. Er hat bei Sterneköchen gelernt und schon den chinesischen Präsidenten bekocht.

Zum Malen kommt er derzeit nicht so viel. Dabei hat Peter Kersten ein Händchen fürs Künstlerische. An der Wand hängt eines seiner Ölbilder: eine Begine schaut durch ein weit geöffnetes Fenster in die bunte Welt hinaus. Beginen waren Mitglieder einer geistlichen Gemeinschaft, die gemeinsam in einem Gebäude lebten. Ihr Haus in Kalkar steht noch, es ist der Beginenhof. Hier sitzt nun Peter Kersten, Jahrgang 1988, am schweren Holztisch. Er ist seit vergangenem Jahr Pächter des Hauses und damit der Küche, die vorher hauptsächlich Essen auf Rädern für Kalkar und Umgebung zubereitete.

Mittagstisch im Beginenhof

Das macht sie immer noch. „Essen auf Rädern? Das schreckt erstmal ab“, sagt Peter Kersten. Aber wenn man es von Grund auf selber kocht, ohne Fertigprodukte und weitestgehend ohne Zusatzstoffe, mit ausgesuchten Zutaten, dann spricht nichts dagegen, es auch als Mittagstisch für jedermann anzubieten. Zumal, wenn man über so schöne Räume und Terrassen verfügt wie der Beginenhof. Bis zu 50 Leute kommen nun täglich, um für 5,50 Euro zu Mittag zu essen. Ab dem 10. November wird der Beginenhof an Wochenenden abends auch noch als Steakhouse seine Pforten öffnen. Denn kochen, das hat Kersten gelernt bei einigen der Besten seines Faches. Da wäre es doch schade, dieses Können den niederrheinischen Genießern vorzuenthalten.

Man muss wissen: Über Essen zu sprechen, war bei Familie Kersten völlig normal. Peter Kerstens Eltern sind beide Köche und haben sich im Kalkarer Ratskeller kennengelernt. Heute führt sein Vater die Küche des Krankenhauses in Wesel, sein älterer Bruder diejenige des Emmericher Krankenhauses. Also erlernte auch Peter Kersten den Beruf, und zwar auf Schloss Anholt. „Man muss aber weiterziehen, wenn man ein wirklich guter Koch werden will“, erzählt Kersten. Also ging er ein Jahr zum Zwei-Sterne-Koch Dieter Kaufmann. Danach in einen der zehn besten Golfclubs der USA in Florida. „Da hatten wir zu fünft bis zu 180 Leute, die à la carte gegessen haben“, erinnert er sich. Nächste Station war das Interconti in Düsseldorf. Dort durfte Peter Kersten schon mal für den FC Bayern München kochen oder für den chinesischen Präsidenten und seine Delegation. „Innerhalb von acht Minuten gingen 300 Tellergerichte raus“, erzählt er. Auch in der Schweiz verbrachte er ein Jahr bei einem Sterne-Koch, dann ging er als stellvertretender Küchenchef zurück ins Interconti, schließlich in die Düsseldorfer Brasserie Stadthaus.

Bald auch ein Steakhaus

Der Weg zurück nach Kalkar führte über eine Geschäftsidee: eingeweckte Suppen, kleine Portionen im Glas. Peter Kersten erkundigte sich, ob er die Küche des Beginenhofs für die Produktion benutzen könne. Nachdem er seine Suppen dort präsentiert hatte, fragte ihn der Vorstand des Beginenhofs, ob er nicht Lust habe, das ganze Haus zu pachten. „Da habe ich lange überlegt“, sagt er. Aber er sah die Chancen, die das Haus bietet und die er nun nach und nach umsetzt. Catering für diverse Anlässe gehört dazu, der Mittagstisch, demnächst das Steakhouse. Hier wird er eine Methode einsetzen, die er in den USA erlernt hat: Das Fleisch wird kurz mit einem 850 Grad heißen Grill per Oberhitze angebraten. Dazu verspricht er Saucen auf höchstem Niveau. „Das ergibt das perfekte Steak“, ist er überzeugt.

Mit hoher Qualität möchte er auch ein Stück Wertschätzung für den Beruf des Kochs zurückerobern. Denn die sei in den vergangenen Jahren doch ein Stück verloren gegangen, findet er. Koch sein, das erfordert vor allem, die Ruhe zu bewahren. Auch bei größtem Stress. „Mir macht das ja Spaß“, versichert er. Aber manchmal ist dann doch die Luft raus. Zusammen mit seiner Freundin, die mit ihm im Beginenhof arbeitet, wollte er am Silvesterabend eigentlich ausgehen. Dann sind die beiden aber doch einfach eingeschlafen.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik